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500 Jahre Reformation – Luther in Leipzig

Die Leipziger Disputation 1519

Das Neue Rathaus - Standort der Pleißenburg

Das Neue Rathaus – Standort der Pleißenburg

(Mittel-)Deutschland feiert den 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag an die Schlosskirche zu Wittenberg im Jahr 1517. Die Lutherstädte und –stätten haben sich herausgeputzt und erwarten tausende Besucher aus aller Welt. Leipzig hat sich in Riege der Lutherstädte ein gereiht und darf sich auch offiziell so nennen.

Was verbindet Luther mit Leipzig und Leipzig mit Luther?

Eine Jahreszahl ist für die Verbindung zwischen Luther und Leipzig wichtig – die Leipziger Disputation im Jahr 1519.

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Herzog Georg von Sachsen (Georg der Bärtige)

Herzog Georg von Sachsen (Georg der Bärtige)

Dr. Johann Maier aus Eck, Vizekanzler der Universität Ingolstadt, war einer der heftigsten Gegner der Reformation. Zunächst streiten Luther und Eck handschriftlich. 1518 greift Dr. Andreas Bodenstein von Karlstadt, ein Anhänger Luthers, in diese Auseinandersetzung ein. Eck fordert daraufhin eine öffentliche Disputation. Im Oktober 1518 verhandeln Luther und Eck über Ort und Zeit des Streitgespräches. Die Wahl fällt auf Leipzig – nicht ohne Grund. Durch die antireformatorische Haltung der Universität und des Rates in Leipzig erhofft sich Eck einen Vorteil.

Die Leipziger Universitätsleitung stimmt der Disputation zu, die Theologische Fakultät verweigert diese mit Unterstützung des Bischofs von Merseburg. Erst ein Machtwort des ebenfalls reformationskritischen sächsischen Herzogs Georg der Bärtige lässt das Streitgespräch schließlich zustande kommen.

Am 21. oder 22. Juni 1519 trifft Eck in Leipzig ein, am folgenden Tage ziehen Luther, Karlstadt und Melanchthon mit Herzog Barnim von Pommern, Rektor der Universität Wittenberg. Luther und seine Begleitung wohnen bei dem Buchdrucker Melchior Lotter in der Hainstraße.

Die Thomaskirche im Jahr 1749

Die Thomaskirche im Jahr 1749

Die Disputation beginnt mit einem Gottesdienst in der Thomaskirche unter Mitwirkung des Thomanerchors. Ort der Disputation ist die Hofstube der Pleißenburg, bestimmt von Herzog Georg.

Hochlehnige Thronstühle für die fürstlichen Personen, zwei sich gegenüberstehende Katheder für die Disputanten, an eichernen Tafeln schreiben vier Notare die Ausführungen mit – so ist das Bild in der Pleißenburg überliefert.

Eck und Karlstadt disputieren vom 27. Juni bis zum 3. Juli – mit Ausnahme der Festtage – über den freien Willen und sein Verhältnis sowohl zur göttlichen Gnade wie zu den guten Werken.
Am 4. Juli beginnt die Disputation zwischen Eck und Luther. Eck kämpft über das Primat des Papstes und die Gewalt der Konzilien mit allen Mitteln. Er rückt Luther in die Nähe von Jan Hus und soll seine Redezeit ständig überzogen haben. Luther wird von Melanchthon unterstützt, der hinter Luthers Katheder sitzt, ihm zuflüstert oder Zettel zusteckt, was Ecks Zorn hervorruft.

Auch Eck hat Unterstützer – ausgewählte Leipziger Theologen – die jedoch „saßen allezeit neben Dr. Eckio und schliefen ganz sanft“.

Die Leipziger Disputation

Die Leipziger Disputation

Am 15. Juli hält Johann Langius Lembergius, Rektor der Universität Leipzig, die Schlussrede. Beide Lager betrachten sich als Sieger in der Auseinandersetzung. Die Disputationstexte werden veröffentlicht und dadurch weit verbreitet mit Luthers Bekenntnis, dass weder Papst noch Konzil höchste Autorität in Glaubensdingen besitzen und der Erklärung, dass nicht alle Gedanken von Hus ketzerisch sind.

Somit ist der Bruch mit dem Heiligen Stuhl in Rom endgültig vollzogen. Auch der albertinisch-sächsische Landesherr Georg ist erzürnt. 1523 ließ er in seinem Teil des Sachsenlandes sämtliche Lutherbibeln konfiszieren und schloss sich im Juli 1525 mit verschiedenen norddeutschen, katholischen Fürsten im Dessauer Bund zusammen, um die Weiterverbreitung der lutherischen Lehren zu verhindern.

Seine Bemühungen nutzen ihm nichts. Am Neujahrstag 1537 findet der erste evangelische Gottesdienst im Dom zu Freiberg statt. Zu Pfingsten 1539 predigt Martin Luther in der Thomaskirche zu Leipzig und führt die Reformation in der Messestadt ein.

Georgs Bruder, Heinrich der Fromme, übernimmt 1539 die Macht und führt die Reformation als Staatsreligion im albertinischen Sachsen ein.

Lesen Sie zum 500. Reformationsjubiläum auch die folgenden Beiträge:

500 Jahre Reformation – Stadtführungen

„Luther in Leipzig“


Quellen:
Universität Leipzig, 600 Jahre Alma mater lipsiensis
Leipziger Amtsblatt, Nummer 1, 27. Jahrgang, 14. Januar 2017

Bildnachweis:
Herzog Georg der Bärtige: Von Atelier / Werkstatt von Lucas Cranach der Ältere – wartburg-eisenach.de, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1501903
Thomaskirche: Foto H.-P- Haack
Leipziger Disputation: Von Julius Hübner – Dresdner Galerie; Mappe mit 24 Tafeln (19. Jahrhundert), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15988434

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