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Leipziger Persönlichkeiten – Paul Speck

Altes Rathaus Leipzig, Zwerchhäuser

Altes Rathaus Leipzig, Zwerchhäuser

Das Geburtsdatum von Paul Speck ist unbekannt, geboren wurde er wohl in Ehrenfriedersdorf, nachweisbar ist er ab 1532 in Freiberg. 1534 wurde Speck Bürger von Zwickau. Seine nachweisliche Beteiligung an der Errichtung bedeutender spätgotischer obersächsischer Hallenkirchen ist oft ungeklärt, sicher ist, dass Paul Speck maßgeblich an der Einführung und Durchsetzung der Formen der Renaissance in Sachsen in der Bau- und Bildhauerkunst beteiligt war.

Speck beherrschte mit einer großen Werkstatt für lange Jahre in weiten Teilen Sachsens den Markt, er war als Baumeister gesucht und umworben. Als Bildhauer schuf Paul Speck bedeutende Portale und Grabmale der Frührenaissance, weiterhin mehrere Kanzeln und Taufsteine. Als Baumeister errichtete er einige bedeutende Profanbauten. Speck war auch gesuchter Fachmann für Festungs- und Brückenbauten.

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Ehem. Tuchmacherhaus Roßwein, Portal

Ehem. Tuchmacherhaus Roßwein, Portal

In Freiberg steht mit dem Patrizierhaus Obermarkt 17, gebaut um 1528/30, das älteste, Paul Speck gesichert zuzuschreibende Bauwerk mit dem ältesten Renaissanceportal in Freiberg.
Einige weitere Portale in direkter stilistischer Nachfolge, die Paul Speck zugeschrieben werden, befinden sich in Zwickau (Posthalterei, 1535/40), Roßwein (Tuchmacherhaus, 1537) und Chemnitz (Gute-Hirten-Portal, 1542).

Von Zwickau aus, wo Paul Speck mehrere Privatbauten errichtete, lieferte Speck 1535 für das im Großen Wendelstein gelegene Hauptportal des neuen kurfürstlich-sächsischen Residenzschlosses Hartenfels zu Torgau die offenbar nach Vorlagen des Leipziger Medailleurs Hans Reinhart d.Ä. gefertigten Porträtmedaillons.

Speck lieferte 1535 Entwürfe für die noch ausstehende Einwölbung der Zwickauer Hauptkirche St. Marien, er fertigte um 1536/38 die Kanzeln und Taufsteine für St. Marien und St. Katharinen. Außerhalb Zwickaus werden Paul Speck die Kanzel von St. Wolfgang zu Schneeberg (1540), der Taufstein in der Dorfkirche von Ruppendorf bei Dippoldiswalde (1529) und der Taufstein im Freiberger Dom (um 1530) zugeschrieben.

Markt-Nordseite in Leipzig mit Alter Waage (rechts)

Markt-Nordseite in Leipzig mit Alter Waage (rechts)

1543 kam Paul Speck nach Leipzig. Im selben Jahr begannen in Leipzig die Arbeiten für die umfassende Neubefestigung der Stadt. Paul Speck wurde als Werkmeister und Obermeister der Steinmetze und Maurer die oberste Bauleitung übertragen. Die Detailpläne für die Befestigungsanlage wurden wohl vor Ort gefertigt. Eine um 1550 zu datierende Grund- und Aufrisszeichnung der zum Festungssystem gehörenden Pleißenburg ist signiert mit Specks latinisierten Namen „PAVLUS SPECK“ und seiner Meistermarke.

1546 ging Speck in die Dienste von Herzog Moritz von Sachsen. 1547 fertigt Paul Speck das Epitaph für den 1547 verstorbenen Rektor der Universität Leipzig Caspar Borner und signierte es an zentraler Stelle mit seiner Meistermarke.

Epitaph für Caspar Borner im Paulinum zu Leipzig

Epitaph für Caspar Borner im Paulinum zu Leipzig

Ab 1555 erscheint Paul Speck wieder fortwährend in den Leipziger Ratsrechnungen. In Leipzig setzte in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine Bauwelle ein. Wichtigste kommunale Bauten wurden neu errichtet bzw. grundlegend umgebaut. Maßgeblich beteiligt war der Bürgermeister und Baumeister Hieronymus Lotter. Unter Specks Leitung wurde 1555/56 die Ratswaage am Markt errichtet, 1555 mittlere Turm der Nikolaikirche gebaut, 1556 mit dem Umbau des (Alten) Rathauses begonnen.

Paul Speck erkrankte während der Bauarbeiten am Rathaus und verstarb im März 1557. Sein Nachfolger als Obermeister wurde Paul Widemann.

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Autor: Mirko Seidel am 9. Aug 2022 14:38, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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