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Leipziger Persönlichkeiten – Johann Kuhnau

Johann Kuhnau

Johann Kuhnau

Johann Kuhnau wurde am 6. April 1660 in Geising im Erzgebirge geboren. Seine Familie stammte aus Böhmen, welches der Großvater wegen der Gegenreformation verlassen musste. Drei Söhne der Familie Kuhnau wurden Musiker – außer Johann waren dies der älteste Sohn Andreas Kuhnau (1657 bis 1721), der als Kantor in Weesenstein, Groitzsch und St. Annaberg tätig war, und Gottfried Kuhnau (1674 bis 1736), der Kantor in Johanngeorgenstadt wurde.

1682 siedelte Kuhnau nach Leipzig über zum Studium der Rechtswissenschaft. Johann Kuhnau bewarb sich um die Organistenstelle an der Thomaskirche, wurde aber zunächst abgelehnt. Die Stele bekam Gottfried Kühnel, nach dessen Tod 1684 entschied sich der Leipziger Stadtrat für Kuhnau. Grund dafür war, dass Kuhnau anlässlich der Rückkehr von Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen aus der Schlacht bei Wien gegen die Türken im Herbst 1683 ein mehrchöriges, allegorisches Dramma per musica komponiert und als Freiluftmusik aufgeführt hatte.

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Der Musikwissenschaftler Friedrich Wilhelm Riedel bemerkte 1960, dass sich Kuhnau damit „einen ungemeinen Kredit verschafft, den er unter seinesgleichen in der Musik nicht hätte“. Nach dem Tod des Thomaskantors Johann Schelle 1701 wurde Johann Kuhnau dessen Nachfolger und Vorgänger von Johann Sebastian Bach, weiterhin wurde er Universitäts-Musikdirektor.

Neben seiner Tätigkeit an der Thomaskirche und an der Nikolaikirche in Leipzig besorgte Kuhnau als Director chori musici auch die Musik für die großen Oratorien und die anderen Feierlichkeiten an der Universitätskirche St. Pauli. Ab 1711 fanden in der Paulinerkirche regelmäßig Sonntagsgottesdienste statt, weiterhin auch an der Peterskirche, an hohen Festtagen zusätzlich noch an der Johanniskirche. Kuhnau soll für all diese Anlässe die Kompositionen selbst geschrieben und nur in geringem Maße die Werke anderer Autoren verwendet haben.

In die Amtszeit von Johann Kuhnau fällt eine größere Anzahl festlich begangener Anlässe, so 1704 die Einweihung des anatomischen Theaters der Universität, 1706 der Friedensschluss zwischen Schweden und Sachsen, 1709 das dreihundertjährige Jubiläum der Universität und 1717 die Zweihundertjahrfeier der Reformation. Konkurrenz bekam Johann Kuhnau mit der Eröffnung des Leipziger Opernhauses und der Gründung eines Collegium musicum durch Georg Philipp Telemann. Kuhnaus alleinige Autorität wurde untergraben und er verlor auch die für größere Aufführungen notwendigen Studenten. Telemann wurde 1704 Organist und Musikdirektor an der Leipziger Neukirche. Bürgermeister Franz Conrad Romanus beauftragte Georg Philipp Telemann, alle vierzehn Tage Kirchenkompositionen für die Thomaskirche zu liefern. Alle Proteste Kuhnaus blieben ungehört.

Johann Friedrich Fasch, früherer Schüler von Kuhnau, gründete 1707 ein weiteres Collegium musicum und versuchte, die Gottesdienstgestaltung an der Paulinerkirche übertragen zu bekommen. Kuhnau bestand auf seinem Recht. Fasch verließ Leipzig 1711. Die Disziplin der Schüler an der Thomasschule verschlechterte sich und Johann Kuhnau versuchte in mehreren Denkschriften, Reformversuche in die Wege zu leiten, stieß auf Interesselosigkeit seitens des Leipziger Rates. Die andauernden Reibereien zermürbten Kuhnau.

Zu den Schülern Kuhnaus sind außer Johann Friedrich Fasch noch zu nennen Johann David Heinichen und Christoph Graupner. Georg Friedrich Händel und Johann Mattheson schätzten die Klavierwerke Kuhnaus geschätzt. Georg Philipp Telemann äußerte, dass er den Kontrapunkt hauptsächlich durch das Studium von Kuhnaus Werken gelernt habe. Auch Johann Sebastian Bach, mit dem Kuhnau 1716 gemeinsam die Orgel-Abnahme in der Liebfrauenkirche zu Halle vollzog, war vom Wirken seines Amtsvorgängers beeinflusst.

Johann Kuhnau starb am 5. Juni 1722 in Leipzig.

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Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Kuhnau#/media/Datei:Johann_Kuhnau.jpg

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Autor: Mirko Seidel am 4. Aug 2022 15:51, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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