Landkreis Nordsachsen

Delitzsch – Stadt der Türme

Barockschloss Delitzsch

Barockschloss Delitzsch

Delitzsch ist mit ca. 25.000 Einwohnern die größte Stadt des Landkreises Nordsachsen. Delitzsch liegt im Nordwesten des Freistaats Sachsen, ca. 25 km nördlich von Leipzig und ca. 32 km östlich von Halle. Die Stadt wurde 1166 erstmals erwähnt und erhielt um 1200 das Stadtrecht.

Im 17. und 18. Jahrhundert war Delitzsch Nebenresidenz des Herzogtums Sachsen-Merseburg. Vom Wohlstand dieser Zeit zeugen neben dem prächtigen Barockschloss die zahlreichen historischen Gebäude in der Altstadt. Die Stadtbefestigung von Delitzsch gehört zu den am besten erhaltenen in Sachsen.

Die Stadt Delitzsch liegt in der Leipziger Tieflandsbucht, zwischen der Goitzsche und dem Leipziger Neuseenland.

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Geschichte

Stadtmauer von Delitzsch

Stadtmauer von Delitzsch

Ab dem späten 6. Jahrhundert siedelten entlang der Elbe slawische Einwanderer, die ihr Siedlungsgebiet im 7. und 8. Jahrhundert bis in das Gebiet westlich der Mulde ausdehnten. Delitzsch lag damals im Zentrum eines Siedlungsgebietes an der mittleren Mulde, zu dem etwa 100 kleinere Siedlungen gehörten. Günstige Geländebedingungen auf einem vom Flüsschen Lober umflossenen Höhensporn und eine von West nach Ost verlaufende Fernhandelsstraße, führten im 9. Jahrhundert zur Gründung einer slawischen Burganlage auf dem Gelände des heutigen Schlossgeländes.

In der Mitte des 10. Jahrhunderts wurde die slawische Burg durch eine deutsche Burg ersetzt. Im Schutz dieser Burg kam es um 1140/50 zur Gründung einer planmäßig angelegten städtischen Siedlung. In den Jahren 1207, 1222 und 1224 sind drei Gerichts-, Landding -und Lehntage der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen urkundlich nachgewiesen.

Altstadt von Delitzsch

Altstadt von Delitzsch

Ende des 14. Jahrhunderts und Anfang des 15. Jahrhunderts wurde die Stadt durch eine Wehranlage befestigt. Von den sächsischen Kurfürsten unterstützt, wurde die Reformation 1539 durch Herzog Heinrich in Delitzsch eingeführt. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt Delitzsch zu leiden und ebenso an der mehrere Jahre andauernden Pest.

Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. erfolgte eine Landesteilung Sachsens. Neben dem weiter bestehenden Kurfürstentum entstanden drei Sekundogenituren, zu denen das Herzogtum Sachsen-Merseburg mit dem Amt Delitzsch gehörte. Unter der Herrschaft von Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg wurde das Schloss in Delitzsch zum Witwensitz seiner Gemahlin ausgebaut.

Nach dem Tod der Herzogin Christiana im Jahr 1701 wurde das Schloss nur noch unregelmäßig als Reiseresidenz genutzt. Zwischen 1731 und 1734 war es nochmals Witwensitz der Herzogin Henriette-Charlotte von Sachsen-Merseburg, Witwe des Herzogs Moritz-Wilhelm von Sachsen-Merseburg. Mit dem Tod des Herzogs im Jahr 1731 und der Herzogin im Jahr 1734 fiel die Sekundogenitur Sachsen-Merseburg 1738 wieder an das Kurfürstentum Sachsen zurück.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und der Niederlage Napoleons und Sachsens gehörte Delitzsch zu dem Gebiet, das Sachsen 1815 an Preußen abtreten musste. Delitzsch war Kreisstadt des neugebildeten gleichnamigen Landkreises.

Denkmal für Hermann Schulze-Delitzsch

Denkmal für Hermann Schulze-Delitzsch

Bestimmend für die Wirtschaft in Delitzsch war das Handwerk. Es entstanden im 19. Jahrhundert Manufakturen, u.a. der Tabakherstellung, der die Chemie-, Textil- und Lebensmittelindustrie. Viele Handwerker und Gewerbetreibende verloren ihre Existenzgrundlage, weil sie mit der Industriealisierung nicht Schritt halten konnten. Der Delitzscher Bürger Hermann Schulze rief ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Hilfsaktion ins Leben, die den in Not geratenen Handwerkern zugutekommen sollte. Nach den Grundsätzen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung gründete er am 8. August 1849 die erste Kranken- und Sterbekasse. 1848 gründete Schulze, der sich nach seiner Heimatstadt Schulze-Delitzsch nannte, die erste Handwerksgenossenschaft Deutschlands für Tischler und Schuhmacher und am 10. Mai 1850 die erste Darlehnskasse als Vorschuss-Verein, der Vorläufer der heutigen Volksbank.

Ab 1858 hatte Delitzsch Anschluss an das Eisenbahnnetz und damit Zugang zu den Braunkohlerevieren nahe Bitterfeld. Gewerbe und Industrie nahmen von da an einen Aufschwung.

Delitzsch blieb von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Während Mitte der 1980er Jahre das letzte Neubaugebiet Delitzsch-West entstand, verfiel die historische Bausubstanz in der Altstadt zusehends. 1970 und 1984 kam es zu flächendeckenden Abrissen von historischen Gebäuden in der Altstadt. Weitere Abrisse waren geplant, konnten jedoch durch die Wende in der DDR verhindert werden.

Die Region um Delitzsch war seit dem 19. Jahrhundert durch den Braunkohlebergbau mit dem Tagebau Goitzsche und den Tagebauen Delitzsch-Südwest und Breitenfeld geprägt. Der Braunkohlebergbau wurde bis 1993 eingestellt, die Tagebauflächen renaturiert.

Stadtrundgang durch Delitzsch

Die Nummern in den eckigen Klammern finden Sie auf der Skizze des Rundgangs durch Delitzsch.

Stadtkirche St. Peter und Paul

Stadtkirche St. Peter und Paul

Delitzsch konnte einen Großteil der historischen Bebauung in der Altstadt bewahren. Wo Flächenabrisse stattgefunden hatten, wurden die Flächen nach 1990 mit behutsam in das historische Ensemble eingepassten Gebäuden ergänzt. Die Altstadt von Delitzsch prägen das Barockschloss, die Stadtbefestigungen mit ihren zwei Stadttoren und die Stadtkirche.

Der Rundgang durch Delitzsch beginnt am Schloss [1]. Der Barockbau entstand durch Umbau eins Renaissanceschlosses, das wiederum aus einer mittelalterlichen Burganlage entstanden war. Ursprung des Schlosses war eine slawische Burgward auf einem Hügel, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss in Delitzsch zwischen 1690 und 1696. Neben dem Schloss befindet sich der Schlossgarten [2].

Durch die Schlossstraße führt der Rundgang zur Halleschen Straße zum Halleschen Turm [3]. Der Hallesche Turm war der westliche Zugang zur mittelalterlichen Stadt und wurde zwischen 1394 und 1396 erbaut. Das Kreuzdach stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der Hallesche Turm beherbergt heute Ausstellungräume des Delitzscher Kunstvereins.

Gleich hinter dem Halleschen Turm steht die Hospitalkirche St. Georg [4]. Erbaut wurde die einschiffige Kirche zwischen 1516 und 1518.

Das Ritterhaus

Das Ritterhaus

Die Straße Am Wallgraben führt entlang der Stadtmauer [5] zur Leipziger Straße. Die Stadtbefestigung um Delitzsch wurde seit dem 14. Jahrhundert errichtet. Die beiden Stadttore, Breites Tor und Hallesches Tor wurden abgebrochen, erhalten bleiben die Hauptwachtürme (Hallescher Turm und Breiter Turm), der größte Teil des Mauerrings sowie mehrere kleine Türme. Auf dem 1735 eingeebneten Wal entstand eine Promenade, die um die Innenstadt von Delitzsch führt.

Von der Leipziger Straße gelangt man in die Ritterstraße [6]. Die Bebauung stammt überwiegend aus dem 17. Jahrhundert. Die bedeutendsten Gebäude in der Ritterstraße sind der sogenannte Adelstanz (Nr. 2), das Stadtschreiberhaus (Nr. 11) und das Ritterhaus (Nr. 27).

Markt mit Rathaus

Markt mit Rathaus

Die Ritterstraße mündet auf der Halleschen Straße. Ihr folgt man nach rechts zum Markt [7]. Der rechteckige Marktplatz von Delitzsch wird gesäumt von Bürgerhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts, von denen besonders die Häuser Nr. 4, Nr. 6 und Nr. 8 sehenswert sind. An der südlichen Platzseite steht das Rathaus von Delitzsch. Der spätklassizistische Bau entstand 1849 durch Umbau und Erweiterung des spätgotischen Rathauses aus dem späten 15. Jahrhundert.

Über die Dächer der nördlichen Markplatzseite ragt die Ev. Stadtkirche St. Peter und Paul [8]. Mit dem Bau der dreischiffigen Hallenkirche wurde im 13. Jahrhundert begonnen. 1437 wurde sie geweiht, 1491 vollendet. Der wuchtige Backsteinbau hat einen Chor mit 5/8-Schluss, Strebepfeiler, Maßwerkfenster und einen Ostgiebel mit Blendbögen.

Durch die Breite Straße gelangt man zum Breiten Turm [9], dem östlichen Zugang zur mittelalterlichen Stadt. Der um 1395 errichtete Wachturm ist durch spitzbogige Blendarkaturen gegliedert.

Vor dem Breiten Turm steht auf dem Roßplatz die Kopie einer Kursächsischen Postmeilensäule [10].

Katholische Kirche Delitzsch

Katholische Kirche Delitzsch

Durch die Eilenburger Straße gelangt man zur Ev. Kirche St. Marien [11]. Sie war die Pfarrkirche der Delitzscher Neustadt. Im frühen 16. Jahrhundert begonnen wurde sie 1587 fertig gestellt. Nach Verfall im Dreißigjährigen Krieg wurde die Marienkirche 1720 bis 1730 wieder hergestellt.

Gegenüber steht die Katholische Marienkirche [12], ein moderner Bau aus dem Jahr 1936 mit wuchtigem Querturm.

Der Stadtrundgang führt durch die Marienstraße zurück zum Breiten Turm. Vom Breiten Turm gelangt man durch die Straße Münze entlang der Stadtmauer [5] zurück zum Schloss.

Sehenswertes in Delitzsch

Schloss [1]

Schloss und Schlossgarten

Schloss und Schlossgarten

  • anstelle einer slawischen und einer mittelalterlichen deutschen Burg in der Renaissance zum Schloss umgebaut,
  • 1690 bis 1696 zum Witwensitz der Herzöge von Sachsen-Merseburg durch Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg umgebaut,
  • zweigeschossiger Bau auf L-förmigem Grundriss,
  • trockener Wassergraben mit Brücke und zwei Sandsteinobelisken,
  • dreizehnachsiger Hauptbau mit Sandsteinportal,
  • Fassadengliederung durch Putzband und Fensterrahmungen,
  • Eckturm mit Zwiebelhaube,
  • Schloss mit Krüppelwalmdach mit zwei großen Zwerchhäusern,

Hallescher Turm [3]

  • fünfgeschossiger, nahezu quadratischer Turm,
  • 1394 bis 1396 erbaut, Kreuzdach 16. Jahrhundert,
  • Renaissancegiebel,

Ev. Hospitalkirche St. Georg [4]:

Hospitalkirche in Delitzsch

Hospitalkirche in Delitzsch

  • turmlose Kapelle, 1516 bis 1518 erbaut,
  • einschiffige Kirche,
  • dreiseitig geschlossener Chor, Strebepfeiler, Dachreiter,
  • zweibahnige Maßwerkfenster mit Fischblasen,
  • spitzbogiges, stabwerkgerahmtes Portal,
  • dreijochiges Schiff, zweijochiger Chor,
  • Schiff mit Netzgewölbe,
  • Chor mit Sterngewölbe,

Ritterstraße [6]:

  • Bebauung überwiegend aus dem 17. Jahrhundert mit teilweise vorkragenden Obergeschossen,
  • Nr. 2 (Adelstanz): 16. Jahrhundert, große Tordurchfahrt,
  • Nr. 11 (Stadtschreiberhaus): Sitznischenportal 1572,
  • Nr. 27 (Ritterhaus): hohe Zwerchhäuser und Volutengiebel, 1558 erbaut

Marktplatz mit Rathaus [7]:

Rathaus von Delitzsch

Rathaus von Delitzsch

  • Vorgängerbau zwischen 1474 und 1497 erbaut,
  • 1849 erweitert und aufgestockt,
  • Gliederung durch Putzquaderung und kräftige Gesimse,
  • neunachsiger Bau, mittlere fünf Achsen bestimmt durch große Rundbogenfenster und Dreiecksgiebel mit Justitia und Ranken,
  • Portal und Altan,
  • Markt Nr. 4: schmaler Bau aus dem 16. Jahrhundert, 1662 erneuert, Erdgeschoss mit barockisierendem Jugendstildekor,
  • Markt Nr. 6: Barockbau aus dem frühen 18. Jahrhundert,
  • Markt Nr. 8: Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, im Kern vermutlich älter,

Ev. Stadtkirche St. Peter und Paul [8]:

Stadtkirche St. Peter und Paul

Stadtkirche St. Peter und Paul

  • 1404 Baubeginn,
  • 1437 Weihe,
  • 1491 Vollendung,
  • 1888 bis 1890 Erneuerung und Neuausstattung durch C.W. Hase,
  • dreischiffige Hallenkirche,
  • Backsteinbau, Chor mit 5/8-Schluss, Strebepfeiler, Maßwerkfenster, Ostgiebel mit Blendbögen, Querwestturm mit Sandsteinportal, zweigeschossige Anbauten mit Walmdach, vier Joche, querschiffartige Erweiterung, spitzbogige Arkaden auf schlanken oktogonalen Pfeilern,
  • Chor und Mittelschiff mit Netzgewölbe,
  • Seitenschiffe mit Sterngewölbe,

Breiter Turm [9]:

Breiter Turm in Delitzsch

Breiter Turm in Delitzsch

  • Backsteinbau über quadratischem Grundriss,
  • um 1395 erbaut,
  • Zeltdach mit Dacherkern,
  • spitzbogige Blendarkatur,

Postmeilensäule [10]:

  • Kopie einer sächsischen Postmeilensäule aus dem Jahr 1730

Ev. Marienkirche [11]:

Ev. Pfarrkirche St. Marien

Ev. Pfarrkirche St. Marien

  • im frühen 16. Jahrhundert erbaut,
  • 1587 Fertigstellung,
  • 1631 bis 1650 Verfall,
  • 1720 bis 1730 Wiederherstellung,
  • Saalkirche,
  • eingezogener, dreiseitiger Chorschluss, Strebepfeiler, Chor mit zweibahnigen Maßwerkfenstern, Saal mit Korbbogenfenstern, Westportal,
  • Chor mit Netzgewölbe, Saal mit Holzkassettendecke,


Kath. Kirche St. Marien [12]:

  • 1936 durch Johannes Reuter erbaut,
  • Saalkirche,
  • eingezogener, gerade geschlossener Chor,
  • wuchtiger Querwestturm,
  • Rundbogenfenster, im Saal paarweise angeordnet, im Chor in Dreiergruppen, Rundbogenportal mit Engelsfigur, Turm mit zurückgesetztem Pyramidendach mit Kreuz

Weitere Informationen

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Stadt Delitzsch.

Bildergalerie Stadt Delitzsch

Skizze „Stadtrundgang durch Delitzsch“

Quelle:
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt II, Regierungsbezirke Dessau und Halle, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1999,
www.wikipedia.de

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Autor: Mirko Seidel am 20. Jan 2016 13:05, Rubrik: Landkreis Nordsachsen, Sachsen, Stadtansichten, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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