Landkreis Nordsachsen

Torgau – Stadt der Renaissance

Marktplatz in Torgau

Marktplatz in Torgau

Torgau ist die Kreisstadt des Landkreises Nordsachsen. Die Stadt an der Elbe liegt nordöstlich von Leipzig (ca. 53 km). In der Stadt Torgau leben ca. 20.200 Einwohner.

Torgau war zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert Residenz der Wettiner. In dieser Zeit erlebte die Stadt eine Blüte. Zahlreiche stattliche Bürgerhäuser im Stil der Renaissance entstanden, die der Stadt Torgau den Namen „Stadt der Renaissance“ einbrachten.

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Geschichte

Urkundlich wird Torgau erstmals 973 erwähnt. Der Siedlungsplatz war aber wohl schon im 8./9. Jahrhundert von Slawen besiedelt. Der Ortsname leitet sich vom slawischen Turguo für Marktort ab. Kaiser Otto II. verlieh damals den Ort an das Erzbistum Magdeburg. Eine Burg dürfte bereits damals zur Sicherung der Furt durch die Elbe existiert haben. Aus einer Kaufmannssiedlung westlich der Burg entwickelte sich im 12. Jahrhundert die Stadt Torgau. Der Stadtgrundriss ist planmäßig im Rasterformat mit zentral gelegenem Marktplatz angelegt. Die Burg und die im späten 11. Jahrhundert gegründete Marienkirche lagen außerhalb der Stadt.
1561 bis 1565 wurde das Rathaus errichtet und in dieser Zeit die Stadt erweitert und mit dem Burgbezirk und der Marienkirche verbunden.

Seit 1131 gehörte Torgau zur Markgrafschaft Meißen. 1267 wird Torgau erstmals die civitas – als Stadt – bezeichnet. Befestigt wurde Torgau bereits im 13. Jahrhundert. Anfang des 14. Jahrhunderts soll eine erste Holzbrücke über die Elbe erbaut worden sein, die mit Baubeginn 1494 von einer steinernen Brücke ersetzt wurde.

Schloss Hartenfels und Elbmagazin

Schloss Hartenfels und Elbmagazin

Die Burg auf einem Porphyrfelsen an der Elbe wurde seit dem 2. Drittel des 15. Jahrhunderts von den sächsischen Kurfürsten als Schloss ausgebaut. Seit der Wettinischen Teilung 1485 diente das Schloss Hartenfels als Wohnsitz der ernestinischen Linie der Wettiner. Unter Kurfürst Johann Friedrich I. von Sahchsen (Friedrich der Großmütige) wird das Schloss zur Hauptresidenz. In dieser Zeit erfolgt der Ausbau des Schlosses, einschließlich des ersten protestantischen Kirchenneubaus. Bis in das 17. Jahrhundert war Schloss Hartenfels wichtige Residenz der Wettiner. In dieser Zeit wurden in der Stadt zahlreiche Wohngebäude im Stil der Renaissance erbaut, die das Bild Torgaus bis heute prägen.

Unter Napoleon wurde Torgau 1811 zur sächsischen Festung ausgebaut, nachdem bereits im 17. Jahrhundert die Stadtbefestigung verstärkt und ein befestigter Brückenkopf östlich der Elbe errichtet wurde. Nach dem Wiener Kongress fiel Torgau 1815 an Preußen. Die wirtschaftliche Entwicklung Torgaus setzte erst spät ein, als 1889 die Stadt entfestigt wurde.

Im April 1945 trafen sich an der Elbe bei Torgau amerikanische und sowjetische Truppen.

Stadtrundgang durch Torgau

Die Nummern in den eckigen Klammern finden Sie auf der Skizze des Rundgangs durch Torgau.

Torgau konnte seine Gestalt aus der Blütezeit der Stadt – der Renaissance – weitgehend bewahren. Nach der Schleifung der Stadtbefestigung entstand um die Altstadt eine Ringbebauung mit zum Teil stattlichen Villen.

Die Mohrenapotheke am Markt

Die Mohrenapotheke am Markt

Der Rundgang durch Torgau beginnt am Marktplatz [1]. Hier steht das Rathaus, das anstelle eines Vorgängerbaus 1563-1565 errichtet wurde. Mit der Mehlwaage, der Garküche, den Fleischbänken und dem Amtsgerichtsgebäude bildet es ein geschlossenes Quartier, das die Nikolaikirche umschließt.

Der Markt in Torgau besticht durch seine geschlossene und einheitlich wirkende Raum- und Fassadenstruktur. Am Markt steht auch die Mohrenapotheke, ein stattlicher Renaissancebau mit markanten Zwerchhäusern.

Stadtbefestigung unterhalb der Marienkirche

Stadtbefestigung unterhalb der Marienkirche

Durch die Bäckerstraße führt der Rundgang zur Straße Unter den Linden und der Gartenstraße. Hier steht der letzte erhaltene Teil der Torgauer Stadtbefestigung [2].
Von der Gartenstraße führt die Tour zur Wintergrüne. Hier steht die Ev. Marienkirche [3], eine gotische Hallenkirche mit romanischer Westturmfront. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das ehemalige Freigut [4].

Vor dem Eingang zum Schloss Hartenfels steht das Zeughaus [5], zwischen 1479 und 1538 errichtet, und 1877-1878 umgebaut.

Der Große Wendelstein im Hof des Schlosses Hartenfels

Der Große Wendelstein im Hof des Schlosses Hartenfels

Das Schloss Hartenfels [6] gehört zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern Deutschlands. Das aus einer Burg hervorgegangene Schloss war Residenz der Wettiner. Der unregelmäßige Schlosshof wird vollständig von Gebäuden gesäumt. Bedeutendstes Bauteil ist der Große Wendelstein am Johann-Friedrich-Bau.

Durch den Kapellenflügel des Schlosses Hartenfels gelangt man zur Elbe. Unterhalb des Schlosses, nahe der Elbebrücke steht das Denkmal der Befreiung [7], das an das Zusammentreffen von amerikanischen und sowjetischen Truppen im April 1945 erinnert. Wer die Elbe überquert, hat vom gegenüberliegenden Brückenkopf [14] einen schönen Blick auf die Elbaue und das Schloss Hartenfels.

Das Denkmal der Befreiung an der Elbe in Torgau

Das Denkmal der Befreiung an der Elbe in Torgau

Vorbei am Schloss führt der Stadtrundgang durch Torgau durch den Rosengarten [8], eine kleine Parkanlage, zur Leipziger Straße. In der Katharinenstra0e steht das Sterbehaus der Katharina von Bora [9].

Die Alltagskirche [10], die ehemalige Franziskanerkirche St. Peter und Paul, wurde nach 1490 begonnen. Heute dient sie als Veranstaltungsort.

Durch die Leipziger Straße, vorbei an den ehemaligen Fleischbänken, gelangt man zum Südring und zur August-Bebel-Straße [11]. Nach dem Niederlegen der Stadtbefestigung entstanden an den promenadenartigen Straßen stattliche historistische und Jugendstilvillen.

Kath. Kirche in Torgau

Kath. Kirche in Torgau

Am Karl-Marx-Platz steht die Katholische Pfarrkirche zur schmerzhaften Mutter Gottes [12]. Die dreischiffige Säulenbasilika wurde 1908 im Stil der rheinischen Romanik errichtet.

Durch die Goethestraße, Wittenberger Straße und Breite Straße gelangt man zurück zum Markt.

Der ehemalige Jugendwerkhof [13] gehört zu den dunklen Kapiteln in Stadtgeschichte von Torgau. In der DDR mussten hier Jugendliche unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten. Ein Museum zeigt dieses traurige Kapitel der Stadt.

Sehenswertes in Torgau

Die Ev. St. Marienkirche

Die Ev. St. Marienkirche

Ev. Marienkirche (Stadtkirche) [3]:

  • Gotische Hallenkirche,
  • romanische Westturmfront,
  • um 1200/1200 Neubau einer romanischen Kirche,
  • um 1380 Beginn des Neubaus von Schiff und Chor,
  • nach 1464 gewölbt,
  • polygonaler Langchor und Nebenchöre,
  • barocker Hauptaltar,
  • Grabplatte Herzogin Sophia von Sachsen (1503),
  • Grabstein Katharina von Bora (1552),
  • Die Stadtkirche kann besichtigt werden.

Die ehemalige Alltagskirche

Die ehemalige Alltagskirche

Ehem. Alltagskirche [10]:

  • Spätgotische Hallenkirche,
  • eingezogener Langchor,
  • um 1490 bis um 1520 erbaut,
  • Wölbung 1517,

Rathaus und Nikolaikirche [1]:

    Das Rathaus von Torgau

    Das Rathaus von Torgau

  • Rathaus:
  • 1563-1565 errichtet, 1577-1579 erweitert,
  • reich gestalteter Erker an der Südwestecke,
  • Nikolaikirche:
  • Pfeilerbasilika aus der Zeit um 1250,
  • seit 1466 profane Nutzungen,


Kath. Pfarrkirche [12]:

  • 1908 als dreischiffige Säulenbasilika errichtet,
  • Schmuckformen im Stil der rheinischen Romanik,
  • Buntglasfenster und steinerner Altar,

Schloss Hartenfels

Schloss Hartenfels

Schloss Hartenfels [6]:

  • am Standort einer Burg errichteter Schlossbau des 15. bis 18. Jahrhunderts (Albrechtsbau 1483-1485, Johann-Friedrich-Bau ab 1533, Wendelstein 1534, Kapellenflügel 1543-1544, Eingangsflügel 1620-1624, Flügel E 1791),
  • 973 erstmals als deutscher Burgward erwähnt,
  • Stadtseite unterschiedlich hervorspringende Fassadenteile, Zwerchhäuser, zwei Achtecktürme,
  • Schloss Hartenfels, Schlosshof

    Schloss Hartenfels, Schlosshof

  • Hauptportal mit Glockenturm und Wappen, Hofseite mit Treppenturm, rundbogige Pforte mit rustizierenden Gewänden,
  • Kapellenflügel: Vorhangbogenfenster, Zwerchhäuser, reich geschmückter Erker, Hofstubenbau mit Gesimsen,
  • Johann-Friedrich-Bau: gekoppelte Vorhangbogenfenster, Großer Wendelstein auf würfelförmigem Unterbau, offene, feingliedrige Konstruktion,
  • Schloss Hartenfels, Eingangsflügel

    Schloss Hartenfels, Eingangsflügel

  • Albrechtsbau: gekoppelte Vorhangbogenfenster, Zwerchhäuser, gotisches Portal, diamantgequaderte Konsolen, Hausmannstrum mit Loggien, umlaufende Galerie,
  • 1554 Weihe der Schlosskapelle als erster evangelischer Kirchenbau durch Martin Luther,

Freihof [4]:

  • erbaut Ende des 16. Jahrhunderts,
  • Freihof in Torgau

    Freihof in Torgau

  • Volutengiebel 17. Jahrhundert,

Zeughaus [5]:

  • 1479-1539 errichtet, 1877-1878 umfassend umgebaut,
  • Kartusche mit kursächsischem Wappen und Umrahmung,

Berühmte Torgauer

  • Friedrich der Weise (1463–1525, Kurfürst Friedrich III. von Sachsen zwischen 1486 und 1525),
  • Nikolaus von Amsdorf (1483–1565), Theologe und Reformator, erster lutherische Bischof Deutschlands,
  • Georg von Siemens (1839–1901), Gründungsdirektor der Deutschen Bank,

Weitere Informationen

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Stadt Torgau.

Bildergalerie Stadt Torgau

Skizze „Stadtrundgang durch Torgau“

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Autor: Mirko Seidel am 2. Aug 2014 15:39, Rubrik: Landkreis Nordsachsen, Sachsen, Stadtansichten, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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