Geschichte & Geschichten

Architektur der Jahrhunderte in Leipzig – Renaissance

Altes Rathaus Leipzig

Altes Rathaus Leipzig

Renaissance – die Zeit der „Wiedergeburt“ – markiert die erste Blütezeit der Stadt Leipzig. Mit der Verleihung des Messeprivilegs 1497 begann der Aufstieg zur europäischen Messestadt. Das zweite Große Berggeschrey im Erzgebirge Ende des 15. Jahrhunderts und der damit verbundene wirtschaftliche Aufschwung Sachsen taten ihr Übriges dazu. Um 1500 beginnt sich das das Bild der Stadt Leipzig zu wandeln. Prächtige Bürgerhäuser, Handelshöfe und öffentliche Bauten prägen nun das Stadtbild. Einige dieser Bürgerhäuser blieben erhalten, wurden z.T. im Barock umgebaut. Die bedeutendsten Vertreter aus der Zeit der Renaissance in Leipzig sind das Alte Rathaus und die Alte Waage.

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Altes Rathaus

Altes Rathaus Leipzig, Zwerchhäuser

Altes Rathaus Leipzig, Zwerchhäuser

1556 wird der Leipziger Bürgermeister und Baumeister Hieronymus Lotter beauftragt, das vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammende Rathaus zu vergrößern. Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts wurden am Markt stehende Vorgängerbauten zusammengelegt und auch ein Treppenturm wird erwähnt. 1498 beschließt der Rat den Neubau eines Rathauses, der jedoch finanzielle nicht durchführbar war. So nutzt Lotter die bestehenden Gebäude, verbeitert sie um etwa 4 Meter zum Naschmarkt und verleiht dem Rathaus seine äußere Gestalt, wie sie im Wesentlichen auch heute noch zu sehen ist. Im 18. Jahrhundert wird eine Erhöhung des Gebäudes diskutiert, letztlich wird aber nur der Turm um 2,80 m aufgestockt und erhält seine Haube.

Bis 1905 war das Rathaus Sitz der Stadtverwaltung. An der Marktseite waren hölzerne Arkaden vorgesetzt. Nachdem sich die Stadt Leipzig das Neue Rathaus gebaut hatte, soll das Alte Rathaus abgerissen werden. Nur eine Stimme Mehrheit im Stadtrat verhindert das und das Gebäude wird zwischen 1906 und 1909 zum Stadtgeschichtlichen Museum umgebaut. Dabei werden große Teile der Renaissancefassade erneuert und die hölzernen Arkaden durch einen Arkadengang aus Porphyr ersetzt. Beim Umbau wird über dem ersten Stock eine Stahlbetondecke eingebaut und das Rathaus erhält einen stählernen Dachstuhl.

Diese Baumaßnahmen verhinderten wohl, dass das Gebäude im 2. Weltkrieg völlig zerstört wurde. Zwischen 1946 und 1950 wurde das Alte Rathaus wiederaufgebaut und beherbergt bis heute einen Teil der Sammlung des Stadtgeschichtlichen Museums.

Alte Waage

Nordseite des Marktes in Leipzig mit der Alten Waage

Nordseite des Marktes in Leipzig mit der Alten Waage

An der Nordseite des Marktes steht das zweite bedeutende Renaissancegebäude der Stadt – die Alte Waage. 1555 wird der Bau durch Hieronymus Lotter ausgeführt. Die Ratswaage war das zentrale Messegebäude der Stadt. Denn alle Waren, die zur Messe nach Leipzig kamen, wurden hier gewogen und gezählt. Hier befanden sich auch die Leipziger Ratspost und später das kursächsische Postamt. Der Treppenturm, der das Gebäude an der Marktseite zierte, wurde 1861 abgetragen.

1917 zog das neu gegründete Leipziger Messeamt in die Alte Waage. 1924 nahm die Mitteldeutsche Rundfunk AG vorübergehend in einigen Räumen der Alten Waage den Sendebetrieb auf.

Neubau in der Katharinenstraße

Neubau in der Katharinenstraße

Am 4. Dezember 1943 zerstörte ein Luftangriff das Gebäude vollständig. Nach Beräumung blieb das Grundstück mehrere Jahre unbebaut. In den Jahren 1963 bis 1964 erfolgte der Neubau des Gebäudes nach einem Entwurf des Leipziger Architekten Wolfgang Müller. Der Schaugiebel am Markt wurde nach historischem Vorbild wiederaufgebaut, die Fassade zur Katharinenstraße ist im Geschmack der Zeit gestaltet.

Alte Nikolaischule

Alte Nikolaischule Leipzig

Alte Nikolaischule Leipzig

Ein weitere bedeutender, wenn auch schlichter ausgeführter Renaissancebau in Leipzig, ist die Alte Nikolaischule. 1512 wurde am Nikolaikirchhof ein erstes Schulgebäude errichtet. Durch das schnelle Wachstum der Schule machte sich ein Neubau erforderlich, der 1568 ausgeführt und 1730 um das Eckgebäude erweitert wurde.

Fürstenhaus

Fürstenhauserker Leipzig

Fürstenhauserker Leipzig

Vom 1558 von Paul Wiedemann für den Ratsherren Georg Roth erbauten Fürstenhaus in der Grimmaischen Straße blieb nur ein Eckerker erhalten. Dieser Erker ist in Leipzig eine Besonderheit, er ist der einzige Runderker in Leipzig.

Der heutige Erker an der Ecke Grimmaische Straße / Nikolaistraße ist eine Kopie, die nach den in den Trümmern des Fürstenhauserkers geborgenen Originalteile angefertigt wurde. Der reich mit Wappen und Pörtraits verzierte Erker hat sein Vorbild in den Erkern des Schlosses Hartenfels in Torgau.

Haus „Zur goldenen Fahne

Um 1570 erbaute vermutlich Hieronymus Lotter für seinen Sohn das Geschäftshaus „Zur goldenen Fahne“ Von dem im 2. Weltkrieg zerstörten Gebäude blieb nur der Treppenturm erhalten, der in ein 1960 bis 1963 errichtetes Wohngebäude integriert wurde.

Hainstraße 8

Das Bürgerhaus Hainstraße 8 ist eines der wenigen erhaltenen Bürgerhäuser aus der Zeit der Renaissance in Leipzig. Auch dieser Bau wird Hieronymus Lotter zugeschrieben, der ihn wohl für seinen Bruder Antonius Lotter errichtete. Der überreich geschmückte Kastenerker ist eine Zutat aus der Zeit um 1700.

Haus „Zum Arabischen Coffeebaum

Das Haus „Zum Arabischen Coffeebaum“ in der Kleinen Fleischergasse wurde um 1570 errichtet. Seit 1711 ist der Kaffeeausschank in diesem Haus nachweisbar. Adam Jacob baute das Haus 1718 bis 1719 um und gab ihm sein heutiges Aussehen. Der Ursprung des Renaissancebaus ist an den Fenstergewänden noch zu sehen.

Moritzbastei

Moritzbastei Leipzig

Moritzbastei Leipzig

Die Belagerung Leipzigs im Sächsischen Bruderkrieg 1547 machte den Ausbau der mittelalterlichen Stadtbefestigung erforderlich. Kurfürst Moritz von Sachsen baute die Stadt festungsartig aus und schuf Bastionen, von denen die 1551 bis 1553 erbaute Moritzbastei die letzte erhaltene ist. Baumeister war auch hier Hieronymus Lotter. 1796 wurde auf der strategisch unwirksam gewordenen Moritzbastei eine Bürgerschule errichtet, die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Die Keller wurden zugeschüttet. Anfang der 1970er Jahre gruben Leipziger Studenten die Moritzbastei wieder aus und restaurierten sie.

Thüringer Hof

Vom alten Thüringer Hof in der Burgstraße sind nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg nur Teile erhalten geblieben, wie die rundbogige Durchfahrt und die Gewölbe im Erdgeschoss, die Teil des Pflugkschen Freihauses sind, das um 1480 errichtet wurde.

Webers Hof

Webers Hof Leipzig

Webers Hof Leipzig

1662 führte Baumeister Christian Richter das Vorderhaus von Webers Hof neu auf. Dabei entstand auch der Treppenturm im Hof. Webers Hof wurde Mitte des 19. Jahrhunderts um zwei Geschosse erhöht und die frühbarocke Fassadengestaltung zerstört. Zwischen 1995 und 1997 erfolgte eine denkmalpflegerisch fragwürdige Umgestaltung der Fassade in Anlehnung an die ursprüngliche Gestalt. Webers Hof markiert den Übergang von der Renaissance zum Barock in Leipzig und ist einer der wenigen erhaltenen Handelshöfe in Leipzig.

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Quellen:
Wolfgang Hocquél: Leipzig Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart, Passage Verlag Leipzig, 2010
Wolfgang Hocquél: Leipzig Baumeister und Bauten, Tourist Verlag Berlin Leipzig, 1990

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Autor: Mirko Seidel am 8. Nov 2019 15:46, Rubrik: Geschichte & Geschichten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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