Artikel

Radwegebau kontra Naturschutz?

Radfahren wird immer beliebter. Der wirtschaftliche Faktor ist gerade für den ländlichen Raum und strukturschwache Regionen nicht zu unterschätzen. Der Trend zum Aktivurlaub, Kurzurlauben und Ausflügen am Wochenende bestärkt die Regionen und Kommunen in Deutschland, ein attraktives und gut ausgebautes Netz an Radwegen zu schaffen. Die Radfahrer sollen Natur und Landschaft erleben und die Geschichte erfahren.

Vorzugsweise werden Radwege daher entlang der Flussläufe, durch Wälder und landschaftlich reizvolle Gebiete gelegt.

Die Ausflügler sollen die Eigenart einer Region erleben können und das auf möglichst gut ausgebauten Radwanderwegen. Und das kann zum Problem werden. Aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland sind immer mehr Senioren mit dem Rad unterwegs. Aber auch Familien mit Kindern trifft man häufig an. Gerade für diese Personengruppen sind sicher befahrbare Radwege wichtig. Und der sicherste und am besten befahrbare Radweg hat eine Deckschicht aus Asphalt.

Natur- und Umweltschützer kritisieren diese Art des Wegebaus, besonders in sensiblen Naturbereichen, weil zum einen durch den Bau der Wege eine erhebliche Störung eintritt, zum anderen sich die schwarzen Asphaltbahnen im Sommer erhitzen und so zur unüberwindbaren Barriere für bodengebundene Tiere werden können.

In Feuchtgebieten entlang der Flüsse werden für den Bau von Radwegen oft Dämme aufgeschüttet, die die Überflutung dahinterliegender Flächen einschränken bzw. werden sie doch überflutet, das Zurückfließen des Wassers verhindern. Durch die Zunahme des Radverkehrs werden darüber hinaus Tiere gestört. Leider verhält sich nicht jeder Radfahrer richtig, Müll wird achtlos weggeworfen, Pflanzen abgerissen.

Die Konflikte sind vorprogrammiert. Eine gute Infrastruktur für Touristen und Radbegeisterte auf der einen Seite, Natur- und Landschaftsschutz auf der anderen.

Alternativen für den Bau von Radwegen gibt es. Betonspurbahnen verringern die Flächenversiegelung und heizen sich nicht so stark auf. Ihr Nachteil ist die geringe Breite der Fahrspur, die Kinder und Senioren unsicher machen könnte.
Eine andere Möglichkeit sind wassergebundene Decken. Sie sind wasserdurchlässig, mit ihren hellen Farbtönen passen sie sich besser in die Landschaft ein. Sie sind aber auch pflegeintensiver, als Asphalt und Beton und gerade in hochwassergefährdeten Bereichen oder Streckenabschnitten mit starkem Gefälle werden sie leicht weggespült.

Die Lösung des Problems kann wohl nur in einer umsichtigen, alle Interessen und Möglichkeiten berücksichtigenden Planung und der Kompromissfähigkeit aller Beteiligten liegen.

Stichworte:
,

Autor: Mirko Seidel am 4. Nov 2013 09:44, Rubrik: Artikel, Artikel & Berichte, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


Einen Kommentar schreiben

©2024 – architektur-blicklicht – Mirko Seidel, Sigismundstraße 3, 04317 Leipzig – Telefon: 0341 46 86 68 73
Touren, Tipps & Wanderungen per Rad, Auto und zu Fuß zu Burgen, Schlössern, Herrenhäusern, Kirchen, Industriebauten, Stadtansichten
in Leipzig, Sachsen & Mitteldeutschland
webdesign: agentur einfachpersönlich