Sachsen

Zentrum-Süd – das Wilhelminische Leipzig

Der Südgiebel des Bundesverwaltungsgerichtes am Pleißemühlgraben

Der Südgiebel des Bundesverwaltungsgerichtes am Pleißemühlgraben

Der Stadtteil Zentrum-Süd der Stadt Leipzig setzt sich aus der Inneren Südvorstadt und dem Musikviertel zusammen.

Das südliche Zentrum von Leipzig erstreckt sich zwischen der Windmühlenstraße und dem Elsterflutbett, dem Martin-Luther-Ring und dem Südplatz. Es wird geprägt vom Glockenturm der Peterskirche, dem Bundesverwaltungsgericht und den Hochschulgebäuden und Villen im Musikviertel. Der Floßplatz und der Pleißemühlgraben sind Zeugnisse der frühen Industriegeschichte der Stadt Leipzig.

Geschichte

Villen an der Karl-Tauchnitz-Straße

Villen an der Karl-Tauchnitz-Straße

Die Äußere Südvorstadt dürfte bereits seit dem späten Mittelalter bebaut gewesen sein. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gelangte das Gelände des Musikviertels durch Ankäufe und Stiftungen in den Besitz des Rates der Stadt Leipzig. Nach der Trockenlegung des Geländes setzte die Bebauung relativ spät ab 1887 an der Beethovenstraße ein. Das Musikviertel ist ein Wohnviertel mit luxuriösen Villen. Die Äußere Südvorstadt weist repräsentative Gebäude für Wissenschaft und Kultur- sowie die typische, gründerzeitliche Wohnbebauung auf.

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Die zentrumsnahen Gebiete am ehemaligen Königsplatz (heute Wilhelm-Leuschner-Platz) und rund um den JUstizpalast wurden im 2. Weltkrieg stark zerstört, darunter auch das Alte Gewandhaus, dessen Ruine 1968 gesprengt wurde.

Wohnbebauung aus den 1950er Jahren an der Windmühlenstraße

Wohnbebauung aus den 1950er Jahren an der Windmühlenstraße

An der Windmühlenstraße begann in den 1950er Jahren der Wiederaufbau. Die große Brachfläche zwischen Windmühlenstraße und Innenstadtring ist jedoch bis heute nicht wieder vollständig bebaut. Die südliche Windmühlenstraße wurde erst in den 1970er Jahren bebaut.

Eines der jüngeren Gebäude im Stadtteil Zentrum-Süd ist die 2015 eingeweihte Kath. Probsteikirche St. Trinitatis.

Das südliche Zentrum von Leipzig wird geprägt von Prachtbauten aus der Zeit des Kaiserreiches, wie dem Bundesverwaltungsgericht, der Bibliothek Albertina und der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Die Villen- und Wohnbebauung gehört zu den prachtvollsten in der Stadt. Die Nähe zum Johannapark, zum Clara-Zetkin-Park und zum Elsterbecken macht das südliche Zentrum von Leipzig zu einem attraktiven Wohnstandort.

Rundgang durch das Zentrum-Süd

Die Kath. Probsteikirche St. Trinitatis

Die Kath. Probsteikirche St. Trinitatis

Der Rundgang durch das Zentrum-Südost beginnt an der Kath. Probsteikirche [1] und führt über den Wilhelm-Leuschner-Platz zur Kreuzung Peterssteinweg/Windmühlenstraße. Dort steht das Polizeirevier Mitte [2], ein historistischer Bau mit stark gegliederter Fassade, der zum Komplex des Landgerichtes und der Staatsanwaltschaft gehört. In der Windmühlenstraße befindet sich die Stadtbibliothek [3], das ehemalige Alte Grassimuseum, das im 2. Weltkrieg stark beschädigt und bis auf die Dachlandschaft wieder aufgebaut wurde.

Die Bebauung der Windmühlenstraße stammt zum größten Teil aus den 1950er Jahren und repräsentiert die erste Bauphase in der DDR. Durch einen Durchgang gelangt man zur Härtelstraße [4]. In der Härtelstraße stehen das Grassi-Textilmessehaus, 1924 bis 1925 erbaut, ein Putzbau mit kräftiger Vertikalbetonung durch Porphyr-Wandpfeiler und mit der Hausnummer 23 ein besonders repräsentativer Wohnbau.

Die Ev. Peterskirche

Die Ev. Peterskirche

Von der Härtelstraße gelangt man zum Peterssteinweg. Hier sind besonders die beiden Eckgebäude Peterssteinweg/Härtelstraße sowie das dreiflügelige Wohnhaus Petersstraße 10/Münzgasse sehenswert.

Der Riemannstraße nach Osten folgend, gelangt man zur Ev. Peterskirche [5], der bedeutendsten historistischen Kirche Leipzigs. 1882 bis 1885 wurde sie als Ersatz für die Peterskirche in der Innenstadt von August Hartel, Konstantin Lipsius und Friedrich von Schmidt erbaut. Die Peterskirche ist ein stark gegliederter Sandsteinbau mit eingezogenem Chor mit 5/8-Schluss und Doppelturmfront sowie Glockenturm.

Die Karl-Liebknecht-Straße führt zum Südplatz. Auf der westlichen Straßenseite steht das Haus der Deutschen Handlungsgehilfen, ein zwischen 1914 und 1917 erbauter, viergeschossiger Monumetalbau mit mächtiger Kuppel und reichem Dekor. Das unweit stehende Volkshaus wurde 1904 bis 1906 erbaut und nach einem Brand 1921 bis 1923 in seiner heutigen Form wieder aufgebaut.
An der Ecke Niederkirchnerstraße befindet sich die Leipziger „Löffelfamilie“, eine Leuchtwerbung des „VEB Feinkost Leipzig“, die vor allem nachts, wenn die beleuchteten Figuren ihre Arme bewegen, eine Sehenswürdigkeit ist.

Wohnhaus an der Dufourstraße

Wohnhaus an der Dufourstraße

Der Südplatz [6] war die einstige südliche Grenze der Stadt Leipzig. Hier wurden die Waren in die Stadt kontrolliert. Geblieben ist davon ein dreiecksförmiger Platz mit reich geschmückten Fassaden.

Vom Südplatz führt der Rundgang durch das Zentrum-Süd durch die Körnerstraße zur August-Bebel-Straße/Dufourstraße [7]. Im Gegensatz zur Blockrandbebauung in der südlichen Vorstadt und der Südvorstadt ist die Bebauung in der August-Bebel-Straße aufgelockert und wird von reich dekorierten, villenartigen Wohnhäusern geprägt. Besonders sehenswert ist das Eckgebäude Dufourstraße/Mahlmannstraße mit seiner Neorenaissancefassade.

Der Rundgang durch das Zentrum-Süd führt nun zum Floßplatz [8]. Einst angelegt, um die Holzscheide aus dem Elsterfloßgraben zu bergen und zu stapeln, wurde er im späten 19. Jahrhundert repräsentativ bebaut.

Die Universitätsbibliothek Albertina

Die Universitätsbibliothek Albertina

Bis zum Gebäude des Bundesverwaltungsgerichtes [9] sind es nur wenige Schritte. 1888 bis 1895 wurde das Gebäude von Ludwig Hoffmann und Peter Dybwad erbaut. Sein Haupteingang mit korinthischem Portikus prägt den davor gelegenen Platz mit dem wieder geöffneten Pleißemühlgraben.

Hinter dem Bundesverwaltungsgericht steht die Universitätsbibliothek Albertina [10]. Sie wurde 1887 bis 1891 von Arwed Roßbach erbaut und ist ein großer Baukomplex mit fünfzehnachsiger Sandsteinfassade mit Mittel- und Seitenrisaliten, rustiziertem Erdgeschoss und darüber korinthischen Kolossalpilastern.

Eines der prächtigsten Wohnhäuser Leipzigs ist das Gebäude Beethovenstraße 8 [11], das 1892 bis 1893 von Arwed Roßbach erbaut wurde.

Die Hochschule für Grafik und Buckunst (heute HTWK)

Die Hochschule für Grafik und Buckunst (heute HTWK)

Zwei weitere repräsentative Bauten der wilhelminischen Zeit sind die Hochschule für Musik in der Grassistraße und die ehem. Technische Hochschule in der Wächterstraße [12]. Die Hochschule für Musik wurde 1885 bis 1887 als Königliches Konservatorium von Hugo Licht erbaut, der 1889 bis 1890 auch die Technische Hochschule schuf. In der Wächterstraße stehen drei repräsentative Villen (Nr. 30, 32 und 34).

Durch die Wilhelm-Seyfferth-Straße gelangt man zur Karl-Tauchnitz-Straße [13] mit ihren prächtigen Villen. Der Rundgang durch das Musikviertel folgt der Karl-Tauchnitz-Straße vorbei am Johannapark und am Clara-Zetkin-Park zur Haydnstraße und zur Schwägrichenstraße [14]. Die Straße wird zwischen Haydnstraße und Mozartstraße von sehr repräsentativen Wohnhäusern geprägt.

Schwägrichenstraße

Schwägrichenstraße

Durch die Mozartstraße gelangt man zum Simsonplatz [15]. Über den Simsonplatz fließt der Pleißemühlgraben. Der als Grünfläche gestaltete Platz wird eingerahmt vom Bundesverwaltungsgericht und einer Mischung aus historistischen und modernen Wohngebäuden. Am Pleißemühlgraben steht ein Denkmal für Felix-Mendelssohn-Bartholdy, der an die Stelle schaut, an der bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg und der Sprengung 1968 das Alte Gewandhaus stand, seine einstige Wirkungsstätte.

Am Simsonplatz endet der Rundgang durch das Zentrum-Süd von Leipzig.

Sehenswertes im Zentrum-Süd

Stadtbibliothek Leipzig (Altes Grassimusem)

Stadtbibliothek Leipzig (Altes Grassimusem)

Kath. Probsteikirche St. Trinitatis [1] (Nonnenmühlgasse): 2012 bis 2015 als Ersatz für die im 2. Weltkrieg zerstörte Probsteikirche und den DDR-Interimsbau auf dreieckigem Grundriss mit Innenhof und Glockenturm errichtet,

Stadtbibliothek (Altes Grassimuseum) [3] Wilhelm-Leuschner-Platz): 1892 bis 1895 erbaut von Hugo Licht, reich dekorierte Fassade mit Balusterabschluss und korinthischer Kolossalordnung, Dach im 2. Weltkrieg zerstört,

Grassi-Textilmessehaus: [4] (Härtelstraße 16): 1924 bis 1925 erbaut, Putzbau mit kräftiger Vertikalbetonung durch Porphyr-Wandpfeiler,

Haus der deutschen Handlungsgehilfen

Haus der deutschen Handlungsgehilfen

Ev. Peterskirche [5] (Gaudigplatz): neogotische Hallenkirche, erbaut von August Hartel und Konstantin Lipsius unter Mitwirkung des Wiener Dombaumeisters Friedrich von Schmidt, 1882 Grundsteinlegung, 1885 Weihe, reich gestalteter Sandsteinbau mit eingezogenem 5/8-Chor, Doppelturmfront, Hauptportal mit vorgesetztem, offenen Triangel, darüber Spitzbogenfenster mit Maßwerkrosette, seitlicher Glockenturm, drei Rundkapellen, dreischiffige Halle, aufwändiger Altar, Orgelprospekt von Sauer, Orgel von Jahn aus der Paulinerkirche

Haus der Deutschen Handlungsgehilfen: (Karl-Liebknecht-Straße 8-12), 1914 bis 1917 erbaut, viergeschossiger Bau mit mächtiger Kuppel und reichem Dekor,

Volkshaus (Karl-Liebknecht-Straße 30/32): 1904 bis 1906 von Oskar Schade erbaut, 1920 zerstört, 1921 bis 1923 Wiederaufbau, neuromanischer Sandsteinbau mt Turm

Hochschule für Musik

Hochschule für Musik

Bundesverwaltungsgericht: [9] (Simsonplatz): 1888 bis 1895 von Ludwig Hoffmann und Peter Dybwad erbaut, mehrflügeliger Komplex mit Auffahrt zum Haupteingang, korinthischer Portikus

Universitätsbibliothek: [10] (Beethovenstraße 6): 1887 bis 1891 von Arwed Roßbach erbaut, fünfzehnachsige Sandsteinfassade mit Mittel- und Seitenrisaliten, rustiziertes Erdgeschoss, darüber korinthische Kolossalpilaster, Mittelrisalit betont durch kolossale Säulen,

Hochschule für Grafik und Buchkunst [12]: (Wächterstraße 11), erbaut 1887 bis 1890 als Königliche Kunstakademie, gelber Klinkerbau mit reicher Sandsteindekorierung (teilweise zerstört), dreiteilige Portalanlage mit Säulenportikus

Denkmal für Felix-Mendelssohn-Bartholdy am Pleißemühlgraben

Denkmal für Felix-Mendelssohn-Bartholdy am Pleißemühlgraben

Hochschule für Musik [12]: (Grassistraße 8), ehem. Königliches Konservatorium für Musik, fünfzechnachsiger Sandsteinbau mit Mittelrisalit, 1885 bis 1887 von Hugo Licht erbaut,

Denkmal für Felix Mendelssohn-Bartholdy: Bronzekopf auf Stele, 1947 von Walter Arnold geschaffen

Pferderennbach Scheibenholz: 1908 von Otto Paul Burghardt erbaut

Sehenswerte Wohnhäuser:

    Wohnhaus Härtelstraße 23

    Wohnhaus Härtelstraße 23

  • Beethovenstraße 8 [11]: 1892 bis 1893 von Arved Roßbach errichtet,
  • Emilienstraße 18: 1853 erbaut,
  • Grassistraße 1: Villa Polz, 1897 bis 1898 erbaut im Stil der italienischen Renaissance,
  • Härtelstraße 23 [4]: 1906 von Paul Möbius errichtet,
  • Karl-Tauchnitz-Straße 1 [13]: historistische Villa, 1898 bis 1899 von Max Pommer errichtet,
  • Villa Wächterstraße 32

    Villa Wächterstraße 32

  • Karl-Tauchnitz-Straße 2 [13]: neoklassizistische Villa, 1903 bis 1904 erbaut,
  • Karl-Tauchnitz-Straße 3 [13]: historistische Villa, 1897 von Max Pommer errichtet,
  • Karl-Tauchnitz-Straße 6 [13]: Villa Harck, 1895 bis 1896 von Max Pommer entworfen,
  • Karl-Tauchnitz-Straße 8 [13]: Villa Reißig, 1893 bis 1894 von Max Pommer errichtet,
  • Villa Karl-Tauchnitz-Str. 9-11

    Villa Karl-Tauchnitz-Str. 9-11

  • Karl-Tauchnitz-Straße 10 [13]: Villa, 1896 bis 1898 von Peter Dybwad errichtet,
  • Karl-Tauchnitz-Straße 11 [13]: Villa Herfurth, 1892 bis 1894 von Karl Weichardt und Bruno Eelbo errichtet,
  • Karl-Tauchnitz-Straße 21 [13]: Villa, Max Hasak, 1889 bis 1890 nach Plänen von Max Hasak errichtet,
  • Karl-Tauchnitz-Straße 23 [13]: Villa Brandstetter, 1890 von Max Pommer errichtet,
  • Villa Karl-Tauchnitz-Str. 21

    Villa Karl-Tauchnitz-Str. 21

  • Karl-Tauchnitz-Straße 25 [13]: Villa, 1889 bis 1890 von Curt Nebel errichtet,
  • Peterssteinweg 10: 1873 bis 1874 erbaut,
  • Schwägrichenstraße 11 [14]: 1894 bis 1895 Otto Brückwald erbaut,
  • Schwägrichenstraße 13 [14]: 1894 bis 1895 von Ernst Riedel erbaut,
  • Schwägrichenstraße 15 [14]: Stadtpalais, 1894 bis 1895 von August Hermann Schmidt und Arthur Johlige erbaut,
  • Wohnhaus Schwägrichenstraße

    Wohnhaus Schwägrichenstraße

  • Schwägrichenstraße 23: Villa, 1898 bis 1899 von Peter Dybwad erbaut,
  • Wächterstraße 30 [12]: Villa Tillmanns, 1898 bis 1899 von Bruno Eelbo erbaut,
  • Wächterstraße 32 [12]: Villa Seemann, 1909 bis 1910 von Fritz Drechsler erbaut,
  • Wächterstraße 34 [12]: Villa Giesecke, 1907 bis 1908 von Carl William Zweck erbaut,

Bildergalerie Leipzig, Zentrum-Süd

Skizze zum Rundgang durch das Zentrum-Süd von Leipzig

Quelle:
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1998,
Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, PRO LEIPZIG e.V., 2005

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Autor: Mirko Seidel am 27. Sep 2016 15:47, Rubrik: Sachsen, Stadt Leipzig, Stadtansichten, Zentrum, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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