Persönlichkeiten

Leipziger Persönlichkeiten – August Bebel

August Bebel 1898

August Bebel 1898

Ferdinand August Bebel wurde am 22. Februar 1840 in Deutz bei Köln geboren. Als einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie gilt Bebel bis heute als eine der herausragenden historischen Persönlichkeiten.

Bebel kam in ärmlichen Verhältnissen als Sohn des eines Unteroffiziers in den Kasematten der Festung Deutz zur Welt. Sein Vater starb bereits 1844. Seine Mutter heiratete dessen Zwillingsbruder, der jedoch nach zwei Jahren ebenfalls starb. 1853 starb seien Mutter. Seinen Plan eines Bergbaustudiums musste August Bebel wegen der schwierigen finanziellen Verhältnisse aufgeben. Von 1854 bis 1857 lernte er in Wetzlar das Drechslerhandwerk.

1860 kam August Bebel nach Leipzig. Wegen der schlechten Verköstigung in der Werkstatt, in der er Arbeit gefunden hatte, gelang es Bebel, die anderen Gesellen zum Protest aufzurufen. Leipzig war um 1860 ein Schwerpunkt des Vereinswesens der Arbeiter und Handwerker. Im Februar 1861 wurde auf Anregung der Polytechnischen Gesellschaft und einiger Liberaler der Gewerbliche Bildungsverein gegründet, dem Bebel im selben Jahr beitrat. 1862 war Bebel zweiter und von 1865 bis 1872 erster Vorsitzender des Gewerblichen Bildungsvereins.

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Gedenktafel für August Bebel im Waldstraßenviertel in Leipzig

Gedenktafel für August Bebel im Waldstrassenviertel in Leipzig

1864 eröffnete August Bebel eine eigene Werkstatt im Hof des Messehauses Drei Könige in der Petersstraße, hier wohnte er auch. Er zahlte seinen Angestellten mehr Lohn bei geringerer Arbeitszeit, als üblich.

Im Herbst 1862 war Bebel Mitglied des Ausschusses zur Vorbereitung der Gründung eines überregionalen Deutschen Arbeitertages. Den Forderungen Ferdinand Lasalles nach einem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht stand August Bebel ablehnend gegenüber, weil er die Arbeiter politisch für noch nicht reif genug hielt.

Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) im Mai 1863 wurde von den liberal eingestellten Vereinen der Arbeitervereinsbewegung als Bedrohung wahrgenommen. Im Juni beriefen sie den Vereinstag Deutscher Arbeiterverein (VDAV) in Frankfurt am Main und schlossen sich zu einem Dachverband zusammen. August Bebel war als Delegierter anwesend.
1864 war Bebel Versammlungsleiter des zweiten, in Leipzig tagenden VDAV-Verbandstags. Er wurde dort zum stellvertretenden Vorsitzenden des Dachverbandes gewählt.

In dieser Zeit stellt sich bei Bebel ein politischer Richtungswechsel ein. Er blieb entschiedener Gegner Lassalles, begann aber dessen Schriften intensiv zu lesen und beschäftigte sich mit dem Marxismus. Die Begegnung mit Wilhelm Liebknecht 1865 in bestärkte ihn in seinem Denkwechsel.

Am 19. August 1866 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht die Sächsische Volkspartei, die sich gegen die preußische Vorherrschaft im entstehenden Norddeutschen Bund stellte. Bebel schrieb für die Deutsche Arbeiterhalle, ein Blatt des VDAV, sowie für das von Wilhelm Liebknecht herausgegebene Demokratische Wochenblatt, das Organ der Sächsischen beziehungsweise der Deutschen Volkspartei.

Gedenktafel für den Hochverratsprozess am Justizblock Leipzig

Gedenktafel für den Hochverratsprozess am Justizblock Leipzig

Im Jahr 1866 trat Bebel der sozialistischen Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) bei. Von 1867 bis 1869 war er Präsident des VDAV. Am 8. August 1869 schlossen sich auf dem Parteitag von Eisenach der VDAV, ehemalige Mitglieder des ADAV und die Sächsische Volkspartei unter Vorsitz August Bebels zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei zusammen. Wegen seiner politischen Aktivitäten kam Bebel mehrmals vor Gericht und wurde in Leipzig zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteilt.

Bebel wurde im Februar 1867 in den konstituierenden Reichstag gewählt und gehörte dem ersten sowie den späteren Reichstagen an, bis zum Jahr 1881, dann wieder von 1883 bis zu seinem Tod im Jahr 1913.

Bereits 1870 wurde gegen Bebel und Liebknecht wegen Hochverrats ermittelt. Nach 102 Tagen in Untersuchungshaft wurden die Angeklagten aus Mangel an Beweisen freigelassen. 1872 wurde ihnen dann doch noch der Prozess gemacht. Im Leipziger Hochverratsprozess ohne belastbares Beweismaterial konnten sich Bebel und Liebknecht öffentlichkeitswirksam verteidigen. Beide wurden wurden zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. Bei Bebel bekam noch eine Haft von neun Monaten wegen Majestätsbeleidigung dazu.

Der Gründerkrach bedrohte seit 1874 auch den Betrieb von August Bebel. Der Einstieg von Ferdinand Issleib verhinderte die Pleite. 1884 kündigte Issleib die Partnerschaft auf und zahlte Bebel aus, der sich von da an als Reisender und Schriftsteller bezeichnete.

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Quellen: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-14077-0005,_August_Bebel.jpg

Quelle:
www.wikipedia.de
Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Pro Leipzig, 2005

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Autor: Mirko Seidel am 11. Jan 2022 12:31, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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