Sachsen

Leipzig, Ortsteil Zentrum-Südost

Rundgang durch das Zentrum-Südost – Teil II – Rechts und links der Achse zum Völkerschlachtdenkmal

Die russische Kirche in Leipzig

Die russische Kirche in Leipzig

Der Stadtteil Zentrum Südost der Stadt Leipzig setzt sich aus mehreren Gebieten zusammen, die die städtebauliche Entwicklung der Stadt seit dem Mittelalter aufzeigen. Bereits im späten 13. Jahrhundert setzte die bauliche Entwicklung der Ostvorstadt ein. Eine großflächige Bebauung des Gebietes östlich und südöstlich der Altstadt begann aber erst im 17. Jahrhundert. Die flächenhafte Bebauung setzte seit dem frühen 19. Jahrhundert ein und war etwa 100 Jahre später abgeschlossen.

Die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Hof und der Bau des Bayrischen Bahnhofs gaben dem Gebiet einen Aufschwung. Die Ostvorstadt, die sich aus der Grimmaischen Vorstadt entwickelte, setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die die städtebauliche Entwicklung des Gebietes verdeutlichen. Teile der Ostvorstadt gehören heute zum Stadtteil Zentrum-Südost

Geschichte

Die Ostvorstadt ist eine für die Entwicklung Leipzigs zur Großstadt bedeutendsten Stadterweiterungen. Ältester Teil der Ostvorstadt ist die Grimmaische Vorstadt, die im 15. Jahrhundert wegen ihrer Lage an der Straße nach Grimma so genannt wurde und heute im Bereich des Grassimuseum liegt. Im 16. Jahrhundert entstanden hier die Johanniskirche (kriegszerstört) und das Johannishospital.

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Die großflächige Bebauung der Ostvorstadt setzte erst im 17. Jahrhundert ein. Aufgrund steigender Druckaufträge für Leipziger Druckereien verlagerten viele Betriebe ihren Sitz außerhalb der Stadtmauer. Nach 1830 entstanden die ersten planmäßigen Stadterweiterungen. Mit der Eröffnung des Bayrischen Bahnhofs erfuhr die Ostvorstadt eine nochmalige Erweiterung. 1865 bis 1891 wurde das Universitätsviertel bebaut.

Doppel-M an der Alten Messe Leipzig

Doppel-M an der Alten Messe Leipzig

Im Jahre 1913 fand in Leipzig die Internationale Baufachausstellung (IBA) statt. Dafür wurde ein Ausstellungsgelände hinter dem Vorwerk Thonberg geschaffen. 1914 folgte an gleicher Stelle die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik. In den damals drei Hallen eröffneten 1920 die seit 1918 stattfindende Technische Messe und die Baumesse ihre Pforten. In den 1920er Jahren wurde das Messegelände ausgebaut. 1928 gab es 17 Messehallen und weitere kleinere Bauten. Während des Zweiten Weltkrieges fand in einigen Hallen der Alten Messe Rüstungsproduktion statt. Am 4. Dezember 1943 wurden durch einen Bombenangriff 4 Hallen total und 14 Hallen teilweise zerstört.

Die erste Leipziger Messe nach dem 2. Weltkrieg wurde im Mai 1946 in vier Hallen abgehalten. In den Folgejahren erfolgten laufend Erweiterungen sowie Neu- und Umbauten, darunter der 1950 entstandene Sowjetische Pavillon, die Messehalle 7 (1980), die Messehalle 22 (1989 bis 1992) und ein Verwaltungsbau am Nordeingang. Daneben entstanden noch zahlreiche kleinere Bauten und Provisorien. Von 1991 bis 1996 wurden auf dem Gelände der Alten Messe noch einige Fachmessen durchgeführt, bevor 1996 die Neue Messe im Leipziger Norden ihren Betrieb aufnahm.

Nach dem ersten Weltkrieg erfolgte die städtebauliche Umgestaltung des Seeburgviertels und die zweite Ausbauphase des Universitätsviertels. 1925 bis 1929 wurde auf einem Teil des Alten Johannisfriedhofes das Neue Grassimuseum erbaut.

Im 2. Weltkrieg wurde und das Universitätsviertel zu 80% zerstört. Mit der dritten Ausbauphase des Universitätsviertels zwischen 1950 und 1960 erfolgte der Wiederaufbau.

Wohnbebauung am Roßplatz in Leipzig

Wohnbebauung am Roßplatz in Leipzig

Das Gebiet des Stadtteils Zentrum-Südost war im 2. Weltkrieg stark zerstört worden. Der Wiederaufbau begann am Rossplatz, wo ein monumentaler, mehrgeschossiger Wohnkomplex im Stil der nationalen Tradition der DDR entstand und an der Grünewald-, Brüder- und Windmühlenstraße.

Die starken Kriegszerstörungen machten in den 1970er Jahren eine neue Planung für die Straße des 18. Oktober erforderlich, die Achse von der Innenstadt zum Messegelände und zum Völkerschlachtdenkmal ist. Es entstanden mehrere mehrgeschossige Wohnscheiben und Hochhäuser in aufgelockerter Bauweise. Eine vollständige Bebauung der Straße des 18. Oktober erfolgte jedoch nicht.

In den 1980er Jahren erfolgte im Seeburgviertel der großflächige Abbruch alter Bausubstanz und die Neubebauung mit Plattenbauten. Nach 1990 wurden in der Ostvorstadt zahlreiche große Bauvorhaben umgesetzt, darunter der weitere Ausbau des Universitätsviertels.

Rundgang durch das Zentrum-Südost – Teil II – Rechts und links der Achse zum Völkerschlachtdenkmal

Bayrischer Bahnhof in Leipzig

Bayrischer Bahnhof in Leipzig

Der Rundgang durch das Zentrum-Südost orientiert sich an der zentralen Achse des Stadtteils – der Windmühlenstraße und der Straße des 18. Oktober und beginnt am Rossplatz (Haltestelle Straßenbahn 2 Richtung Naunhofer Straße, 9 Richtung Connewitz und 16 Richtung Lößnig).
Am Rossplatz steht die sogenannte Ringbebauung, ein mehrgeschossiger Wohnbau aus den 1950er Jahren. Vom Rossplatz geht die Besichtigungstour in die Grünewaldstraße und dann nach links in die Windmühlenstraße und weiter bis zum Bayerischen Platz. Die Grünewaldstraße und der erste Teil der Windmühlenstraße wurden in den 1950er Jahren wieder aufgebaut. Das Bild der Windmühlenstraße ändert sich aber bald. Aufgelockerte Wohnbebauung begleitet die Straße bis zum Bayerischen Bahnhof. Der Bayerische Bahnhof wurde 1844 erbaut und ist der älteste erhaltene Fernbahnhof in Deutschland. Nach Zerstörungen im 2. Weltkrieg ist heute der Portikus und ein Bahngebäude erhalten.

Von Bayrischen Bahnhof geht es nach links in die Nürnberger Straße und dann gleich wieder nach rechts in die Liebigstraße. An der Kreuzung steht das Anatomische Institut, ein Bau aus dem 1950er Jahren.

Universitätsklinikum Leipzig

Universitätsklinikum Leipzig

Die Liebigstraße führt durch die Universitätsklinik Leipzig. Die meisten Gebäude wurden nach 1990 neu erbaut. Sehenswert sind ein langgestreckter Klinkerbau auf der linken Seite, der aus der zweiten Bauphase des Universitätsklinikums stammt und gegenüber ein villenartiger Bau aus der ersten Bauphase.

Am Ende der Liebigstraße gelangt man zum Friedenspark. Der Friedenspark war der Neue Johannisfriedhof. Nach dessen Auflösung 1973 bis 1975 wurde der Friedhof zu einem Park umgestaltet und 1983 übergeben. Im Friedenspark gibt es einen Apothekergarten und einen Garten der Sinne. An der Linnéstraße befindet sich der Botanische Garten von Leipzig.

Folgt man der Hauptachse des Friedensparks, kommt man zur Russischen Kirche. Erbaut wurde Sie zum Gedenken an die in der Völkerschlacht bei Leipzig gefallenen russischen Soldaten.

Deutscher Platz und Deutsche Bücherei in Leipzig

Deutscher Platz und Deutsche Bücherei in Leipzig

Nach der Überquerung der Semmelweißstraße gelangt man zur Deutschen Nationalbibliothek am Deutschen Platz. Der Hauptbau der Deutschen Bücherei wurde 1914 bis 1916 von Oskar Pusch und Carl Julius Baer erbaut und 1934, 1959 bis 1963 und nach 2010 erweitert. Den konkaven Baukörper betonen zwei aus der Fassade heraustretende Türmen.

Vom Deutschen Platz führt die Besichtigungstour auf das Gelände der Alten Messe. Ab 1913 erfolgte die Bebauung des Geländes, das in den 1920er Jahren erweitert wurde. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges fand bereits 1946 die erste Messe statt. Ab 1950 wurde das Messegelände erweitert.

Über die Puschstraße gelangt man zur Zwickauer Straße. Hier stehen die Gebäude der Tierklinik und neu errichtete Gewerbe- und Forschungsbauten. Im Hintergrund sind die Kuppeln der Großmarkthalle zu sehen, die 1928 bis 1929 erbaut wurde.

Die Tour führt durch die Semmelweißstraße zurück zum Deutschen Platz und weiter nach links in die Straße des 18. Oktober. Die Straße wurde nach Zerstörungen im 2. Weltkrieg neu bebaut. Einige wenige Häuser der Vorkriegsbebauung sind an der Johannisalle erhalten geblieben.

Über die Straße des 18. Oktober kommt man wieder zum Bayerischen Platz.

Sehenswertes im Zentrum-Südost

Anatomisches Institut am Universitätsklinikum Leipzig

Anatomisches Institut am Universitätsklinikum Leipzig

Anatomisches Institut: (Nürnberger Straße/Liebigstraße) 1951-1956 erbaut im Stil des Neoklassizismus durch Wolfgang Geißler und Heinz Rauschenbach, sechsgeschossiger Hauptbau und halbkreisförmiges Hörsaalgebäude, acht Medaillons von Medizinern,

Bayrischer Bahnhof: (Bayerischer Platz), ältester erhaltene Fernbahnhof in Deutschland, 1844 errichtet, Bahnhofsgebäude 1945 zerstört, Portikus erhalten, triumphbogenartiger, vierbogiger Portikus mit seitlichen Turmaufbauten

Russische Kirche: (Semmelweißstraße) 1912 bis 1913 zur Erinnerung an die in der Völkerschlacht bei Leipzig gefallenen, russischen Soldaten nach Plänen des Architekten Alexandrowitsch Pokrowski nach dem Vorbild der Christ-Himmelfahrtskirche in Moskau errichtet, Putzbau mit Sandsteingliederung und vergoldeten Reliefs, Turmhelm als Stahlbetonskelettbau mit Zwiebelkuppel und Kreuz

Das Rote Haus

Das Rote Haus

Deutsche Nationalbibliothek (Deutsche Bücherei): (Deutscher Platz) 1914 bis 1916 von Oskar Pusch und Carl Julius Baer erbaut, Erweiterung 1934, 1959 bis 1963 und nach 2010, konkaver Baukörper mit zwei aus der Fassade heraustretenden Türmen, Eingangszone mit kannelierten Pilastern, Erweiterungsbau in Form eines zugeschlagenen Buches mit Glasfassade und Magazinturm,

Rotes Haus: (Philipp-Rosenthal-Straße/Johannisallee), 1887 bis 1889 als Siechenhaus errichtet, Klinkerbau auf H-förmigem Grundriss mit Sandsteingliederung, Mittelrisalit,

Sowjetischer Pavillon auf der Alten Messe Leipzig

Sowjetischer Pavillon auf der Alten Messe Leipzig

Alte Messe: ab 1913 erbaut, Erweiterung ab 1920 und ab 1950,

  • Betonhalle (Halle 16): 1913 von Wilhelm Kreis erbaut, neoklassizistischer Betonkuppelbau, Portikus mit sechs kannelierten Säulen,
  • Sowjetischer Pavillon: dreischiffige Halle, 1923 bis 1924 errichtet, 1950 bis 1952 Turmaufbau mit vergoldeter Spitze,
  • Halle 11: 1924 bis 1926 erbaut, Umbau ab 1946, dreischiffiger Eisenbeton-Stahlbau, dreifach gestuftes Dach, spitzbogige Arkaden,
  • MM-Signet: 1965 errichtet an den Zugängen zur Messe (erhalten nur das nördliche), 27 m hohe Stahlkonstruktion

Großmarkthalle: (Zwickauer Straße), Eisenbetonkonstruktion auf ziegelverkleidetem, rechteckigen Unterbau, 1928 bis 1929 errichtet,

Bildergalerie Zentrum-Südost in Leipzig

Skizze zum Rundgang durch den Stadtteil Zentrum-Südost

Leipzig, Zentrum-Südosz

Lesen Sie auch den Beitrag zum Rundgang durch das Seeburgviertel.

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Autor: Mirko Seidel am 27. Feb 2016 12:11, Rubrik: Sachsen, Stadt Leipzig, Stadtansichten, Zentrum, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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