Landkreis Nordsachsen

Stadt Eilenburg – Stadt an der Mulde mit grünem Herzen

Eilenburg, Blick vom BurgbergEilenburg ist eine Große Kreisstadt im Norden des Landkreises Nordsachsen. Die Stadt liegt nordöstlich von Leipzig (ca. 24 km) an den Bundesstraßen B 87 (Leipzig – Torgau) und B 107 (Grimma – Bad Düben). In der kleinen Stadt an der Mulde leben ca. 15.000 Einwohner.
Eilenburg war von 1952 bis 1994 Kreisstadt, gehörte dann zum Landkreis Delitzsch-Eilenburg und seit 2008 zum Landkreis Nordsachsen.

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Stadtgeschichte

Bereits die Slawen errichteten auf dem heutigen Burgberg in Eilenburg eine Wallanlage. Im Jahre 961 wird erstmals die civitas Ilburg genannt. Errichtet wurde die Burg wohl schon Anfang des 10. Jahrhunderts durch König Heinrich I. Am Fuß der Burg, auf einer Insel in der Mulde, wurde im 11. oder 12. Jahrhundert die mittelalterliche Stadt angelegt. Die Gründung erfolgte planmäßig auf elliptischem Grundriss mit gitterförmigem Straßennetz. Die Hauptstraße (Leipziger Straße/Torgauer Straße) durchquert die Stadt in Ost-West-Richtung und führt am Markt vorbei, der den Mittelpunkt der Stadt markiert. Eine Stadtbefestigung hatte Eilenburg ab 1150, die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert mehrfach erneuert wurde. Von ihr sind heute nur geringe Reste erhalten.

Ilburg Eilenburg

Ilburg Eilenburg

Die Ilburg wurde während der Merseburger Bischofsfehde 1386 zerstört, danach wieder aufgebaut und bis zum 15. Jahrhundert zu einem stattlichen Wohnschloss umgebaut. Im 30-jährigen Krieg schwer beschädigt erfolgte danach kein Wiederaufbau.

Gerichtsbarkeit erlangt der Rat im Jahr 1404. Ihre Blütezeit erlangte die Stadt Eilenburg im 16. Jahrhundert. Die wirtschaftlichen Grundlagen waren der Ackerbau, Fischfang, Weinbau und das Brauwesen.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine allmähliche Industrialisierung ein, Schwerpunkte waren Textilfabriken, Maschinenbau und die Celluloidverarbeitung.

Eilenburg, Leipziger Straße

Eilenburg, Leipziger Straße

Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde die Altstadt von Eilenburg zu zwei Dritteln zerstört. Der Wiederaufbau begann in den 1950er Jahren. Entgegen der zu dieser Zeit in der DDR vorherrschenden monumentalen Wohnungsbauweise bemühte man sich in Eilenburg, den alten Stadtgrundriss aufzunehmen und durch eine kleinteiligere Bebauung die alte Stadt nachzuempfinden.

Stadtrundgang durch Eilenburg

Die Nummern in den eckigen Klammern finden Sie auf der Skizze des Rundgangs durch Eilenburg.

Die schweren Zerstörungen Eilenburgs im Zweiten Weltkrieg sind bis heute im Stadtbild ablesbar. Trotzdem lohnt ein Spaziergang durch die Innenstadt.

Wenn sie mit dem Zug anreisen, folgen Sie der Bahnhofstraße nach Norden zum Markt. Kommen Sie mit dem Auto nach Eilenburg, können Sie auf dem Parkplatz zwischen Nordring und Großer Mauerstraße parken. Von dort ist es nicht weit bis zum Markt.

Eilenburg, ehemaliges Gasthaus "Roter Hirsch"

Eilenburg, ehemaliges Gasthaus „Roter Hirsch“

An der Südseite des Marktplatzes [1] stehen die Stadtkirche St. Nikolai und das Rathaus, das nach dem 2. Weltkrieg nach altem Vorbild wieder aufgebaut und um ein Geschoss erhöht wurde.

Wenden Sie sich nun nach rechts und folgen sie der Torgauer Straße bis zur Muldebrücke. Auf der linken Straßenseite steht das ehemalige Gasthaus „Roter Hirsch“ [2]. Der schlichte Barockbau aus dem 17. Jahrhundert beherbergt das Stadtmuseum.

Eilenburg, Aue der Mulde

Eilenburg, Aue der Mulde

Von der Muldebrücke [3] haben Sie einen schönen Blick in die weite Aue der Vereinigten Mulde. Gehen Sie zurück und biegen Sie in den Samuelisdamm ein. Hier finden Sie eine Wohnanlage aus dem frühen 20. Jahrhundert [4].

Am Kreisverkehr angekommen, befinden Sie sich im Villenviertel [5] von Eilenburg. Ein Rundgang durch die Gustav-Raute-Straße und die Wilhelm-Raabe-Straße zeigt Ihnen Fabrikantenvillen aus der Gründerzeit.

Eilenburg, Martin-Rinckart-Gymnasium

Eilenburg, Martin-Rinckart-Gymnasium

In einer Grünanlage in der westlichen Gustav-Raute-Straße steht das Martin-Rinckart-Gymnasium [6], ein stattlicher Jugendstilbau aus dem Jahr 1906. In der Grünanlage, an der Röberstraße steht das Denkmal für Franz Abt [7].

Folgen Sie dem Dr.-Külz-Ring bis zur Rinckartstraße und biegen Sie rechts ab zum Markt. Am Markt folgen Sie nun der Leipziger Straße nach Westen. Am Kreisverkehr an der Mulde steht die Nachbildung einer sächsischen Postmeilensäule [8] aus dem Jahr 1724.

Ilburg, Wehrturm und Amtshaus

Ilburg, Wehrturm und Amtshaus

Vor Ihnen erhebt sich bereits der Burgberg mit dem Wehrturm. Nehmen Sie den Aufstieg zur Burg [9] von der Mühlstraße aus.

Die Ilburg ist die einzig erhaltene Burganlage an der Vereinigten Mulde und somit ein besonderes Zeugnis der Regionalgeschichte.

Auf dem Burgberg angekommen bietet sich Ihnen ein Blick auf die Stadt Eilenburg. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg ist nur wenig von Burg und Schloss Eilenburg erhalten geblieben. Neben dem Wehrturm als weithin sichtbarem Wahrzeichen Eilenburgs befindet sich das Amtshaus aus der Zeit um 1700, das 1993 abgebrannt ist und gesichert ist. Im westlichen Burggelände steht der Sorbenturm aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Nehmen Sie sich die Zeit zu einem Rundgang entlang der Ringmauer, um die einstige Größe der Ilburg ermessen zu können.

Eilenburg, Burgtor und Marienkirche

Eilenburg, Burgtor und Marienkirche

Durch das Burgtor aus dem 15. Jahrhundert verlassen Sie die Burg und kommen zur Ev. Marienkirche [10] , der sogenannten Bergkirche. Die stattliche romanische Hallenkirche wurde 1516-1522 zu einer spätgotischen Kirche umgebaut.

Durch die Bergstraße kommen Sie zurück in die Altstadt. Gehen Sie zurück zum Bahnhof, können Sie durch den Stadtpark [11] mit dem Heimattierpark laufen.

Sehenswertes in Eilenburg

Eilenburg, Stadtkirche St. NIkolai

Eilenburg, Stadtkirche St. Nikolai

Ev. Stadtkirche St. Andreas und St. Nikolai [1]:

  • spätgotische Hallenkirche,
  • nach Brand des Vorgängerbaus 1444 begonnen,
  • Westturm ab 1496, Obergeschosse 1531, abschließendes Halbgeschoss 1632,
  • barocke Innenausstattung (1683-1684) Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend entfernt,
  • Backsteinbau mit eingezogenem Chor mit 3/8-Schluss,
  • spätgotische Portalvorhalle mit darüberliegender Ratsloge (1724),
  • einfach profilierte, spitzbogige Portale, einfache Maßwerkfenster,
  • spätgotischer Schnitzaltar von 1506 (nicht vollständig erhalten),
  • farbig gefasstes, lebensgroßes Kruzifix aus Holz (Anfang 16. Jahrhundert),
  • Die Kirche kann nicht besichtigt werden.
Eilenburg, Marienkirche (Bergkirche)

Eilenburg, Marienkirche (Bergkirche)

Ev. Marienkirche (Bergkirche) [10]:

  • romanische Hallenkirche,
  • 1516-1522 zu gotischer Hallenkirche umgebaut,
  • verputzter Bau mit eingezogenem Chor mit 5/8-Schluss,
  • dreischiffiges, vierjochiges Langhaus, gekehlte, oktogonale Pfeiler, Netzgewölbe im Mittelschiff, Sterngewölbe in den Seitenschiffen,
  • eingeschossige Emporen, Renaissancealtar,
  • Die Kirche kann nicht besichtigt werden.

Ilburg [9]:

  • Ringmauer und Burgtor aus dem 15. Jahrhundert,
  • Sorbenturm aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts,
  • Wehrturm Ende 13. oder Anfang 14. Jahrhundert,
  • Amtshaus (Ruine) um 1700,
  • Gefängnis (Ende 18. Jahrhundert),
Eilenburg, Rathaus

Eilenburg, Rathaus

Rathaus [1]:

  • ursprünglicher Bau 1544-1545,
  • Wiederaufbau bis 1949,

Gasthof Roter Hirsch [2]:

  • Barockbau des 17. Jahrhunderts,
  • großer Saal mit Stuckdecke von 1890,

Martin-Rinckart-Gymnasium [6]:

  • Jugendstilbau aus dem Jahr 1906,

Berühmte Eilenburger

Eilenburg war bereits im Mittelalter ein strategisch wichtiger Ort. Im Schutz der mächtigen Burg, am Flussübergang über die Mulde gelegen, führte die Via Regia durch die Stadt. Die Stadt war Residenz der Grafen Heinrich I. und Heinrich II. Martin Luther weilte mehrfach in Eilenburg, predigte in der St. Nikolaikirche und soll die Stadt als Schmalzgrube bezeichnet haben. Der Bittgottesdienst des Eilenburger Geistlichen Martin Rinckart verhinderte die Plünderung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg. Von Rinckart stammt der bekannte Choral „Nun danket alle Gott“. Der im Dreißigjährigen Krieg gefallene schwedische König Gustav II. Adolf war für eine Nacht im Roten Hirsch in Eilenburg aufgebahrt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts praktizierte der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, in Eilenburg. In dieser Zeit wurden auch der Novellendichter Karl Eduard von Bülow, der evangelische Geistliche und Vater Friedrich Nietzsches Carl Ludwig Nietzsche, der Komponist Franz Abt und der Zoologe und Ökologe Karl August Möbius in Eilenburg geboren. Im Zeitalter der Industrialisierung gründete der Leipziger Ernst Mey die Deutsche Celluloid Fabrik in Eilenburg, deren späterer Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich Engelhorn, Gründer der BASF wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg macht sich der Eilenburger Jugendbuchautor Karl Neumann in der DDR und den anderen osteuropäischen Staaten einen Namen. Aus Eilenburg kommen Sportler, wie Manfred Kuschmann, Wilfried Gröbner, Alexander König und Ulrike Gräßler. Sie machen in der DDR und nach der Wiedervereinigung Karriere. Bekannte Eilenburger sind heute die Künstler Sighard Gille, Else Buschheuer und Karina Kraushaar.

Burgtor der Ilburg in Eilenburg

Burgtor der Ilburg in Eilenburg


Heinrich I. von Eilenburg war der erste Markgraf von Meißen. Er stammte aus dem Geschlecht, das sich später nach der Burg Wettin benennen sollte. Als Sohn des Markgrafen Dedo II. von der Ostmark wurde er 1069 geboren. Nach dem Tod seines Vaters 1075 verlieh Kaiser Heinrich IV. die Ostmark nicht an Heinrich, sondern an Herzog Wratislaw von Böhmen.
Heinrich, von seiner Mutter in die Obhut des Kaisers gegeben, floh nach Mainz und kehrte von da zu seiner Mutter zurück. Trotzdem belehnte ihn Kaiser Heinrich nach der Ächtung des Markgrafen Ekbert II. von Meißen zu Regensburg im Jahr 1088 mit der Mark Meißen. 1102 vermählte sich Heinrich mit der Schwester Ekberts, Gertrud, um seine Macht weiter zu festigen. Im Jahr 1123 unterstützte Heinrich I. zusammen mit seinen Verwandten, dem Markgrafen Heinrich von Stade und Ludwig von Thüringen, den Bischof Bukko von Halberstadt in dessen Fehde gegen den Herzog Lothar von Sachsen. Wenig später geriet er in eine Fehde mit seinem Vetter Konrad von Wettin, nahm denselben gefangen und hielt ihn in Haft, aus der jedoch Konrad durch Heinrichs frühen Tod, der angeblich durch Gift herbeigeführt war, bald befreit wurde. Mit Heinrich erlosch 1123 das Geschlecht Dedos von der Ostmark.

Heinrich der I. von Eilenburg war der erste Markgraf von Meißen aus dem Geschlecht der Wettiner. Er brachte die Markgrafschaft Meißen in die wettinischen Lande ein. Sein Vetter Konrad von Wettin baute auf Heinrichs Erbe die wettinische Landesherrschaft auf. Eilenburg kann man damit als Wiege Sachsens bezeichnen.

Martin Rinckart erhielt eine kirchenmusikalische Ausbildung bei Thomaskantor Calvisius in Leipzig und wurde 1610 Kantor, später auch Pfarrer in Eisleben. Als Archidiakonus in seiner Heimatstadt Eilenburg, erlebte er das Elend des Dreißigjährigen Krieges und der Pest.
1631 verfasste er den Text des Liedes „Nun danket alle Gott“ (EG 321, GL 266), gedacht als Danklied nach dem Essen. Nach dem Friedensschluss 1648 wurde sein Lied zum allgemeinen Dankchoral, heute ist es eines der bekanntesten und beliebtesten Kirchenlieder.

Franz Abt (1818-1885) wurde 1819 als Sohn eines musikalischen Predigers in Eilenburg geboren. Er besuchte die Thomasschule in Leipzig und studierte Theologie. In dieser Zeit veröffentlichte er die ersten von mehr als 3.000 Kompositionen. Von 1845 bis 1852 lebte er in Zürich und hatte die Leitung der beachtenswerten Konzerte der allgemeinen Musikgesellschaft inne. Richard Wagner war sein Kapellmeister. Obwohl man ihm in Zürich das Ehrenbürgerrecht in Aussicht stellte, siedelte Abt 1852 nach Braunschweig über. Dort wurde er 1853 2. Dirigent an der herzoglichen Oper mit dem Titel eines Musikdirektors. Im Dezember 1854 erfolgte seine Ernennung zum 2. Hofkapellmeister. Weltbekannt ist sein Lied „Wenn die Schwalben heimwärts ziehn“, das er 1842 in Braunschweig komponierte.

Abt war weltweit anerkannt. Er erhielt Einladungen nach Paris, London, Riga, St. Petersburg und Moskau. Im Jahr 1872 folgte er einer Einladung nach Nordamerika und besuchte u.a. New York, Philadelphia, Baltimore, und Washington. Durch den Tod seiner beiden Söhne mitgenommen und schwer erkrankt nahm Franz Abt im Mai 1882 Abschied von seinem Amt und suchte Erholung in Bad Suderode. Nach kurzer Krankheit starb Franz Abt am 31. März 1885 in Wiesbaden, wo er die letzten Lebensjahre verbracht hatte.

Weitere Informationen

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Stadt Eilenburg www.eilenburg.de

Bildergalerie Eilenburg

Skizze „Stadtrundgang durch Eilenburg“

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Autor: Mirko Seidel am 5. Okt 2013 08:23, Rubrik: Landkreis Nordsachsen, Sachsen, Stadtansichten, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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