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Leipziger Persönlichkeiten – Wilhelm Schomburgk

Villa Schomburgk in Connewitz

Villa Schomburgk in Connewitz

Wilhelm Schomburgk wurde am 1. März 1882 in Leipzig geboren. Er stammt aus der Leipziger Unternehmerfamilie Schomburgk. Seine Mutter, Doris Eugenie Schomburgk war Tochter des Rechtsanwalts und Industriepioniers Carl Erdmann Heine. Der Vater, Heinrich Georg Schomburgk, war Teilhaber der von Carl Heine gegründeten Leipziger Westend-Baugesellschaft AG, die u.a. den Karl-Heine-Kanal in Plagwitz baute.

Wilhelm Schomburgk besuchte die Thomasschule zu Leipzig. Nach dem Abitur 1902 studierte Schomburgk Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig. 1907 heiratete Wilhelm Schomburgk Elisabeth Meyer, Tochter des jüdischen Bankiers Joel Meyer. Wenig später wurde Schomburgk im Bankhaus Meyer&Co. am Thomaskirchhof angestellt.

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Im 1. Weltkrieg diente Schomburgk als Reserveoffizier. Nach dem Krieg 1919 wurde er Teilhaber des familieneigenen Bankhauses, das mit ihren Krediten insbesondere die Textil- und Rauchwarenbranche förderte. Von 1921 bis 1936 war Schomburgk ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht Leipzig. Nach dem Tod seines Vaters 1928 verwaltete Wilhelm Schomburgk den Familienbesitz der Erbengemeinschaft der Leipziger Westend-Baugesellschaft, war Aufsichtsratsvorsitzender der Fr. Feistkorn, Kammgarnspinnerei und Aufsichtsratsmitglied der Leipziger Wollkämmerei Act.-Ges.

Bereits während seiner Schulzeit war Wilhelm Schomburgk begeisterter Sportler, er war Leichtathlet und spielte Fußball, Tennis, Feld- und Eishockey. Von einer Reise nach England 1899 brachte er Bandy mit. Mit seinem Bruder Arthur Heinrich gründete Wilhelm Schomburgk 1901 den Leipziger Sport-Club (LSC 1901), dem er von 1920 bis 1937 als Präsident vorstand. Der Sportverein hatte sich vor allem dem Tennis und ab 1908 dem Feldhockey verschrieben. Der LSC 1901 gehörte zu den ersten Vereinen in Deutschland mit einer Feldhockey-Abteilung. Schomburgk nahm von 1901 bis 1910 an mehreren Tennis-Turnieren in Deutschland und England teil.

Mit dem VfB Leipzig wurden Schomburgk und sein Bruder 1906 dritter Deutscher Fußballmeister der Männer. Von Juli 1904 bis Juni 1906 war Wilhelm Schomburgk rechter Außenläufer in der ersten Mannschaft des Vereins und bestritt nachweislich das am 6. Mai 1906 in Berlin ausgetragene Halbfinale der deutschen Meisterschaft, das der VfB mit 3:2 gegen den Berliner FC Hertha 92 gewann. Eine schwere Verletzung beendete Schomburgks Karriere.

Im Jahr 1910 wurde Wilhelm Schomburgk in den ersten Bundesausschuss des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) gewählt. 1902 war Wilhelm Schomburgk Mitbegründer des Deutschen Tennisbundes (DTB), ab 1907 Mitglied des Ausschusses für Länderwettspiele, ab 1910 der Ballprüfungskommission und ab 1911 des Amateurausschusses und des Vorstandes des Deutschen Tennisbundes. Von 1920 bis 1937 war Schomburgk Bundesleiter.

Ab August 1934 war Wilhelm Schomburgk durch den Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten als Nachfolger von Gerhard Weber zum Präsidenten des DTB als Reichsfachamtsleiter Tennis ernannt worden. Während seiner Präsidentschaft sah er seinen Verein in Konkurrenz zu den Sportvereinen der SA und SS. Außerdem verstand Schomburgk Sport immer als Freiwilligkeit und nicht, wie von den Nationalsozialisten angestrebt, als Pflicht. Sein Amt legte Schomburgk im Oktober 1937 nieder. 1949 wurde Schomburgk Ehrenpräsident des neu aufgebauten Verbandes.

Seit 1959 finden die deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Senioren, die sogenannten Großen Schomburgk-Spiele statt.

Im Jahr 1929 wurde Wilhelm Schomburgk Mitglied der Vertrauten Gesellschaft, einer Vereinigung von Kaufleuten mit karitativen Zielen. Gemeinsam mit Herbert Thieme, Präsident des Leipziger Rennklubs, führte Schomburgk die Organisation auch im Nationalsozialismus versteckt weiter. Treffpunkt war u.a. das Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“. Von 1946 bis 1958 war Schomburgk Senior der Gesellschaft. In der Weimarer Republik war er auch Vorsitzender der Gesellschaft Harmonie in Leipzig.

1937 wurde Wilhelm Schomburgk Vorstandsmitglied der Communal-Bank für Sachsen, das durch den jüdischen Bankier Hans Kroch geführt wurde. Schomburgk sanierte das Kreditinstitut und wurden nach den Novemberpogromen 1938 alleiniger Gesellschafter.

Ehem. Bankhaus Meyer & Co. Leipzig

Ehem. Bankhaus Meyer & Co. Leipzig

In den 1930er Jahren verschlechterte sich die Situation für die Familie Schomburgk zunehmend, da sie sich nicht von den jüdischen Mitinhabern der Familie Meyer distanzierte. Städtischen Beamten war es verboten, Konten beim Bankhaus Meyer&Co. zu führen. Der Mitinhaber, Max Helmut Meyer, wurde von der Gestapo verhaftet und in ein Arbeitslager verschleppt. Wilhelm Schomburgk wurde wohl auch deshalb Mitglied im Goerdeler-Kreis, einer konservativ-bürgerlichen Widerstandsgruppe um Walter Cramer und den Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler. Schomburgk fungierte als Kurier der Gruppe und stand im Kontakt mit General Friedrich Olbricht. Einer Verhaftung nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 entging Schomburgk wohl nur, weil er nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus lag und so nicht ins Visier der Nationalsozialisten geriet.

Ab August 1945 wurden die Eigentümer des Bankhauses Meyer&Co. und des Leipziger Sport-Clubs sowie die Erbengemeinschaft der Leipziger Westend-Baugesellschaft AG von der Sowjetischen Militäradministration enteignet.

Im September 1946 setzte Wilhelm Schomburgk 300.000 Reichsmark für die Neugründung einer Privatbank ein. Von 1946 bis 1959 führten Wilhelm Schomburgk und Max Helmut Meyer als persönlich haftende Gesellschafter unter Verwaltungsaufsicht der Sächsischen Landesbank die Privatbank Meyer&Co in nunmehr angemieteten Räumen. 1949 trat Schomburgk aus Protest gegen die Auflösung des Direktoriums des Gewandhauses in Leipzig, deren Hausbank Meyer&Co. war, vom Komitee für den Wiederaufbau des Gewandhauses zurück. Das Bankhaus Meyer&Co. war die letzte Privatbank der DDR und wurde nach dem Tod aller Teilhaber 1972 vollständig und ohne weitere Entschädigung für die Nachkommen abgewickelt.

Wilhelm Schomburgk starb am 18. Dezember 1959 in seinem Haus in Leipzig-Connewitz.

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Autor: Mirko Seidel am 14. Jun 2022 16:29, Rubrik: Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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