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Leipziger Persönlichkeiten – Theodor Fontane

Theodor Fontane

Theodor Fontane

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 als Sohn des Apothekers Louis Henry Fontane und seiner Frau Emilie in Neuruppin geboren. Bis zu seinem siebenten Lebensjahr lebte Fontane in Neuruppin. Sein Vater veräußerte seine Apotheke wegen seiner Spielschulden und erwarb nach Tilgung der Schulden in Swinemünde eine kleinere Apotheke. Eine Ausbildung an der Gewerbeschule brach Theodor Fontane 1836 ab und begann eine Ausbildung zum Apotheker. Nach erfolgreichem Abschluss 1839 trat Fontane im Herbst 1840 eine Stelle als Apothekergehilfe in Burg bei Magdeburg.

Von April 1841 bis Februar 1842 arbeitete Theodor Fontane in der Adler-Apotheke in der Leipziger Hainstraße 9, ging nach Dresden und schließlich in die Apotheke des Vaters in Letschin.

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In Leipzig war Fontane Mitglied des literarischen Studentenvereins Herwegh-Klub und hatte Kontakte zu dem Redakteur Georg Günther.

Adler-Apotheke in der Hainstraße in Leipzig (Nachfolgebau)

Adler-Apotheke in der Hainstraße in Leipzig (Nachfolgebau)

In Fontanes Leipziger Zeit wurde auch Friedrich Schiller wiederentdeckt, der 1785 in Leipzig und Gohlis lebte. 1841 wurde das Bauernhaus in Gohlis, in dem Schiller ein halbes Jahr wohnte, auf Initiative von Robert Blum, Leipziger Theatersekretär und einer der Wegbereiter der Deutschen Revolution von 1848/49, als Wirkungsstätte Schillers ausgebaut und eine Gedenkstätte eingerichtet. Blum gründete auch den Leipziger Schillerverein. Dem Verein gelang es, in Besitz von Schillers Weste zu gelangen – die Weste, an der Schiller den Federkiel abwischte, an der er sich die Nase putzt – ein Götzenkult entstand.

Dem jungen Fontane ging der Hype um Schillers Weste ziemlich auf die Nerven und verfasste ein Schmähgedicht. Wohlweislich vermied er jeden Bezug auf Schiller und sein Kleidungsstück. Und so entstand das Gedicht von Shakespeares Strumpf:

Shakespeare’s Strumpf.

(Bei Gelegenheit eines Leipziger Festes, wo man mit einer Schillerschen Weste Götzendienst trieb.)

Hochgesprungen, lautgesungen!
Wenn verschimmelt auch und dumpf,
Sei’s! wir haben ihn errungen,
William Shakespeare’s wollnen Strumpf.

Sieg! wir haben jetzt die Strümpfe,
Haben jetzt das heil’ge Paar,
Drinnen er trotz Moor und Sümpfe
Sicher vor Erkältung war.

Sieg! wir huld’gen jetzt dem Strumpfe,
Der der Strümpfe Shakespear’ ist,
Denn er reicht uns bis zum Rumpfe,
Weil er fast zwei Ellen mißt.

Sieg! wir haben jetzt die Strümpfe,
Dran er putzte, wischte, rieb
Manchesmal die Federstümpfe,
Als er seinen Hamlet schrieb.

Drum wer je ein Lied geleiert,
Wenn er sich nicht lumpen läßt,
Singt Oktaven er, und feiert
Unser nächstes Shakespearefest.

Unsren Enkeln wird man melden:
„Euer Ahn, daß ihr es wisst,
War auch Einer von den Helden,
Die den Shakespeare-Strumpf geküsst.“

Drum herbei was Arm’ und Beine,
Unsrer harret schon Triumph,
Und dem Shakespeare-Strumpf-Vereine
Helfen so wir auf den Strumpf.

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Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

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Autor: Mirko Seidel am 10. Nov 2019 08:31, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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