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Leipziger Persönlichkeiten – Johann Wolfgang Goethe in Leipzig

Johann Wolfgang Goethe als Fünfzehnjähriger

Johann Wolfgang Goethe als Fünfzehnjähriger

Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe, wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Der Sohn aus einer angesehenen bürgerlichen Familie und seine Schwester Cornelia erfuhren eine aufwendige Ausbildung durch Hauslehrer. 1765 kam Goethe als sechszehnjähriger auf Wunsch seines Vaters als Jurastudent nach Leipzig.

Goethe kam früh in Kontakt mit Literatur durch die Gutenachtgeschichten seiner Mutter und mit der Bibellektüre in seiner frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von seiner Großmutter ein Puppentheater geschenkt. Erste Ansätze seiner literarischen Begabung bewies der junge Goethe auch mit seinen, nach eigener Aussage „aufschneiderischen Anfängen“, wunderliche Märchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Goethes Vater besaß eine Bibliothek von rund 2.000 Bänden. So lernte Johann Wolfgang Goethe schon als Kind unter anderem das Volksbuch vom Dr. Faust kennen.

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Im Gegensatz zu seiner eher konservativen Heimatstadt Frankfurt, das damals noch keine eigene Universität hatte, war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt, die den Spitznamen Klein-Paris trug. Goethe wurde in Leipzig wie jemand behandelt, der aus der Provinz kam und musste sich zunächst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von den Leipziger Bürgern akzeptiert zu werden. Goethe sah die wohlhabende Messestadt Leipzig mit ihren großen Handelshöfen. Er war beeindruckt und bezeichnete die Höfe als „Halbstädte, ja Burgen, ihr Gesicht nach beiden Seiten wendend“.

Goethes Vater stattete seinen Sohn mit einem monatlichen Wechsel von 100 Gulden aus (ca. 1.000 sächsische Taler, heute ca. 6.000 Euro). Damit verfügte der Student Goethe über doppelt so viel Geld, wie ein Student selbst an den teuersten Universitäten damals benötigte.

Das haus Große Feuerkugel in Leipzig

Das haus Große Feuerkugel in Leipzig

Johann Wolfgang Goethe wohnte in Leipzig in einem Hofgebäude des Hauses Große Feuerkugel am Neumarkt (nicht erhalten). Während der Leipziger Messe mussten die Studenten ihre Unterkunft für die Händler räumen und Goethe zog zur Messezeit in den Kuchengarten in Reudnitz. Von Goethes Aufenthaltern in Reudnitz ist das Gedicht über den Wunderbäcker Samuel Händel erhalten.

Von seinem Vater wurde Goethe dem Professor für Geschichte und Staatsrecht, Johann Gottlob Böhme, anvertraut und dieser hatte Goethe den gewünschten Wechsel des Studienfachs untersagt. Bald begann Goethe sein Studium zu vernachlässigen. Er besuchte Poetikvorlesungen von Christian Fürchtegott Gellert. Studenten konnten ihre schriftstellerischen Versuche Gellert vorlegen. Gellert nahm Verse ungern an und reichte Goethes poetische Versuche gleich an seinen Stellvertreter weiter, der davon wenig hielt.

Friederike Oeser

Friederike Oeser

Bei Adam Friedrich Oeser setzte Johann Wolfgang Goethe seinen in Frankfurt begonnen Zeichenunterricht fort. Oeser war 1764 Gründungsdirektor der Leipziger Kunstakademie und förderte Goethes Kunstverständnis und künstlerisches Urteilsvermögen. In einem Dankesbrief aus Frankfurt schrieb Goethe an Oeser, er habe bei ihm mehr gelernt als in all den Jahren an der Universität. Auf Oesers Empfehlung besuchte Goethe im März 1768 die Gemäldegalerie in Dresden. Goethe schloss Freundschaft mit Oesers Tochter Friederike Elisabeth. Nach seiner Leipziger Zeit schrieben sich die beiden noch einige Jahre Briefe.

Beim Kupferstecher Johann Michael Stock im Silbernen Bären erlernte Goethe in seiner Leipziger Studentenzeit die Techniken des Holzschnitts und der Radierung. Goethe genoss seine Freiheiten fern dem Elternhaus. Er besuchte Theateraufführungen von Johann Christoph Gottsched, verbrachte die Abende mit Freunden oder unternahm Ausflüge in das Pleiße- und Elstertal, zum Landgut des Buchhändlers Reich in Sellerhausen, zum Landsitz Oesers in Dölitz und zum Forsthaus Raschwitz. In Leipzig lernte Johann Wolfgang Goethe seine erste ernsthafte Liebe kennen – Katharina Schönkopf. Katharina Schönkopf war Tochter eines Wirtshausbesitzers, in das Goethe regelmäßig einkehrte. Katharina wollte Goethe ehelichen, obwohl sie älter war als er. Doch Goethes rasende Eifersucht führte nach zwei Jahren zur Auflösung der Verbindung.

Anna Katharina Schönkopf

Anna Katharina Schönkopf

Die Gefühlsaufwallungen beeinflussten Goethes Schreibstil, Hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des Rokoko verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stürmischer. Eine Sammlung von 19 anakreontischen Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch Annette, gewidmet Anna Katharina Schönkopf. Eine kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel „Neue „Lieder als erstes Werk von Johann Wolfgang Goethe gedruckt.

Unweit der Großen Feuerkugel befindet sich Auerbachs Keller, den Goethe häufig besuchte. Beeinflusst von seinen Kindheitserinnerungen an den Dr. Faust ließ sich Goethe in Auerbachs Keller zu seinem Lebenswerk inspirieren.

Goethe-Denkmal Leipzig

Goethe-Denkmal Leipzig

Im Juli 1768 erlitt Goethe einen schweren Blutsturz als Folge einer tuberkulösen Erkrankung. Der Leipziger Arzt Georg Christian Reichel konnte ihn erfolgreich behandeln. Wieder halbwegs genesen, kehrte Goethe August 1768 zur Enttäuschung seines Vaters ohne akademischen Abschluss ins Frankfurter Elternhaus zurück.

Johann Wolfgang von Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar.

In Leipzig wurde nach ihm die Straße zwischen Augustusplatz und Bahnhof benannt. Auf dem Naschmarkt schuf der Bildhauer Carl Seffner 1902 ein Denkmal des jungen Goethe. Am Sockel des Denkmals befinden sich Bildnismedaillons von Friederike Oeser und Katharina Schönkopf.

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Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6f/Goethe_1765.jpg;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/52/Leipzig_Feuerkugel_1722.jpg;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ac/Friederike_Oeser.jpg;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/15/Annakatharinaschoenkopf.png

Quelle:
www.wikipedia.de
Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Pro Leipzig, 2005

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Autor: Mirko Seidel am 30. Apr 2022 15:03, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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