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Museum Schloss Heidecksburg Rudolstadt

Das Schloss Heidecksburg in Rudolstadt erwartet seine Besucher mit einer Vielzahl von Ausstellungen.

Rococo en miniature – Die Schlösser der gepriesenen Insel

Rudolstadt, Schloss HeidecksburgDem Besucher der Ausstellung im ehemaligen Gewölbe der fürstlichen Hofküche eröffnet sich eine vielseitige Welt im Stil des 18. Jahrhunderts. Die Bewohner der Miniaturschlösser entführen in fremde Welten. Immer wieder können Details entdeckt werden, die von beeindruckenden Kenntnissen zum höfischen Zeremoniell, zur Architektur- und Kostümkunde zeugen.

Ausgangspunkt dieser einzigartigen Miniaturenwelt ist ein Rollenspiel der beiden Schöpfer, das vor über 50 Jahren begann. Bis in die Gegenwart wurden die Schlösser perfektioniert. Jeder Parkettfußboden ist naturgetreu verlegt und jedes einzelne Gemälde stilecht ausgeführt. Selbst die kleinste Schublade in den aufwendigen Kabinettschränkchen lässt sich öffnen und deren Innenleben (mit Lupe) bestaunen.

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Die Festräume – Leichtigkeit und Eleganz des Rokoko

(Nur mit Führungen zu besichtigen, jeweils stündlich ab 10.30 Uhr)

Der Baumeister der Heidecksburg, Johann Christopoh Knöffel, ordnetze die für das höfische Zeremoniell wichtigen Räume im Hauptgeschoss des Westflügels an. Er schuf Raumgruppen, die den unterschiedlichen Erfordernissen des höfischen Lebens Rechnung trugen. Nachdem 1742 Gottfried Heinrich Krohne die Bauleitung übernahm, wandelte dieser die Innenarchitektur ab. So entstanden Räume die die Leichtigkeit des süddeutschen Rokokos atmen. Die Stukkaturen von Giovanni Battista Pedrozzi und die Schnitzarbeiten an den Konsoltischen und Türfüllungen vermitteln einen repräsentativen Gesamteindruck der Räume.

Der Rote Saal
Der Rote Saal wurde für die Staatsgeschäfte konzipierte. Krohne belebte die geplante strenge Innenarchitektur durch geringfügige Veränderungen. An der Ostwand fügte er eine Ofennische ein, an den beiden Schmalwänden ließ er Wandvorlagen aus Stuckmarmor ausbilden. Während die nördliche Wandvorlage durch einen Konsoltisch betont wird, ist in der südlichen ein Kamin eingefügt. Darüber sind dekorative Gemälde mit den in der Jahrhundertmitte beliebten Schäferszenen in die Wand eingelassen. Diese und auch die daneben hängenden Ölbilder „Frühling“ und „Herbst“ sowie die Supraportengemälde schuf der sächsische Hofmaler Christian Wilhelm Ernst Dietrich. Im Jahre 1744 beauftragte der Fürst Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt den Maler Lorenz Deisinger ein Deckenfresko mit der Allegorie der Tugenden zu malen. Erst zehn Jahre später schuf Karl Adolph Kändler die Spiegelrahmen und Konsoltische.

Der Festsaal
Dem um 1750 fertiggestellten Festsaal galt die besondere Aufmerksamkeit Krohnes. Der prunkvolle Saal gehört heute zu den bedeutendsten Innenarchitekturen des Rokoko in Deutschland. Die dem Raum eigene und sich mitteilende Bewegung, hervorgerufen durch konkave und konvexe Wandschwünge, der blau, blaugrau, gelb und rotbraun schimmernde Stuckmarmor die – zum Teil vergoldeten – Rocaillen, die plastischen Arbeiten und die Gemälde lassen ihn zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk werden. Innerhalb von vier Wochen schuf der Maler Deisinger noch im Jahr 1744 das gewaltige Deckenfresko, das den im Olymp versammelten Götterrat zum Thema hat. Der von Atlanten getragene Balkon über dem Hauptzugang war der Hofkapelle vorbehalten.

Der Grüne Saal

Erst nach 1750 wurde die sich anschließende Raumfolge begonnen. Johann Ernst Heinsius schuf 1765/66 die beiden lebensgroßen Bilder des Fürsten Johann Friedrich und seiner Gemahlin an den Schmalwänden sowie die Supraportengemälde. Auf diesen sechs quadratischen Ölbildern beschäftigen sich Damen und ihre Kavaliere mit Musik, Malerei, Bildhauerei, Architektur, Astrologie und Poesie. Da die Fürstin die Grüne Raumfolge durch ihren frühen Tod im Jahre 1757 nicht mehr nutzen konnte, erfolgte deren Umgestaltung zum Musik- und Gesellschaftszimmer.

Das Bänderzimmer
Das Vorzimmer zu den Grünen Räumen zeigt das Rokoko in seiner späten Phase. Dunkelgrüne Leinwandtapeten, 1786 von dem Altenburger Maler Johann Andreas Gottschalk bemalt, bestimmen den Raumeindruck.

Die Marmorgalerie
Mit der Galerie an der Hofseite wurde von Knöffel ein bequemer Zugang von den Vorzimmern aus zu allen Räumen des Westflügels geschaffen. Sie ist der Hauptzugang zum Festsaal und musste deshalb eine betont repräsentative Ausstattung erhalten. Durch den polierten Marmorboden erhält die Galerie eine festliche Note. Die graublau geäderten Marmorplatten, die aus einem Steinbruch in der Nähe Schwarzburgs stammen, wurden 1747 verlegt.

Das Weiße Zimmer
In dem Vorzimmer zum Roten Saal hatten einst die Besucher zu warten, die zur Audienz erschienen waren. Um 1795 ließ Fürst Ludwig Friedrich II. den Raum im damals „modernen“ klassizistischen Stil ausstatten.

Die fürstlichen Wohnräume – Ein Streifzug durch die Stil-Epochen

(Nur mit Führungen zu besichtigen, jeweils stündlich ab 10.30 Uhr)

Der Schlossbrand von 1735 verschonte die fürstlichen Wohnräume des Südflügels weitgehend. Sie wurden jedoch bis 1918 immer wieder entsprechend der jeweiligen Mode umgestaltet. Die repräsentativ mit Porträts des Grafenhauses ausgestattete Barockgalerie bildet den Zugang zu zehn Räumen, die einen Streifzug durch ganz unterschiedliche Stilepochen bieten. Ausgehend von einer Raumfassung des frühen 16. Jahrhunderts mit schweren Balkendecken finden sich Zimmer im Stil des Frühbarock, des Klassizismus, des Biedermeiers bis hin zum Neorokoko des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Diese bewohnte das letzte Fürstenpaar bis zum Jahre 1918.

Die Gemäldegalerie – Ausdruck des Repräsentationsstrebens

Das Repräsentationsbedürfnis der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt war die Grundlage für den Reichtum der Sammlungsbestände auf Schloss Heidecksburg. Die Sammlung wurde seit dem 17. Jahrhundert angelegt und bot den Rahmen einer zeremoniellen Zurschaustellung, die im Mittelpunkt des höfischen Lebens stand. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand ein Bilder- und Kupferstichkabinett.

Heute bilden Werke des 18. und 19. Jahrhunderts den Schwerpunkt der Gemäldesammlung, die im Obergeschoss des Südflügels präsentiert wird. Diese Räume wurden bis 1890 vom Fürsten Georg genutzt. An diese Zeit erinnert der aufwändig restaurierte „Blaue Salon“ im neoklassizistischen Stil der Zeit um 1870. Den Abschluss des Rundgangs bildet ein Kabinett, in dem Gemälde, Plastiken und Grafiken aus dem Sammlungsbereich „Zeitgenössische Kunst nach 1945“ präsentiert werden.

Die Porzellangalerie – Das weiße Gold aus Thüringen

In der „Großen Hofstube“ unmittelbar im Eingangsbereich der Heidecksburg eröffnet sich dem Besucher die Welt des „Weißen Goldes“ mit charakteristischen Porzellanen aus der umfangreichen Sammlung des Museums. Seit 1762 werden in Volkstedt und ab 1832 in anderen Manufakturen des ehemaligen Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt Porzellane gefertigt. Prunkvolles Tafelgeschirr des Rudolstädter Hofes, bürgerliche Kaffee- und Teeservice, Raritäten an detailliert gefertigten Figuren und aufwendig gestalteten Gefäßen geben die künstlerische Eigenart des Thüringer Porzellans wieder.

Die Ausstellung im Nordflügel des Schlosses Heidecksburg geht in auf das 1908 gegründete „Städtische Altertumsmuseum“ zurück, das 1950 in die Sammlungen des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg integriert wurde. Sie informiert über die Anfänge der Besiedlung im Raum um Rudolstadt sowie über die Entwicklung der Stadt und ihres Residenzschlosses bis zum 19. Jahrhundert. Vorgestellt werden die wichtigsten Burgen, Städte und Klostergründungen der Schwarzburger Grafen. Besondere Berücksichtigung findet dabei die Entwicklung nach der Erhebung der Grafen in den Reichsfürstenstand (1710) und die daraufhin einsetzende Blüte einer weit über Thüringen hinausreichenden Residenzkultur.

Naturhistorisches Museum – Traditionsreiche Sammlung aus drei Naturreichen

Das Naturhistorische Museum auf der Heidecksburg leistet einen wichtigen Beitrag zur Erschließung der Artenvielfalt bestimmter Insekten. Schwerpunkt des Museums ist der Naturraum des südöstlichen Thüringen. Es zeigt ein Schaumagazin mit Vögeln und Säugetieren, eine tiergeografische Ausstellung, einen Abriss zur Geschichte der über 250 Jahre alten Sammlung sowie das Naturalienkabinett.
Wie das Fürstliche Naturalienkabinett am Ende des 18. Jahrhunderts ausgesehen haben mag, ist es 1994 mit eigenem Sammlungsfundus in einem Raum im Obergeschoss des Nordflügels rekonstruiert worden. Die Sammlungen aus allen drei klassischen Naturreichen (Stein-, Pflanzen- und Tierreich) waren ursprünglich in sieben, später dafür viel zu klein gewordenen Räumen aufgestellt gewesen.

Das Schaumagazin beeindruckt durch die Vielzahl von Arten – etwa 300 Vögel und 30 Säugetiere aus dem In- und Ausland. Die Habituspräparate sind in dichter magazingemäßer Aufstellung präsentiert. Bei etwa zwei Drittel der Exponate handelt es sich um historisch wertvolle Belege, die ältesten aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die anderen sind in den vergangenen 50 Jahren entstanden und lassen moderne Präparationstechniken erkennen. Im Schaumagazin ist u. a. auch ein Teil der Insektensammlung und das Herbarium aufgenommen, die bei Sonderführungen gezeigt werden können.

Der „Tiefe Brunnen“ – Wasser für das Schloss aus 60 Meter Tiefe

Unmittelbar neben dem Eingang zum Nordflügel des Schlosses Heidecksburg führen einige Stufen hinab zum Brunnengewölbe. Hier befindet sich ein 60 Meter tiefer Brunnen, der erstmals im Jahre 1512 Erwähnung fand, aber vermutlich wesentlich älter ist. Er war für die Wasserversorgung der spätmittelalterlichen Burganlage von existenzieller Bedeutung und musste mit Hilfe erfahrener Bergleute bis auf das Saaleniveau durch den Zechsteinfelsen getrieben werden.

Die Caroussel- oder Rennschlitten – Fürstliches Vergnügen und Weihnachtsgeschenk

Im Besitz des Thüringer Landesmuseums auf der Heidecksburg befinden sich fünf seltene, prunkvolle Schlitten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie werden in der Vorhalle zur Ausstellung „Rococo en miniature“ gezeigt.

Das „Caroussel“ gehörte zu den fürstlichen Vergnügungen, bei denen die Damen des Hofes mit angelegter Lanze einen Ring oder Kranz, der an einem Seil zwischen zwei Stangen angebracht war, zu treffen hatten. Die Dame saß im Schlittenkasten, während hinter ihr der Kavalier von der Sitzpritsche aus das Pferd dem Ziel entgegenlenkte.

Der Kinderschlitten ist für den Prinzen Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt angefertigt worden. Er bekam das Gefährt zu Weihnachten 1770 geschenkt und nutzte es zu Ausfahrten mit seinem Hund „Gil Blas“.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des Museums Schloss Heidecksburg.

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Autor: Mirko Seidel am 26. Mai 2015 11:45, Rubrik: Artikel, Artikel & Berichte, Ausstellungen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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