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Wanderung durch das östliche Leipziger Neuseenland

Schloss in Güldengossa

Schloss in Güldengossa

Das Leipziger Neuseenland ist eine Landschaft, die in den letzten 100 Jahren einem erheblichen Wandel unterzogen war. In der einst ländlich geprägten Region mit Wäldern, Feldern, Wiesen, Dörfern und kleinen Städten wurde seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eine der unwirtlichsten Landschaften Europas. Bagger fraßen sich in großflächigen Tagebauen durch die Landschaft, um die begehrte Braunkohle abzubauen.

In großen Kraftwerken wurde die Kohle verstromt. Natur, Landschaft und Menschen litten unter dieser industriellen Ausbeutung. Nach 1990 wurde die Braunkohleförderung größtenteils eingestellt und die Umwandlung des Raums südlich von Leipzig begann. Die Tagebaurestlöcher wurden geflutet – das Leipziger Neuseenland entstand.

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Altes Schloss Oberholz

Altes Schloss Oberholz

Natur und Landschaft, Tourismus und Erholung sollen hier gleichermaßen wieder Platz finden. Das Leipziger Neuseenland, das immer noch im Entstehen ist, bietet für jeden Besucher etwas. Ob Baden und Schwimmen, Erholen, Wandern oder Radfahren – alles ist hier möglich. Wandern kann der Besucher aber nicht nur rund um die neu entstandenen Seen, sondern auch etwas abseits. Ruhe und Erholung sind garantiert und manch interessantes lässt sich am Wegesrand entdecken.

Im Oberholz

Im Oberholz

Meine Wanderung führte mich zunächst mit dem Zug nach Großpösna, weiter gings zu Fuß durch das Oberholz nach Oelzschau und Störmthal. Entlang des Störmthaler Sees kam ich nach Güldengossa. Mein Weg führte mich dann über Wachau in den Leipziger Ortsteil Meusdorf. Die Straßenbahn brachte mich zurück in die Stadt.

Wenn Sie mit dem Zug fahren und an der Haltstelle Großpösna aussteigen, können Sie ein Abstecher in den Ort machen und das Herrenhaus Großpösna anschauen. In

Kirche in Oelzschau

Kirche in Oelzschau

dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Barockbau ist heute die Gemeindeverwaltung untergebracht. Vom Herrenhaus folgen Sie der Pflaumenallee und der Rudolf-Breitscheid-Straße zur Bahnunterführung in Oberholz.

Fahren Sie mit dem Zug bis nach Oberholz, verlassen Sie den Bahnhof, wenden sich nach rechts, unterqueren die Bahnunterführung und gehen nach links. Dort finden Sie eine – schlecht lesbare – Informationstafel zum Alten Schloss Oberholz.

Herrenhaus Oelzschau

Herrenhaus Oelzschau

Das Alte Schloss ist eine Wall-Graben-Anlage,vermutlich entstanden während der zweiten Phase der deutschen Ostkolonisation im 12. Jahrhundert. Gebäude sind heute nicht mehr vorhanden, aber die Anlage mit Burghügel und umgebenden Wällen ist noch sehr gut erkennbar. Folgen Sie von der Informationstafel einem kleinen Weg in den Wald.

Vom Alten Schloss gehen Sie nach Süden, durchqueren eine kleine Bachaue und folgen dem Weg bis zu seinem Ende.

Teich im Gutspark Oelzschau mit Insel

Teich im Gutspark Oelzschau mit Insel

Wenden Sie sich nach rechts, gehen Sie wiederum bis zum Ende des Weges und wenden Sie sich nach links. An der nächsten Gabelung haben Sie die Wahl: gehen Sie weiter gerade aus, kommen Sie direkt nach Störmthal, biegen Sie halblinks ab, führt der Weg sie nach Oelzschau.

Ich habe mich für Oelzschau entschieden und so einen schönen Spaziergang an einem kalten, aber sonnigen Wintertag gemacht.

Das Oberholz ist ein etwa 600 ha großes Waldgebiet mit einem hohen Laubholzanteil. Viele Wanderer trifft man hier nicht und so eignet sich der Weg nach Oelzschau, um die Natur zu genießen und die Gedanken schweifen zu lassen.

Schloss Störmthal

Schloss Störmthal

In der Ortsmitte von Oelzschau steht die Ev. Pfarrkirche, die vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut und 1510 in ihrer heutigen Form umgebaut wurde. Die kleine romanische Saalkirche mit ihrem Westturm hat einen eingezogener Chor mit Apsis und gotische Spitzbogenportale. Die Kirche kann leider nicht besichtigt werden.
Unweit der Kirche, in der Schulstraße, befindet sich das Rittergut Oelzschau. Das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde mehrfach umgebaut, zuletzt 1910. Der Gutshof geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück. Im Gutspark ist in einem Teich die Insel, auf der die Wasserburg einst stand, erhalten.

Kirche in Störmthal

Kirche in Störmthal

Von Oelzschau nach Störmthal gelangt man nur über eine Straße. Folgen Sie ihr, an der der Abzweigung nach Dreiskau-Muckern gehen Sie nach rechts und kommen nach kurzer Zeit an einen kleinen Parkplatz. Dort können Sie die Straße verlassen und dem Weg entlang des Störmthaler Sees nach Störmthal folgen.

Störmthal ist ein typisches Straßendorf, an dessen südlichen Ende der Gutshof mit dem Schloss liegt. Der Bau aus dem 17. Jahrhundert und 18. Jahrhundert wurde 1786 von dem Architekten Elbrich errichtet und kann nicht besichtigt werden. Besitzer des Gutes waren u.a. die Familie von Fullen und die Grafen Vitzthum von Eckstädt.

In der Ortsmitte von Störmthal steht die Ev. Pfarrkirche, erbaut vermutlich im 15. Jahrhundert. 1722 erhielt sie ihr heutiges Aussehen. Die Kirche steht auf einer Anhöhe und ist daher weithin sichtbar. Die ursprünglich gotische Saalkirche hat einen besonders interessanten, als Dreipassschluss ausgeführten Chor.

Kirche in Güldengossa

Kirche in Güldengossa

Von Störmthal geht es weiter entlang des Störmthaler Sees nach Güldengossa. Das Schloss Güldengossa steht in einem kleinen Landschaftspark und wurde unter Johann Ernst Kregel von Sternbach im 18. Jahrhundert erbaut. Es gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen ländliches Baukunst des Barock im Leipziger Raum. Der Park ist öffentlich zugänglich. Die kleine Dorfkirche in Güldengossa stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Von Güldengossa gelangt man durch Auenhain nach Wachau, einem Ortsteil von Markkleeberg.

Kirche in Wachau

Kirche in Wachau

Die Ev. Pfarrkirche von Wachau, 1865-1867 im Stil der Neogotik von Konstantin Lipsius erbaut, gehörte zu den eindrucksvollsten Kirchen im Raum Leipzig. Seit ihrer Zerstörung ist die Kirche eine Ruine, aber nicht minder eindrucksvoll. Der Zentralbau wurde über einem griechischen Kreuz errichtet und mit einem schlanken Westturm versehen. Der Chor mit 5/8-Schluss, Strebepfeiler, ein aufwändiges Spitzbogenportal, große Maßwerkfenster und zwei große Fensterrosetten in den Querschiffen gehören zu den Gestaltungselementen des Kirchenbaus. Unweit der Kirche befindet sich das ehemalige Rittergut Wachau. Im Park steht der Sarkophag der Friederike von Quandt aus dem Jahr 1809.

Das Schwarzenbergdenkmal

Das Schwarzenbergdenkmal

Von Wachau folgern Sie der Bornaer Chaussee nach Meusdorf und biegen sie nach rechts in den Schwarzenbergweg ein. Links, nahe dem Teich, lag das einstige Gut Meusdorf. Am Ende des Schwarzenbergwegs steht das Schwarzenbergdenkmal. Es erinnert an Fürst Karl Philipp zu Schwarzenberg, der in der Völkerschlacht bei Leipzig. Am Abend des 18. Oktober 1813 weilten die drei verbündeten Monarchen, Kaiser Franz I. von Österreich, der russische Zar Alexander I. und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen auf dem Galgenberg, der seitdem Monarchenhügel genannten wird. Hier überbrachte Schwartenberg die Siegesbotschaft über Napoleon. In der Nähe des Monarchenhügels ließen die Gattin und die drei Söhne Schwarzenbergs 1838 ein Denkmal errichten, das Schwarzenbergdenkmal.

Unweit des Schwarzenbergdenkmals liegt die Endstation der Straßenbahnlinie 15, die Sie wieder zurück in die Leipziger Innenstadt bringt.

Empfohlene Tour:
Wanderung, die Tour eignet sich auch als Radtour
Dauer:
Halbtagestour, 6-7 Stunden
Route:
Die Tour beginnt im Großpösnaer Ortsteil Oberholz, an der Bahnstation und führt in südlicher Richtung zum Alten Schloss Oberholz und nach Oelzschau. Von Oelzschau führt die Wanderung in westlicher Richtung zum Störmthaler See und nach Störmthal. Weiter entlang des Störmthaler Sees geht es nach Güldengossa und in Richtung Auenhain. Von Auenhain führt die Bornaer Chaussee nach Wachau und nach Meusdorf.

Entfernung:
  • Bahnstation Oberholz – Altes Schloss ca. 0,5 km
  • Altes Schloss – Oelzschau ca. 5,5 km
  • Oelzschau – Störmthal ca. 5,0 km
  • Störmthal – Güldengossa ca. 4,5 km
  • Güldengossa – Wachau ca. 4,0 km
  • Wachau – Meusdorf Straßenbahn ca. 3,0 km
  • Gesamtstrecke ca. 22,5 km
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