Leipziger Neuseenland

Mit dem Rad um den Cospudener See

Vom EXPO-Projekt zur Badewanne von Leipzig

EXPO-Pavillon am Cospudener See

EXPO-Pavillon am Cospudener See

Ab 1981 wurde der Tagebau Cospuden als Abzweig vom Tagebau Zwenkau aufgeschlossen. Der unmittelbar am südlichen Stadtrand von Leipzig gelegene Tagebau sollte bis etwa 1996 betrieben werden und sich bis in die Stadt Leipzig hineinfressen. 1991 gab es massive Bürgerproteste gegen den Tagebau Cospuden. Er wurde 1992 stillgelegt.

Mit dem Aufschluss des Tagebaus Cospuden wurden land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen in der Auenlandschaft der Weißen Elster zerstört. Mehrere kleine Siedlungen wurde abgerissen und die Bewohner umgesiedelt, so das ehemalige Rittergut Lauer (43 Einwohner) und das Dorf Cospuden (38 Einwohner). Bis 1992 hatte der Tagebau eine Fläche von 5,1 km² in Anspruch genommen, ca. 32 Millionen Tonnen Braunkohle wurden abgebaut.

Cospudener See - am Nordstrand

Cospudener See – am Nordstrand

Nach der Sanierung des Tagebaurestloches erfolgte die Flutung durch Zufluss von Grund- und Niederschlagswasser sowie Sümpfungswasser aus den Tagebauen Zwenkau und Profen. Im Frühjahr 2000 erreichte der Cospudener See seinen Endwasserspiegel. Der Cospudener See hat eine Fläche von 436 ha (4,36 km²), ist 55 m tief an der tiefsten Stelle und hat eine durchschnittliche Tiefe von 25 m.

Damit war der Cospudener See der dritte Bergbaurestsee im Leipziger Neuseenland und der erste im Südraum Leipzig, der für die Freizeit- und Erholungsnutzung übergeben werden konnte. Die Finanzierung und Umsetzung der Planungen erfolgte wesentlich durch die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover.

Mit dem Rad um den Cospudener See

Cospudener See - am Westufer

Cospudener See – am Westufer

Wer mit dem Auto anreist, kann den Parkplatz am EXPO-Pavillon (Ziegeleiweg) nutzen oder den Parkplatz in Zöbigker. Wer mit der S-Bahn anreist, erreicht den Cospudener See an den S-Bahnhaltepunkten Markkleebereg-Nord, Markkleeberg oder Großstädteln. Von der Innenstadt von Leipzig kann man mit dem Fahrrad auch durch den südlichen Leipziger Auwald fahren.

Die Radtour, die auch als Wandertour durchgeführt werden kann, startet am Parkplatz am EXPO-Pavillon. Nach Süden durch den Landschaftspark Cospuden erreicht man das Nordufer des Cospudener Sees [1]. Badestrände mit Strandbars laden zum Verweilen ein. Die Radtour führt entlang des Westufers des Cospudener Sees, der mit der Rekultivierung naturnah gestaltet wurde. Durchblicke zum See gibt es immer wieder.

Cospudener See - Schloss Knauthain

Cospudener See – Schloss Knauthain

Nach ca. 2,5 km verweist ein Wegweiser auf das Schloss Knauthain [2]. Durch das Elsterflutbett führt die Tour in die naturbelassene Aue der Weißen Elster in das zu Leipzig gehörende Dorf Knauthain. Das Schloss des Rittergutes Knauthain wurde 1698 bis 1703 gebaut für Karl Hildebrandt von Dieskau, vermutlich durch David Schatz. Das Schloss ist heute in Privatbesitz und wird bewohnt. Zugänglich ist der Schlosspark Knauthain. In dem Landschaftspark mit Teich stehen Denkmäler für die Familie von Hohenthal und Bergen. Zum Rittergut Knauthain gehörte das Rittergut Lauer, das für den Tagebau Cospuden abgerissen wurde.

Cospudener See - Aussichtsturm auf der Bistumshöhe

Cospudener See – Aussichtsturm auf der Bistumshöhe

Zurück geht es zum Cospudener See. Weiter am Westufer entlang nach Süden erreicht man nach ca. 2 km die Bistumshöhe mit ihrem Aussichtsturm [3]. Der 35 m hohe Turm auf dem aufgeschütteten Hügel erinnert an einen Industrieschornstein. Steigt man die 180 Stufen nach oben, hat man einen herrlichen Blick über den Cospudener See, den Freizeitpark Idefix´ Abenteuerland (ehem. Belantis) und den südlichen Leipziger Auwald. Am Fuß des Aussichtsturms lädt ein Imbiss ein.

Von der Bistumshöhe führt die Radtour an die Südspitze des Cospudener Sees mit der Flutungsstelle [4]. Nah ist auch die Autobahn A 38 Leipzig – Göttingen, die auf aufgefülltem Taagebaugelände gebaut wurde und Zwenkauer See und Cospudener See trennt.

Cospudener See - Neue Harth

Cospudener See – Neue Harth

Die Radtour führt nun nach Norden, vorbei an der Neuen Harth. Die Harth war ein Waldgebiet und beliebtes Ausflugsgebiet der Leipziger. Von etwa 1960 bis 1970 wurde die Harth durch den von Süden kommenden Tagebau Böhlen, ab 1969 Tagebau Zwenkau, überbaggert. Nach der Stilllegung des Tagebaus wurde die Fläche verfüllt und aufgeforstet. Mit der Neuen Harth entstand wieder ein Waldgebiet mit Rundwegen und Informationstafeln. Sie ist Lebensraum seltener Pflanzen, wie Johanniskraut und Orchideen.

Cospudener See - Hafen Zöbigker (Pier 1)

Cospudener See – Hafen Zöbigker (Pier 1)

Schließlich ist der Hafen Zöbigker, Pier 1, erreicht. Der Hafen Zöbigker ist das Zentrum des Wassertourismus am Cospudener See. Hier können Boote und Fahrräder ausgeliehen sowie Segel- und Tauchkurse gebucht werden. Das Fahrgastschiff für Rundfahrten auf dem Cospudener See startet ebenfalls hier. Gastronomie lädt zum Verweilen ein.

Hat man den Hafen Zöbigker erreicht, ist etwa die Hälfte der Radtour um den Cospudener See geschafft, ca. 10 km.

Cospudener See - Fahrradkirche Zöbigker (Zustand Mai 2025)

Cospudener See – Fahrradkirche Zöbigker (Zustand Mai 2025)

Nach einer Pause am Pier 1 führt die Radtour um den Cospudener See in das Dorf Zöbigker, das zur Stadt Markkleeberg gehört. Zöbigker lag am Rand des Abbaufeldes Cospuden. Die Einwohner litten unter Staub- und Lärmbelästigung. Der Schlosspark Zöbigker, die anschließende Auenlandschaft um den Floßgraben, die Mühle, die Ausflugsgaststätte „Damhirsch“ und Wirtschaftsgebäude des Gutes fielen dem Tagebau zum Opfer. Das Schloss Zöbigker stand verödet an der Tagebaukante. Obwohl in Zöbigker keine Häuser abgerissen wurden, sank die Wohnqualität beträchtlich.

Mit der Einstellung des Tagebaus 1992 und der Flutung des Cospudener Sees änderte sich die Wohnqualität. Heute ist Zöbigker beliebter Wohnort direkt am Cospudener See. Die mittelalterliche Dorfkirche von Zöbigker [6] brannte 1942 durch einen Brand des Motors der Orgel aus. Erst 2009 wurde die Ruine gesichert und 2014 bis 2025 in moderner Form als Fahrradkirche wieder aufgebaut.

Cospudener See - Schloss Zöbigker

Cospudener See – Schloss Zöbigker

Unweit der Kirche steht das Schloss Zöbigker [7]. Zwischen 1698 und 1700 wurde das Schloss gebaut evtl. durch David Schatz. 1714 kaufte der Leipziger Oberpostmeister Johann Jakob Kees das Rittergut Zöbigker. Mehrere Umbauten erfolgten nach 1830, 1898 und 1929 durch Paul Schultze-Naumburg. Die Familie Kees blieb Eigentümer von Gut Zöbigker bis 1945. In der DDR verfiel das Schloss, wurde nach 1990 saniert und ist heute ein Wohnhaus.

Cospudener See - Schleuse Cospuden

Cospudener See – Schleuse Cospuden

Vom Schloss Zöbigker geht es zurück an den Cospudener See zum Seehaus Cospuden, eine Gaststätte mit Badestrand. Weiter entlang am Ostufer führt die Tour in den Markkleeberger Stadtteil Gautzsch. Man kann noch einen Abstecher an die Schleuse Cospuden [8] machen, die in den Floßgraben führt. Vom Cospudener See kann man mit einem Kanu oder Kajak bis in die Innenstadt von Leipzig fahren.

Am Rand von Gautzsch liegt der Kees´sche Park [9] und steht die Martin-Luther-Kirche. Den Zugang zum Kees´schen Park markiert das ehem. Torhaus des Rittergutes Gautzsch, heute das Café „Brot & Kees“. Die Martin Luther-Kirche wurde 1720 durch David Schatz gebaut, der Turm 1903 abgetragen und durch Julius Zeißig neu aufgeführt.

Cospudener See - Brot & Kees am Kees´schen Park

Cospudener See – Brot & Kees am Kees´schen Park

Schon im 13. Jahrhundert wird in Gautzsch ein Herrensitz erwähnt. Das Rittergut war bis ins 17. Jahrhundert im Besitz der Familien von Pflugk und von Dieskau. 1713 kaufte der Leipziger Ratsbaumeister, Kammer- und Kommerzienrat Wolfgang Valentin Jöcher das Anwesen, ließ die Kirche, eine Mühle, einen Gasthof und Wirtschaftsgebäude errichten, das Herrenhaus barockisieren sowie innerhalb eines Grabensystems um das Gut einen prächtigen Garten anlegen. 1861 kam das Rittergut Gautzsch in den Besitz der Familie Kees, Nachfahren der kursächsischen Oberpostmeister Johann Jakob Kees. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine über 100 Meter lange, bogenförmige Orangerie mit Palmenhaus errichtet und das Adlertor gebaut.

Cospudener See - Adlertor im Kees´schen Park

Cospudener See – Adlertor im Kees´schen Park

Nach der Enteignung 1945 wurde das Schloss Gautzsch bis 1992 als Krankenhaus genutzt, der Park verwilderte. Ab 1993 war das ehemalige Krankenhaus dem Vandalismus preisgegeben, brannte merhrmals und wurde 2006 abgerissen. Von 2002 bis 2005 wurde der Kees´sche Park durch einen privaten Investor restauriert. Sehen kann man heute noch das Adlertor, den Mittelbau der Orangerie, den Eiskeller mit seinem Schmuckportal und die Anlage um den ehemaligen Springbrunnen. 2008 entstand das Kinderhospiz Bärenherz, das erste in Mitteldeutschland.

Cospudener See - Waldsee Lauer

Cospudener See – Waldsee Lauer

Vom Kees´schen Park geht es nun zum Waldsee Lauer [10]. Der Waldsee Lauer (manchmal auch Wolfsee genannt) ist ein künstlich angelegtes Gewässer. Der Name bezieht sich auf das ehemalige Gut Lauer, das dem Braunkohlentagebau weichen musste. Der nur 8,5 ha große Waldsee Lauer hat eine maximale Tiefe von 5 Metern. Im Süden ist der Waldsee Lauer über einen etwa 900 Meter langen Kanal mit dem Cospudener See verbunden. Im Norden führt eine künstliche Verbindung zum Floßgraben (auch Batschke genannt). Um den Waldsee Lauer stehen noch große, alte Bäume des Elsterauwaldes.

Vom Waldsee Lauer erreicht man wieder den Parkplatz am EXPO-Pavillon.

  • Länge der Radtour (ab/an Parkplatz am EXPO-Pavillon): ca. 20 km
  • Zustand der Wege: überwiegend aspahltiert (75% Radwege, wenige Nebenstraßen)
  • Höhenunterschied: kaum
  • Schwierigkeitsgrad: einfach

Übersicht Radtour um den Cospudener See

Bildergalerie zur Radtour um den Cospudener See

Radtouren & Wanderungen durch das Leipziger Neuseenland – Südraum

Radtouren & Wanderungen durch das Leipziger Neuseenland

Südraum Leipzig – Das Leipziger Neuseenland

Von der Braunkohle zur Seen-Landschaft

Am Störmthaler See im Leipziger Neuseenland

Am Störmthaler See im Leipziger Neuseenland

Südlich der Großstadt Leipzig erstreckt sich der südliche Teil des Leipziger Neuseenlandes. Seen, Wäldern, Wiesen, Badestrände, Radwege – eine Erholungslandschaft vor den Toren der Großstadt. Doch vor 35 Jahren sah es hier ganz anders aus.

Seit dem späten 18. Jahrhundert begann der Abbau von Braunkohle. Zunächst in kleinen Kohlegruben, dann im Tiefbau und seit dem späten 19. Jahrhundert in ersten Tagebauen. Mit dem Aufschluss des Tagebaus Espenhain ab 1935 begann die intensive Auskohlung der Region zwischen Leipzig und Borna. Bis Anfang der 1990er Jahre fraßen sich Bagger durch die Landschaft. Tausende Menschen wurden umgesiedelt, dutzende Dörfer abgerissen, Landschaft zerstört. weiterlesen »

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