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Hat die Mitteldeutsche Regiobahn den Zug der Zeit verpasst?

Erschwerter Zustieg in die Züge der MItteldeutschen Regiobahn

Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) bedient u.a. die Zugverbindung von Leipzig nach Chemnitz. Drei Mal war ich auf dieser Strecke in diesem Jahr bisher unterwegs, und musste zwei Mal eine böse Überraschung erleben.

Im Januar 2016 fuhr ich mit dem Zug von Leipzig nach Chemnitz. Nicht zum ersten Mal, doch ich war überrascht. Neue Züge. Die MRB setzt seit einigen Monaten neue – oder besser – neu genutzte Züge auf der Strecke ein. Abteile mit blau-violetten Sitzen, gepolsterte Armlehnen, sehr schick. Wenn da nicht eine Kleinigkeit gewesen wäre – der Einstieg. Drei Stufen musste ich überwinden und durch eine schmale Tür treten, um in den Zug zu gelangen. Da ich mit wenig Gepäck unterwegs war, kein Problem.

Im April 2016 fuhr ich wieder in Richtung Chemnitz, mit Fahrrad und Gepäcktaschen. Wieder drei Stufen, wieder eine schmale Tür – der Einstieg gestaltete sich schwierig und war letztendlich nur durch Hilfe durch andere Fahrgäste möglich. Letzte Woche war ich wieder mit dem Fahrrad in Richtung Chemnitz unterwegs und sah zu meiner Freude, es gibt auch zweiflügelige Türen. Ich öffnete die Türen und stand vor einer Stange. Also wieder drei Stufen, eine schmale Tür.

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Das Problem des beschwerlichen Einstiegs hatte nicht nur ich. Reisende mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck hatten es ebenso schwer, den Zug zu besteigen. Wie ein Rollstuhlfahrer in den Zug kommen soll, ist mir rätselhaft. Ohne fremde Hilfe geht das gar nicht und mit fremder Hilfe wird es schwer.

Die Mitteldeutsche Regiobahn gibt auf Ihrer Internetseite Hinweise für Personen, die mobilitätseingeschränkt sind. Da heißt es: „Auf der […] Strecke RE 6 Chemnitz–Leipzig ist die Mitfahrt im RE 6 nach vorheriger Anmeldung über die Mobilitätsservice-Zentrale möglich (Ein- und Ausstieg in Chemnitz oder Leipzig). Rollstuhlfahrer gelangen hier mit einem Hublift in und aus dem Zug.“ Ach so, man muss nur anrufen (das geht aber nur gebührenpflichtig) und dann erhält man Hilfe beim Ein- und Ausstieg. Die Anmeldung muss spätestens 24 Stunden vor Reiseantritt erfolgen. Kurzfristige Reiseplanungen mobilitätseingeschränkter Personen sind also nicht möglich. Weiter heißt es bei der MRB: „An allen anderen Haltepunkten des RE 6 […] ist der Zu- und Ausstieg von Rollstuhlfahrern – wie bisher auch – leider nicht möglich. Bei Start oder Ziel an einem der Unterwegsbahnhöfe oder -haltepunkte werden Rollstuhlfahrer von oder zum jeweiligen Bahnhof auf der gesamten Fahrstrecke mit einen Kfz-Fahrdienst […] befördert.“ Diesen Reisewunsch muss der Betroffene mindestens 48 Stunden vorher anmelden.

Einige der Unterwegsbahnhöfe sind ausgebaut, haben also eine Bahnsteigkante, die passend zu einem Niederflurwagen ist. Die Deutsche Bahn fuhr bis Dezember 2015 Jahr auf der Strecke Leipzig-Chemnitz mit modernen Zügen. Selbst auf den ausgebauten Bahnsteigen, wie z.B. in Burgstädt, kann ein Rollstuhlfahrer nun nicht mehr aussteigen. Der Reisende von Leipzig nach Chemnitz muss also bis nach Chemnitz fahren und wird dann mit dem PKW zurück nach Burgstädt gebracht – erhöhter Aufwand, erhöhte Kosten und eine Fahrzeitverlängerung für den Reisenden. Und all das wäre gar nicht notwendig. Die jetzt eingesetzten Züge wurden zwischen 2002 und 2011 gebaut, sind also recht neu – aber eben nicht zeitgemäß. Wären weiter moderne Niederflurwagen eingesetzt worden (wie es die MRB auf anderen Strecken macht), würde es viele Probleme gar nicht geben.

Welchen Grund der Einsatz der Züge hat, verrät die MRB auf ihrer Internetseite nicht. Es mögen wirtschaftliche Interessen sein, wenn jedoch darunter der Service für die Reisenden leidet, war es eine schlechte Entscheidung.

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Autor: Mirko Seidel am 1. Mai 2016 10:33, Rubrik: Artikel, Artikel & Berichte, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


2 Reaktionen zu “Hat die Mitteldeutsche Regiobahn den Zug der Zeit verpasst?”

  1. Carloz schreibt

    siehe auch:
    http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Bahnverbindung-von-Chemnitz-nach-Leipzig-verschlechtert-sich-artikel9330840.php

    Der eingesetzte Wagenpark ist älter als 25 Jahre. Zwischen 2002 und 2011 erfolgte allenfalls eine Renovierung.

    Betreiber bis 12.12.2015 war übrigens die DB, mit schnelleren und moderneren Neigetechnikzügen.

    Bitte teilen Sie das hier Geschilderte bitte auch dem zuständigen Aufgabenträger mit. Dieser ist verantwortlich für die Verschlechterung des Angebots:

    Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen GmbH
    Am Rathaus 2
    09111 Chemnitz

  2. Mirko Seidel schreibt

    Vielen Dank für den Kommentar. Sie haben Recht, die DB hat die Strecke bis Dezember 2015 bedient. Eine Mitteilung an den Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen werde ich machen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Mirko Seidel

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