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Mit dem Rad durch den Landkreis Leipzig

Östlich der Mulde zwischen Wurzen, dem Wermsdorfer Wald und Grimma

Die Pöppelmannbrücke über die Mulde in Grimma

Die Pöppelmannbrücke über die Mulde in Grimma

Am 09. März 2014 startete ich zu meiner zweiten Radtour. Wieder ging es an die Mulde. Ziel war das Gebiet östlich der Mulde zwischen Wurzen, dem Wermsdorfer Wald und Grimma.

Das überwiegend landwirtschaftlich genutzte Gebiet wird im Westen durch das Muldetal begrenzt, im Osten durch den ausgedehnten Wermsdorfer Waldes, der schon den sächsischen Kurfürsten als Jagdgebiet diente.

Dehnitz, wüste Kirche Sellnitz

Dehnitz, wüste Kirche Sellnitz

Mein Startpunkt war Wurzen. Ich habe die Stadt aber nicht besucht, sondern mich gleich aufs Fahrrad gesetzt und bin über Dehnitz auf dem Muldetalbahnradweg zur Wüstung Sellnitz gefahren. Das Dorf Sellnitz (auch Söllnitz) ist vermutlich beim Hussiteneinfall 1429/1430 eingegangen. Von der kleinen Kirche sind die Grundmauern bis heute sichtbar geblieben.

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Die Kirche in Nemt war das nächste Ziel. Die Saalkirche wurde zwar mehrfach verändert, konnte ihren romanischen Ursprung aber bewahren.

Die Kirche in Kühren

Die Kirche in Kühren

Im Gebiet östlich der Mulde gibt es keine Radwege. Hier müssen Straßen benutzt werden, die aber nur wenig befahren sind. Das Rittergut in Mühlbach steht am großen Mühlteich. Das schlichte Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde vermutlich 1726 barock überformt. Die Gebäude des Wirtschaftshofes sind saniert. Das Rittergut Mühlbach befindet sich heute wieder in privatem Besitz.
Nächstes Ziel meiner Radtour in Richtung Wermsdorfer Wald war Kühren mit seiner Kirche. Im Jahr 1348 wird erstmals eine Kirche in Kühren erwähnt. Im späten 18. Jahrhundert erhielt sie ihre heutige Gestalt.

Sachsendorf, Inspektorenhaus des Rittergutes

Sachsendorf, Inspektorenhaus des Rittergutes

Bevor ich in den Wermsdorfer Wald erreichte, habe ich Sachsendorf noch einen Besuch abgestattet. Die romanische Kirche in Sachsendorf wurde im 17. bis 19. Jahrhundert mehrfach umgebaut.

In Sachsendorf gab es auch ein Rittergut mit einem stattlichen barocken Herrenhaus. Das Herrenhaus wurde nach der Bodenreform abgerissen, ebenso die Wirtschaftsgebäude. Erhalten blieben nur das Inspektorenhaus, ein pittoresk anmutender Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, sowie ein Wohnhaus.

Burg in der Wüstung Nennewitz

Burg in der Wüstung Nennewitz

Schließlich habe ich den Landkreis Leipzig verlassen und den Wermsdorfer Wald im Landkreis Nordsachsen erreicht. Am Rand des Wermsdorfer Waldes liegt die Wüstung Nennewitz. In dem Dorf gab es eine kleine Burg und eine Kirche. Beide Gebäude wurden archäologisch ergraben und ihre Grundrisse wieder sichtbar gemacht. Der Wermsdorfer Wald ist aber nicht nur siedlungsgeschichtlich interessant. Das ausgedehnte Waldgebiet mit seinen Teichen lädt zum Wandern und Erholen ein.

Viel Zeit blieb mir nicht, Natur und Landschaft des Wermsdorfer Waldes zu genießen. Das Herrenhaus in Wäldgen wartete schon auf mich.

Herrenhaus des Rittergutes in Wäldgen

Herrenhaus des Rittergutes in Wäldgen

Hans Christian von Döring ließ 1728 ein stattliches barockes Herrenhaus mit Altan und Freitreppe errichten. Nach 1945 wurde das Haus als Schule genutzt und nach 1990 aufgegeben. Seitdem ist das Herrenhaus in Wäldgen dem Verfall preisgegeben und zu einer Ruine geworden. Auch die meisten Wirtschaftsgebäude des Rittergutes Wäldgen sind in einem schlechten Zustand. Wäldgen gehört wohl zu den Rittergütern, die in den nächsten Jahren verschwinden werden.

Die Kirche in Burkartshain

Die Kirche in Burkartshain

So machte ich mich auf den Weg nach Burkartshain. Hier wollte ich die Kirche besichtigen. Die Chorturmkirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Mehrfach überformt, zeigt die Kirche in Burkartshain heute ein schlichtes barockes Antlitz. Ich wollte Burkartshain schon wieder verlassen, als mit hinter der Kirche ein großes Gebäude mit Tordurchfahrt auffiel. Neugierig ging ich um das Haus und hatte das mir bis dahin nicht bekannte Rittergut entdeckt. Das Herrenhaus wurde 1832 im Stil des Klassizismus erbaut. Einst zierten es Ecktürmchen. Nach der Bodenreform wurden diese abgerissen und das Haus um ein Stockwerk erhöht. Der Wirtschaftshof wurde weiter bebaut. Die meisten Gebäude stehen heute leer und das Rittergut Burkartshain macht einen trostlosen Eindruck.

Rittergut Obernitzschka

Rittergut Obernitzschka

Ich radelte zurück auf den Muldetalbahnradweg nach Nitzschka. Dem Herrenhaus des Rittergut Obernitzschka wurde das Schicksal vieler Herrenhäuser in Ostdeutschland nach der Bodenrefom zu teil – es wurde 1946 abgerissen. Erhalten blieb nur das Kellergeschoss.
Das Rittergut Obernitzschka steht am Ufer der Mulde. Es war terrassiert angelegt, der obere Hof mit dem Herrenhaus und dem Blick auf die Kirche, der untere Hof mit den Wirtschaftsgebäuden. Zwischen beiden Höfen stand die Schmiede, ein stattlicher Bau mit toskanischen Säulen. 2007 brannte die Schmiede ab, erhalten blieb nur das Erdgeschoss. Das Rittergut Obernitzschka wird heute von einem sozialen Verein genutzt und unterhalten.

Direkt neben dem Rittergut steht die Lucaskirche von Nitzschka. Der Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert wurde im 17. und 18. Jahrhundert barock überformt.

Die Kirche in Neichen

Die Kirche in Neichen

Meine nächste Station war die Kirche in Neichen – der Höhepunkt meine Radtour. Bevor im 13. Jahrhundert die Kirche in Neichen erbaut wurde, stand an dieser Stelle bereits eine Stabbohlenkirche. Die romanische Chorturmkirche erhielt 1517 einen gotischen Chor, der gegenüber dem Schiff deutlich erhöht ist und die Ansicht des Kirchenbaus prägt. Ein höherer Chor machte auch einen höheren Turm erforderlich, der um 1700 ausgeführt wurde.

Mein Ziel Grimma rückte näher. In der Stadt an der Mulde interessierte ich mich vor allem für das Stadtgut mit seinem um 1250 erbauten Wohnturm. Der kleine Turm ist ein Zeugnis der hochmittelalterlichen Stadt und erzählt die Geschichte, wie sich deutsche Siedler an der Grenze zum slawischen Siedlungsraum schützten.

Mein Ziel war erreicht und die Bahn brachte mich zurück nach Leipzig.

Tourverlauf

Nitzschka, Ev. Lucaskirche

Nitzschka, Ev. Lucaskirche

  • Wurzen, Bahnhof,
  • Dehnitz,
  • Wüstung Sellnitz,
  • Nemt,
  • Mühlbach,
  • Kühren,
  • Sachsendorf,
  • Wüstung Nennewitz,
  • Grimma, Wohnturm des Stadtgutes

    Grimma, Wohnturm des Stadtgutes

  • Wäldgen,
  • Burkhartshain,
  • Nitzschka,
  • Neichen,
  • Grimma,

Länge der Radtour

  • ca. 50 km

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