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Burgen, Schlösser und Kirchen entlang der Mulde

Exkursion zwischen Grimma und Wurzen

Schloss Grimma

Schloss Grimma

Am 03. Oktober 2015 konnte ich die zweite, von der Volkshochschule Leipzig angebotene Exkursion in das Umland von Leipzig führen. Unser Ziel war wieder die Mulde, dieses Mal zwischen Grimma und Wurzen.

Gestartet sind die sechs Teilnehmer in der Altstadt von Grimma. Erstes Ziel war das Schloss in Grimma. Der kleine Rundgang durch die Altstadt von Grimma führte vorbei an einem mittelalterlichen Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert, der Augustinerkirche zur Stadtkirche Unser Lieben Frauen. Vorbei am Stadtgut mit seinem Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert ging es zum Rathaus.

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Die Kirche in Neichen

Die Kirche in Neichen

Auf der Weiterfahrt nach Trebsen besichtigten wir die Ev. Pfarrkirche in Neichen und die Kirche und das Rittergut in Nitzschka, bevor wir Schloss und Stadtkirche in Trebsen besuchten.

Nach einem kurzen Halt am Rittergut Schmölen erreichten wir unseren Zielort, die Stadt Wurzen, wo die ehemalige Posthalterei, das Stadtgut und die Wenceslaikirche auf dem Programm standen.

Wie schon die Exkursion im Juni stand auch diese Exkursion unter dem Motto einer Spurensuche des Befestigungssystems an der Mulde im Mittelalter in der Zeit der deutschen Ostexpansion. Unter den Ottonen und Saliern wurden Unterwerfungsfeldzüge jenseits der östlichen Reichsgrenzen geführt. Diese fanden in einem Gebiet statt, das im Westen etwa durch die Linie Elbe – Saale – Naab, im Osten durch Oder, Neiße und Moldau begrenzt wird. In den eroberten Gebieten richtete man Grenzmarken ein. Burgen wurden besetzt oder neu errichtet. Sie dienten der militärischen Kontrolle und der Eintreibung von Tributen. Ein Zuzug von Neusiedlern blieb aber aus. Die Christianisierung beschränkte sich auf massenhafte Zwangstaufen und die Errichtung von Missionsbistümern wie Oldenburg, Brandenburg oder Havelberg. Die Entwicklung eines Pfarrkirchensystems erfolgte erst mit der Ansiedlung deutscher Kolonisten ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Wohnturm in Grimma

Wohnturm in Grimma

Die Autos ließen wir an der Pöppelmannbrücke in Grimma stehen und gingen zu Fuß durch die Altstadt. Das Schloss in Grimma geht auf eine mittelalterliche Burg aus dem 12. Jahrhundert zurück. Markgraf Dietrich von Meißen (Dietrich der Bedrängte) gründete im Jahr 1218 hier eine Kapelle. Markgraf Otto von Meißen (Otto der Reiche) ist er vermutete Erbauer der Burg, die Markgraf Wilhelm II. von Meißen (Wilhelm der Reiche) verstärkte und ihr ihre heutige Ausdehnung gab. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen baute dem Ostflügel an der Mulde in seiner heutigen Form um.
In der Altstadt von Grimma haben sich zwei Wohntürme aus dem Mittelalter erhalten, einer aus dem 14. Jahrhundert und einer im Stadtgut aus der Zeit um 1250.

Stadtkirche Unser Lieben Frauen Grimma

Stadtkirche Unser Lieben Frauen Grimma

Die Ev. Stadtkirche Unser Lieben Frauen wurde im 13. Jahrhundert als Pfeilerbasilika mit westlicher Doppelturmfront erbaut. Mehrfach umgebaut, konnte sie ihren romanischen Ursprung bis heute bewahren. Die Kirche war geöffnet und so konnten das Kreuzrippengewölbe des Mittelschiff und die Kreuzgratgewölbe der Seitenschiffe sowie den Chor mit seiner Rippenwölbung besichtigen.

In dem kleinen Dorf Neichen entstand anstelle einer Stabbohlenkirche im 13. Jahrhundert eine romanische Dorfkirche. Der hohe gotische Chor wurde 1517 mit 3/8-Schluss und Strebepfeilern ausgeführt.

Schlichter ist die Kirche in Nitzschka. Erbaut wurde sie Mitte des 15. Jahrhundert und im 17. Jahrhundert und 18. Jahrhundert in ihrer heutigen Form umgebaut.
Das Schloss des Rittergutes in Obernitzschka wurde nach 1945 angerissen. Erhalten blieben die Gebäude des Wirtschaftshofes, die heute von einem sozialen Verein genutzt werden.

Schloss Trebsen

Schloss Trebsen

Das Schloss in Trebsen gehört zu den imposantesten Bauten an der Mulde. Als Wasserburg erbaut, wurde es zwischen 1509 und 1511 von den Bischöfen von Meißen umgebaut. Nach dem Hans von Minckwitz das Anwesen übernahm, ließ er es 1527 noch einmal umbauen. Die letzten Änderungen nahm der Rittmeister a.D. Georg Zimmermann im Jahr 1909 vor. Der Graben der Wasserburg ist bis heute erhalten, ebenso der Rest des Bergfriedes im Innenhof des Schlosses. Die Vierflügelanlage steht auf einem annähernd quadratischem Grundriss. Die spätgotischen Schmuckgiebel prägen das Bild des Schlosses Trebsen. Nördlich des Schlosses erstreckt sich an der Mulde der Schlosspark (Großer Garten), der bis 1783 als Landschaftspark angelegt wurde.

Mulde, Ev. Stadtkirche Trebsen

Ev. Stadtkirche Trebsen

Die Ev. Stadtkirche in Trebsen entstand in der 2. Hälfte des 12. Jahrhundert. Den Turm fügte Lucas Engelmann 1552 an, Johann Gebhardt baute ihn 1731 neu. Den imposanten Innenraum schmückt ein barockes Deckengemälde. Im Chor befinden sich mehrere Grabplatten von Mitgliedern der Familie von der Schulenburg.

Das Herrenhaus des Rittergutes in Schmölen wurde 1901 erbaut. Nach der Bodenreform wurde es massiv umgebaut und aufgestockt.

Posttor in Wurzen

Posttor in Wurzen

In Wurzen gab es einst vier Güter – drei vor den Toren der Altstadt, eins in den mittelalterlichen Stadtmauern. Das Freigut Wurzen wurde zwischen 1696 und 1808 als Posthalterei genutzt. Markant ist das Posttor, das August der Starke 1734 errichten ließ. Unweit des Posttores steht das Wohnhaus des ehemaligen Stadtgutes Wurzen. 1678 erbaut wurde es im frühen 19. Jahrhundert umgebaut. In diesem Gebäude wurde 1883 der Dichter und Kabarettist Joachim Ringelnatz geboren.

Wenceslaikirche in Wurzen

Wenceslaikirche in Wurzen

Die St. Wenceslaikirche in Wurzen wurde 1275 zum ersten Mal erwähnt. Sie stand außerhalb der Stadtmauer in der Neustadt und war die Pfarrkirche des Neumarktes. Zwischen 1660 und 1673 wurde sie nach Verfall erneuert und erhielt zwischen 1873 und 1878 eine neue Ausstattung durch Hugo Altendorff. Die dreischiffige, spätgotische Hallenkirche hat einen eingezogenen Chor mit 3/8-Schluss. Der Putzbau hat Maßwerkfenster, spitzbogige Zwillingsfenster und einen hohen Westturm auf quadratischem Grundriss mit barocker Haube und Laterne. Die heutige, spätgotische Fassade wurde im Jahr 1513 durch den Wurzener Bischof Johann VI. von Salhausen in Auftrag gegeben.

Exkursionsbilder

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Autor: Mirko Seidel am 9. Okt 2015 18:09, Rubrik: Artikel, Artikel & Berichte, Muldetal, Reiseberichte, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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