Geschichte & Geschichten

500 Jahre Reformation – Luther in Leipzig

Luthers Spuren in Leipzig

Gedenktafel am Hotel de Pologne in Leipzig

Gedenktafel am Hotel de Pologne in Leipzig

Luther weilte im Sommer 1519 in Leipzig, um mit Dr. Johannes Eck, Vizekanzler der Universität Ingolstadt und erklärter Gegner Luthers, zu disputieren. Luther, Karlstadt und Melanchthon wohnten im Haus des Druckers Melchior Lotter. Lotter war einer der wichtigsten Verbreiter der Ideen Luthers. Zwischen 1518 und 1520 wurden über 40 Schriften Luthers in seiner Werkstatt gedruckt. An das Haus Lotters erinnert heute eine Gedenktafel am Hotel Pologne, Hainstraße 16-18.

Die Pleißenburg, der Ort der Leipziger Disputation, steht nicht mehr. An ihrer Stelle erhebt sich das Neue Rathaus. Der authentische Ort ist nicht mehr nachvollziehbar, aber mit ein bisschen Phantasie und einem Bild der alten Pleißenburg lässt sich erahnen, was sich im Jahr 1519 an dieser Stelle ereignete.

Im Mai 2017 wurde an der Ostseite des Neuen Rathauses eine Gedenkinschrift zur Leipziger Disputation mit Bildnissen von Luther und Eck eingeweiht.

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Die Paulinerkirche zu Leipzig 1749

Die Paulinerkirche zu Leipzig 1749

Im Jahr 1240 wurde die Klosterkirche der Dominikanermönche geweiht. Mit dem Gottesdienst und der letzten Predigt Luthers in Leipzig am 12. August 1545 wurde sie zur evangelischen Universitätskirche St. Pauli. Obwohl das mittelalterliche Bauwerk im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt wurde, ließ die Führung der DDR das Gotteshaus 1968 sprengen und vernichtetet somit einen authentischen Ort des Luthergedenkens.

Zu Zeiten Luthers in Leipzig war Heinrich Stromer Besitzer von Auerbachs Hof mit Auerbachs Keller. Stromer war ein Freund und Unterstützer des Reformators. Als Luther 1521 inkognito von der Wartburg nach Wittenberg reiste, bereits exkommuniziert und vogelfrei, kam er unerkannt für eine Nacht bei Stromer unter. Seine endgültige Berühmtheit erhielt Auerbachs Keller, nachdem Johann Wolfgang von Goethe dort weilte und sich zu einer berühmten Szene im „Faust“ inspirieren ließ.

Die Nikolaikirche in Leipzig

Die Nikolaikirche in Leipzig

Die um 1165 erbaute, älteste erhaltene Kirche in Leipzig, die Nikolaikirche, besitzt eine gotische Kanzel aus der Zeit Luthers, die aus diesem Grund auch „Lutherkanzel“ genannt wird, obwohl der Reformator wohl nie von ihr gepredigt hat, Dr. Eck aber wohl. Luther lehnte sich 1517 gegen die Macht der Kirche auf – im Herbst 1989 lehnte sich das Volk in der DDR gegen seine Machthaber auf und die Nikolaikirche wurde zum Symbol der Friedlichen Revolution.

Im altehrwürdigen Thüringer Hof in Leipzig soll Martin Luther während seiner Aufenthalte in Leipzig öfters als Gast seines Freundes Dr. Heinrich Schmiedeberg geweilt haben. Im 2. Weltkrieg wurde der Thüringer Hof stark zerstört und modern wieder aufgebaut. Das Erdgeschoss ist jedoch vom alten Haus, hier könnte Luther gesessen, gegessen und getrunken haben.

Gedenktafel in der Thomaskirche zu Leipzig

Gedenktafel in der Thomaskirche zu Leipzig

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig besitzt eine große Zahl grafischer Blätter sowie 18 Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. und Lucas Cranach d. J., von denen elf in der Ausstellung gezeigt werden. Am berühmtesten ist das „Bildnis Luthers als Junker Jörg“ (1521) von Cranach d. Ä. Das Stadtgeschichliche Museum im Alten Rathaus zeigt den Ehering von Luthers Frau, Katharina von Bora.

Sebastian Fröschel hielt auf dem Alten Johannisfriedhof 1523 die ersten evangelischen Predigten, zu denen die Leipziger noch vor die Tore der Stadt gingen. Auf Drängen des Bischofs von Merseburg kam Herzog Georg von Sachsen nach Leipzig, damit nicht die ganze Stadt durch die lutherische Lehre verführt würde. Fröschel wurde des Landes verwiesen. Die Johanniskirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und die Ruine 1963 gesprengt. Der Alte Johannisfriedhof blieb erhalten.

Die Thomaskirche in Leipzig ist nicht nur mit dem Wirken Johann Sebastian Bachs als Thomaskantor verbunden, sondern auch mit Martin Luther und der Reformation. Eine Gedenktafel an einer Säule im Kirchenschiff erinnert an den Beginn der Reformation, die Luther 1539 mit einer Predigt in der Thomaskirche einführte. Eines der großen farbigen Kirchenfenster zeigt Luther mit der Bibel.

Spotttafel im Hof des Fregehauses in Leipzig

Spotttafel im Hof des Fregehauses in Leipzig

Im Innenhof des Fregehauses in der Katharinenstraße befindet sich eine kleine Sandsteintafel. Darauf sind abgebildet: Kaiser, Papst und ein Mönch sowie die Jahreszahl 1535. Gedeutet wird das Relief als „Verspottung Luthers“ – gewiss ist das allerdings nicht. Schaut man sich die Tafel genauer an, so sieht man, dass nur einer fröhlich gestimmt ist – Luther, während Papst und Kaiser missmutig dreinschauen.

Der Erker in Barthels Hof ist in doppelter Hinsicht bedeutend. Er stammt aus dem Jahre 1523 und ist der älteste erhaltene Erker in Leipzig. Eine um ein Kreuz gewundene, vergoldete Schlange am Konsolstein des Erkers war die Namensgeberin des Hauses „Zur goldenen Schlange“. Zierbanderolen mit Bibelzitaten warnen vor falschem Glauben. Über dem unteren Fenster des Erkers befindet sich ein Brüstungsfeld mit einem aufgeschlagenen Buch und einer lateinischen Inschrift:

Der Erker in Barthels Hof in Leipzig

Der Erker in Barthels Hof in Leipzig

Dieses Haus hatte Hieronymus Walther der Ältere zuerst mit großzügigen Mitteln aufgeführt, als diese Stadt Georg, der berühmte Held, Herzog von Sachsen regierte, ein gottesfürchtiger Fürst. In dieser Zeit lenkst du 6. Hadrian im Bunde mit Karl V. das schwer erschütterte Schiff des armen Petrus.

Wirtschaftlicher Erfolg der Kaufleute im 16. Jahrhundert war von vielen Faktoren abhängig, damals vor allem von politischer und religiöser Stabilität. Durch Verwendung des christlichen Symbols der Goldenen Schlange erhoffte der Hausherr göttlichen Beistand für sich und seine Familie, wie im 4. Buch Mose zu lesen ist: Jeder der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie (die Schlange) sieht (AT, 4. Buch Mose 21,8) Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.
Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Der Erker ist Zeugnis einer außergewöhnlichen katholischen Frömmigkeit im ausgehenden Mittelalter und ein Gegenbeispiel zu Luthers Reformation. 1539 soll Luther vom diesem Erker aus zum Volk gepredigt haben, was allerdings nicht belegt ist.

Im Vorgängerbau des Hotels Pologne in der Hainstraße wohnte Martin Luther während der Leipziger Disputation beim Verleger Melchior Lotter. Eine Gedenktafel erinnert heute an seinen Aufenthalt.

Lesen Sie zum 500. Reformationsjubiläum auch die folgenden Beiträge:

500 Jahre Reformation – Stadtführungen

„Luther in Leipzig“

Quellen: Wolfgang Hoquél; Leipzig Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart, Passage-Verlag Leipzig, 2010
Bildnachweis: Paulinerkirche: Von H.-P.Haack (Diskussion) 09:35, 27. Apr. 2012 (CEST) – Sammlung H.-P.Haack Leipzig, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19396917

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Autor: Mirko Seidel am 29. Mai 2017 16:38, Rubrik: Geschichte & Geschichten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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