Schlösser & Herrenhäuser

Leipziger Persönlichkeiten – Daniel Gottlob Moritz Schreber

Moritz Schreber

Moritz Schreber

Daniel Gottlob Moritz Schreber wurde am 15. Oktober 1808 in Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Thomasschule studierte Schreber an der Universität Leipzig Medizin. 1839 veröffentlichte Moritz Schreber einen hygienisch-diätetischen Vorsorgekatalog. 1844 übernahm er die von Ernst August Carus als „Heilanstalt für Verkrümmte“ gegründete Leipziger orthopädische Heilanstalt.

In seinen Schriften beschäftigte sich Moritz Schreber vor allem mit der Gesundheit von Kindern und den sozialen Folgen des Stadtlebens zu Beginn der Industrialisierung. Neben „systematischer Heilgymnastik“ warb Schreber auch für eine Ertüchtigung der Stadtjugend durch Arbeit im Grünen, etwa in „Armen- und Specialgärten“.

Der Gesundheitsbegriff schloss im 19. Jahrhundert auch den Gedanken an „gesunde Triebabfuhr“ mit ein, weshalb Moritz Schreber u.a. mit mechanischen Geräten zur Verhinderung der Masturbation experimentierte. Außerdem empfahl er Axthauen und Sägebewegungen, in schwierigen Fällen abendliche kalte Sitzbäder, Kaltwasserklistiere und das Abreiben der Schamgegend mit kaltem Wasser. Um gesunde Körper zu formen, konstruierte Schreber zahlreiche Apparaturen, etwa orthopädische Kinnbänder, um Fehlbissen vorzubeugen, Schulterriemen, die das Kind im Bett in Rückenlage hielten, und „Geradhalter“ für aufrechtes Sitzen. Diese Apparaturen setzte Schreber bei seinen eigenen Kindern ein.

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Von Moritz Schreber entwickelter "Geradhalter"

Von Moritz Schreber entwickelter „Geradhalter“

Mit seiner Frau Pauline hatte Schreber drei Töchter und zwei Söhne. Der älteste Sohn Daniel Gustav beging Suizid, der zweite Sohn war der sächsische Richter und kurzzeitige Senatspräsident am Oberlandesgericht Dresden Daniel Paul Schreber. Dessen autobiografische Beschreibung seiner schweren psychischen Erkrankung „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ wurde 1903 von Sigmund Freud auf der theoretischen Grundlage der Psychoanalyse interpretiert.

Die Schrebergärten gehen nicht auf eine Initiative von Moritz Schreber zurück. Das Konzept Schrebers zur Erzielung von Gesundheit durch „körperliche Ertüchtigung“ nahm der erste „Schreberverein“ als Grundlage. Nach Schrebers Tod 1864 gründete der Leipziger Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild den ersten Gartenverein und benannte ihn nach Moritz Schreber. Schreberbrücke, Schreberstraße und Schrebergässchen in Leipzig erinnern heute an diesen ersten Kleingartenverein.

Deutsches Kleingärtnermuseum Leipzig

Deutsches Kleingärtnermuseum Leipzig

1865 wurde der Schreberplatz am Johannapark in Leipzig eröffnet, dieser hatte aber noch nichts mit einem Garten gemein. Die angelegte Wiese war für Kinder zum Spielen und Turnen gedacht. Der Lehrer Heinrich Karl Gesell legte die ersten Beete und Gärten als Beschäftigungsmöglichkeit für die Kinder an. Diese nahmen die Kinder doch kaum an, aber sehr gern die Eltern. Nach dem ersten Zaun kam der zweite Zaun, dann der dritte und so entwickelten sich später die abgezäunten Schrebergärten für Familien.

Moritz Schreber starb am 10. November 1861 in Leipzig.

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Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/28/Die_Gartenlaube_%281883%29_b_372.jpg;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1c/Geradhalter_%28Schreber%29.png

Autor: Mirko Seidel am 3. Jun 2022 08:18, Rubrik: Schlösser & Herrenhäuser, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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