Landkreis Nordsachsen

Stadtbefestigung und Festung Torgau

Mittelalterliche Stadtmauer Torgau

Mittelalterliche Stadtmauer Torgau

Vermutlich im 8./9. Jahrhundert entstand an der Elbe ein slawischer Handelsplatz, der urkundlich 973 erstmals erwähnt wurde. Ein Fernhandelsplatz wurde 1119 urkundlich erwähnt. Aus dieser Kaufmannssiedlung im Umkreis des heutigen Marktes entstand im 12. Jahrhundert die Stadt Torgau in Rasterform mit zentralem Marktplatz.

Bereits im 13. Jahrhundert gab es eine Stadtmauer mit vier Toren (Leipziger Tor und Spitaltor im Westen, Bäckertor im Norden und Fischertor im Süden). 1333 wird die Stadtbefestigung erstmals urkundlich genannt. Teile dieser Mauer sind hinter Marienkirche erhalten.

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Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges waren in Sachsen nur die Festungen Dresden-Neustadt, Sonnenstein bei Pirna und Königstein stark befestigt. Nach Ausbruch des Krieges beschloss der Kurfürst, weitere Städte zu befestigen. Wilhelm Schäffer, genannt Dilich, trat 1625 in sächsische Dienste, avancierte vom Festungsbaumeister zum Oberlandbaumeister. Die strategische Lage der Stadt Torgau machte im 17. Jahrhundert eine Verstärkung der Stadtbefestigung erforderlich. 1632 bis 1633 erfolgte diese durch den Bau von Bastionen und durch einen befestigten Brückenkopf östlich der Elbe.

Festung Torgau, Festungsmauer am Schloss Hartenfels

Festung Torgau, Festungsmauer am Schloss Hartenfels

In der Regierungszeit von Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen wurden die zerstörten Befestigungsanlagen der Stadt Torgau erneuert. Unter dem Ingenieur-Offizier Hans Kuffer, der zugleich Kommandant von Torgau geworden war, wurde an der Wiederherstellung der Befestigungen gearbeitet. Dilich starb 1656. Sein Nachfolger im Amt wurde Wolf Caspar Klengel.

Nach der mit Preußen verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806, wurde Sachsen Königreich und verbündete sich mit Napoleon I. Unter dem französischen Kaiser erfolgte zwischen 1811 und 1815 der Ausbau Torgaus zur sächsischen Landesfestung. Dafür wurden die mittelalterliche und die barocke Stadtbefestigung größtenteils abgebrochen einschließlich der Stadttore.
Vor der Hauptfestung sollte ein Gürtel von Schanzen und Erdwerken angelegt werden, bei Repitz beginnend über Fort Mahla, Fort Zinna, eine Windmühlen-Schanze an der Straße nach Leipzig, eine Teichschanze, eine weitere Richtung Loßwig bei der Ratsziegelei und schließlich noch eine Schanze am Färberdamm, nahe Loßwig.

Ostwärts der Elbe waren um den Brückenkopf ebenfalls ein Ring von Verschanzungen (Redouten) und zusätzlich zwei Werke (Werdau und Zwethau) vorgesehen.

Festung Torgau, Bastion VIII

Festung Torgau, Bastion VIII

1815 fiel Torgau an Preußen. Der Festungscharakter der Stadt wurde beibehalten und die Festung bis 1882 weiter ausgebaut. Torgau wurde 1899 entfestigt.

Die Napoleonische Festung Torgau schloss Stadt und Schloss Hartenfels ein mit einem Hauptwerk mit acht Bastionen und drei Ravelins, davor lagen flutbare Gräben und das Glacis. Die Außenwerke der Festung bildeten der Brückenkopf, drei Scheusenlünetten, fünf Lünetten, zwei Forts und das Neuewerk. Die preußische Festung wurde um die Brückentürme der Eisenbahnbrücke erweitert.

Nach der Entfestigung Torgaus 1899 wurden Teile der Festungsanlagen geschleift. Erhalten geblieben sind die Ufermauer an der Elbe mit Unterhafentor und Oberhafentor, zwei Batardeaus zur Regulierung des Wasserstandes in den Gräben. Reste der Bastionen I, III und VII, Teile der Lünetten Werdau, Loßwig und Zwethau, Teile der Schleusenlünette Loßwig, der Brückenkopf mit Kasernenbauten und das Fort Zinna.

Bildergalerie Stadtbefestigung und Festung Torgau

Quellen:
http://www.vesteburg.com,
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kustdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, Deutscher Kunstverlag München, 1998

Autor: Mirko Seidel am 25. Feb 2016 11:16, Rubrik: Landkreis Nordsachsen, Stadtbefestigungen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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