Persönlichkeiten

Leipziger Persönlichkeiten – Rauchwarenhändlerfamilie Thorer

Theodor Thorer

Theodor Thorer

Theodor Thorer wurde am 26. Juni 1828 in Görlitz geboren. Die Tradition der Kürschnerei reicht bei der Familie Thorer weit zurück. Im Kirchenbuch der Stadt Gera befindet sich ein Eintrag vom 10. August 1618 über die Vermählung des Kürschnermeisters Hans Georg Thorer mit Katharina Puschel.

Theodor Thorer war Sohn von Ernst Friedrich Thorer, geboren am 20. März 1799, gestorben am 1. Juli 1878, sein Großvater war der Görlitzer Kürschnermeister Tobias Friedrich Thorer, geboren am 21. April 1732 in Gera, gestorben am 22. Mai 1800 in Görlitz.

Theodor Thorer, ältester Sohn, übernahm 1853 das väterliche Kürschnergeschäft in Görlitz – das bedeutendste Geschäft am Platz, und versorgte auch die Kürschner der Gegend mit Rauchwaren.

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Mit dem Ausbau der internationalen Geschäftsbeziehungen verlagerte Theodor Thorer sein Geschäft nach Gohlis. In der Rauchwarenhalle in Leipzig eröffnete Thorer ein Unternehmen. 1872 trat Ernst Louis Keller in die Firma ein, die sich für fünf Jahre Thorer & Keller nannte. Für die Vergrößerung des Betriebes kaufte Thorer das Grundstück Brühl 70. Der Schwerpunkt des Geschäfts lag anfangs beim Handel mit kanadischen Pelzen, seit den 1880er Jahren kamen zunehmend russische und asiatische Felle dazu. 1883 richtete Theodor Thorer Werkstätten für die Zurichtung und das Färben, hauptsächlich von Karakulfellen (Persianer), ein. Durch die Übernahme der Zacharias’schen Zurichterei erfuhr das Unternehmen eine zusätzliche Erweiterung.

Paul Albert Thorer

Paul Albert Thorer

Die drei Söhne von Theodor Thorer erhielten ihre Ausbildung nach dem ihnen zugedachten Teil des Unternehmens. 1883 traten sie als Teilhaber in das Geschäft ein. Die zwei ältesten Söhne gingen nach England und Kanada, um die nordamerikanischen Interessen des Unternehmens zu vertreten. Der dritte Sohn, Paul Thorer, wurde auf die Übernahme des Russlandgeschäfts vorbereitet. Theodor Alexander Thorer gründete 1884 als vierter Sohn in St. Paul (Minnesota, USA) eine Theodor-Thorer-Filiale. 1890 folgte mit Carl Praetorius die Gründung einer „Transatlantic Fur Company Limited“ in New York. Beide Niederlassungen handelten vor allem mit Persianerfellen.

Theodor Thorer setzte sich 1892 in Leutzsch zur Ruhe. Theodor Thorer starb am 31. März 1894 in Leipzig. Die heutige Paul-Michael-Straße trug früher seinen Namen.

Die drei ältesten Söhne führten das Unternehmen gemeinsam weiter. Nach dem Ausscheiden von Ernst Alfred und Theodor Curt wurde Carl Praetorius neuer Teilhaber. 1907 kam Paul Hollender, als Schwiegersohn und Teilhaber hinzu. In Folge des 1. Weltkriegs und der Revolution in Russland gingen die Fellimporte aus Russland verloren. Das Geschäft in den USA musste 1917 mit Verlust verkauft werden.

Villa von Paul Albert Thorer in der Beethovenstraße in Leipzig

Villa von Paul Albert Thorer in der Beethovenstraße in Leipzig

Paul Thorer brachte 1903 das bis dahin nur in Russland und Afghanistan beheimatete Karakulschaf, Lieferant des Persianerfells, nach Deutschland. Von hier aus verbreitete sich die Zucht über die ganze Welt. Persianerfelle wurden später unter dem Handelsnamen Swakara einer der wesentlichen Wirtschaftsartikel der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Paul Thorer ließ sich in der Beethovenstraße eine Villa errichten (im 2. Weltkrieg zerstört).

Der Enkel von Theodor Thorer, Herbert Schönburg, geboren am 12. September 1885, gestorben am 12. Juli 1951, trat Ostern 1905 als Volontär in die Zurichterei und Färberei-Abteilung des Stammhauses in Lindenau ein und übernahm nach seiner Ausbildung die Werksleitung in Lindenau. Herbert Schönburg und Max Thorer entwickelten völlig neue Pelz-Zurichtungsmethoden. Ab Anfang der 1920er Jahre nahm die Fa. Thorer einen rasanten Aufschwung.

1923 kam eine Verkaufsvertretung in London hinzu, eine weitere Gründung erfolgte 1931 in Paris.

Curt-Thorer-Villa in Leutzsch

Curt-Thorer-Villa in Leutzsch

Während des 2. Weltkriegs wurden in der Fa. Thorer hauptsächlich Rüstungsaufträge bearbeitet. Thorer & Co. beschäftigte Arbeitskräfte aus dem „Lager Engel“ und Ostarbeiterlager „Riga“. Im Juni 1941 wurde das Unternehmen als Rüstungsbetrieb anerkannt, im Februar 1943 erfolgte die Eintragung eines neuen Rauchwaren-Veredlungsbetriebes Thorer & Co im Generalgouvernement in Warschau.

Anfang Juni 1945 wurde in Hamburg das neue Unternehmen „Thorer & Hollender KG“ gegründet, um sich auf eine Enteignung vorzubereiten. 1946 erfolgte die Verstaatlichung des Leipziger Betriebes und die Zuordnung zum VEB Edelpelz Leipzig als Rauchwarenzurichterei und Färberei. Firmensitz der Fa. Thorer war am Brühl Ecke Reichsstraße neben Oelßners Hof.

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Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3b/Theodor_Thorer.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9f/300_Jahre_Familie_Thorer_-_50_Jahre_Theodor_Thorer_%2814%29.jpg;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/01/L_Villa_P.A._Thorer_Beethovenstra%C3%9Fe_35_Ecke_Karl-Tauchnitz-Stra%C3%9Fe_Bl%C3%A4tter_Architektur_Kunsthandw_11_%281898%29%2C_Tf_24_%28ohne_Seitenrand%29.jpg

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Autor: Mirko Seidel am 14. Apr 2022 16:02, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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