Geschichte & Geschichten

Architektur der Jahrhunderte in Leipzig – Barock

Romanushaus Leipzig

Romanushaus Leipzig

Barock, im 19. Jahrhundert ein Schimpfwort, bezeichnet nicht nur einen Bau- und Kunststil. Barock bezeichnet auch ein Lebensgefühl, das im 18. Jahrhundert in den Kreisen des Adels und des wohlhabenden Bürgertums von Fülle, Überschwänglichkeit und der Darstellung von Macht und Reichtum geprägt war. Nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und der Pest erholte sich das schwer gebeutelte Kurfürstentum Sachsen langsam wieder.

Die Zeit des Barocks ist in Sachsen die Zeit Kurfürst Friedrich Augusts I., genannt August der Starke. Das 18. Jahrhundert kann auch als die zweite Blütezeit Sachsens angesehen werden. Wirtschaftliche Stärke, Kunst und Kultur prägen dieses Zeitalter. Das barocke Dresden entsteht. Leipzig wird zum wichtigsten Messeplatz im Heiligen Römischen Reich.

Auch das Bild der Handelsstadt Leipzig wandelt sich in dieser Zeit. Jedoch weniger, als in der Residenzstadt Dresden. Bürgerhäuser aus der Renaissance erhalten barocke Fassade. Es entstehen etwa 20 große Handelshöfe. Prächtige öffentliche Bauten entstehen kaum. Die Alte Handelsbörse am Naschmarkt und die ehem. Ratsbibliothek am Gewandgässchen sind Bauten aus dieser Zeit.

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Alte Handelsbörse am Naschmarkt

Alte Handelsbörse am Naschmarkt

Vom Typus eher an einen italienischen Palazzo erinnernd, die Fassadengestaltung dem niederländischen Barock entlehnt zeigt die Alte Börse, dass sich in Sachsen 1678 noch keine eigene Formensprache entwickelt hatte. Das sollte sich rasch ändern. Das 1703 eingeweihte Romanushaus an der Ecke Brühl/Katharinenstraße gehört zu den prächtigsten Bürgerhäusern der Stadt, die den 2. Weltkrieg überstanden haben. An der Fassade des Romanushauses zeigt sich, was den sächsischen Barock ausmacht – es gibt defacto keine Fläche, die nicht gestaltet ist. Die Katharinenstraße avancierte im 18. Jahrhundert zu prächtigsten Straße Leipzigs. Zahlreiche barocke Bürgerhäuser entstanden. Erhalten blieben nur wenige.

Ehem. Ratsbibliothek Leipzig

Ehem. Ratsbibliothek Leipzig

Die 1755 eingeweihte Ratsbibliothek im Gewandgässchen ist in ihren Bauformen zurückhaltender. Das Gebäude wurde im Krieg stark beschädigt, nach dem Krieg nur notdürftig gesichert und so schadhaft, dass es nach 1990 abgerissen und originalgetreu wiederaufgebaut wurde.

Eine prächtige Stadtkirche bauen sich die Leipziger Bürger nicht. Sie statten die Thomaskirche neu und prächtig aus – davon ist heute nichts mehr zu sehen.

Gohliser Schlösschen

Gohliser Schlösschen

Vor den Stadtmauern Leipzigs entstehen im 18. Jahrhundert etwa 30 barocke Bürgergärten. Mit streng geometrischen Wegenetzen, Heckenpflanzungen, Beeten und Skulpturen wollten die Bürger Leipzigs ihrem Landesherrn in Dresden und dem Adel nacheifern. Geblieben ist von dieser barocken Gartenpracht nur wenig. Im Stadtteil Gohlis ist einer dieser Bürgergärten erhalten geblieben, das Gohliser Schlösschen. 1756 für den Leipziger Ratsherren Richter erbaut, besticht das Rokokogebäude durch seine verspielte Leichtigkeit. Von Apels Garten blieben neben dem Wegenetz in der Westvorstadt zwei Statuen erhalten, die heute als Kopie am Dorotheenplatz stehen. Im Seeburgviertel steht noch Linckes Gartenpavillon als Zeugnis barocker Gartengestaltung.

Portal des Beckschen Hauses in der Klostergasse

Neben dem Romanushaus sind aus dem 18. Jahrhundert u.a. in der Katharinenstraße noch das Fregehaus, die Wohnhäuser Katharinenstraße Nr. 1 bis 3, Nr. 19 und 21, am Markt Apels Haus (Königshaus), in der Petersstraße das Haus Grönländer und einige Häuser in der Hainstraße, die aus der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock stammen. Das Becksche Haus (Altes Kloster) in der Klostergasse sowie die Portale des Hauses Zum Arabischen Coffeebaum (Barfußgässchen) und des Hotels de Saxe (Klostergasse) sind weitere Zeugnisse aus der Zeit des Barocks in Leipzig.

Barthels Hof ist der einzige erhaltene Handelshof aus dem 18. Jahrhundert. Das Bosehaus gegenüber der Thomaskirche, das heute das Bachmuseum und das Bach-Archiv beherbergt, ist eines der Handelshäuser aus der Renaissance, die im Barock umgebaut wurden.

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Quellen:
Wolfgang Hocquél: Leipzig Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart, Passage Verlag Leipzig, 2010
Wolfgang Hocquél: Leipzig Baumeister und Bauten, Tourist Verlag Berlin Leipzig, 1990

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Autor: Mirko Seidel am 8. Nov 2019 15:46, Rubrik: Geschichte & Geschichten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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