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Leipziger Persönlichkeiten – Lydia Auguste Johanna Landgraf

Gedenktafel für Johanna Landgraf in Lindenau

Gedenktafel für Johanna Landgraf in Lindenau

Lydia Auguste Johanna Landgraf wurde am 11. Oktober 1908 in Leipzig geboren. Sie gehörte zu den Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus den Mut fanden, jüdischen Mitbürgern und politisch Verfolgten zu helfen.

Ihr Vater, Karl Landgraf, war Postbeamter, die Mutter, Lydia Landgraf, geb. Riese war Hausfrau. Lydia Auguste Johanna Landgraf besuchte die Volksschule und von 1923 bis 1926 die Handelsklasse der Städtischen Höheren Schule für Frauenberufe. Bis 1939 arbeitete Johanna Landgraf als Direktionssekretärin im Städtischen Gaswerk Leipzig und besuchte 1927/28 die Abendschule. Ihr Abitur konnte sich aus finanziellen Gründen nicht erreichen. Von 1939 bis 1945 arbeitete sie als Korrespondentin für Englisch bei der Firma Theodor Althoff/Karstadt in Leipzig.

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In den Jahren des Nationalsozialismus in Deutschland leistete Johanna Landgraf aktiv Widerstand. Sie war bekannt mit dem Juristen Dr. Erich Zeigner, 1921 sächsischer Justizminister, 1923 sächsischer Ministerpräsident.

Gemeinsam mit Dr. Zeigner und Pater Aurelius Arkenau unterstützte Johanna Landgraf politisch Verfolgte und Juden beim Untertauchen und Überleben. Das Dominikanerkloster St. Albertus Magnus im Stadtteil Wahren spielte dabei eine wichtige Rolle. Pater Arkenau versteckte dort ab 1942 mehr als 100 Menschen.

Bis zu seinem Tod 1949 war Dr. Erich Zeigner der erste Nachkriegsbürgermeister von Leipzig, Johanna Landgraf seine Sekretärin. Danach arbeitete sie im Amt für Verkehrswesen der Stadt Leipzig. Ab 1950 nach dem Abschluss ihres Studiums an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig mit dem Wirtschaftsdiplom war sie Verwaltungsleiterin im Dezernat für Volksbildung. 1953 schloss Johanna Landgraf ihr Fernstudium als Unterstufenlehrerin am Institut für Lehrerbildung Altenburg ab, 1958 das Studium der Sonderpädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 1953 verließ sie Verwaltung und war bis 1968 als Lehrerin an der Hilfsschule West tätig. Als Rentnerin arbeitete sie dort bis 1972 als Horterzieherin und bis 1988 als Schulsekretärin weiter.

Anfang der 1980er Jahre zog Johanna Landgraf zur Pflege von Dr. Zeigners Witwe in deren Wohnung Zschochersche Straße 21. Hier hatte Annemarie Zeigner bis zu ihrem Tod 1982 die originale Wohnungseinrichtung sowie den schriftlichen Nachlass ihres Mannes bewahrt. Johanna Landgraf führte Gäste durch das Haus und sorgte dafür, dass das Andenken Erich Zeigners in der Öffentlichkeit präsent und die originale Wohnungseinrichtung im Haus erhalten blieb.

Johanna Landgraf starb am 3. Juni 2012 in einem Seniorenheim. Ihre Wohnorte in Leipzig waren: 1909: Merseburger Straße 134, Parterre; 1911-1921: Spittastraße 42, 2. Etage; bis circa 1980/1981: Merseburger Straße 131; bis 2003: Zschochersche Straße 21 (1945-1953 Carl-Goerdeler-Straße; 1953-1991 Philipp-Müller-Straße; heute Erich-Zeigner-Haus); 2003-2012: Altenpflegeheim „Sonnenschein“, Demmeringstraße 131a. Seit 2014 befindet sich eine Gedenktafel für Johanna Landgraf am Erich-Zeigner-Haus in der Zschochersche Straße 21.

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Quelle: https://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/frauen/1000-jahre-leipzig-100-frauenportraets/detailseite-frauenportraets/projekt/landgraf-lydia-auguste-johanna

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Autor: Mirko Seidel am 15. Jan 2022 09:30, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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