Sachsen

Rundgang durch das Zentrum-Südost – vom Bayrischen Bahnhof zur Alten Messe

Zentrum-Südost, Russische Kirche

Die russische Gedächtniskirche in Leipzig

Das Zentrum-Südost in Leipzig ist ein vielgestaltiger Stadtteil. Das Neue Grassimuseum mit dem Alten Johannisfriedhof und das Seeburgviertel gehören zum Zentrum-Südost, wie der Bayrische Bahnhof, das Universitätsklinikum, die Deutsche Nationalbibliothek und das Alte Messegelände. Der Friedenspark, der ehem. Neue Johannisfriedhof und der Botanische Garten der Universität Leipzig sind die grünen Lungen der südöstlichen Vorstadt.

Geschichte

Bayrischer Bahnhof in Leipzig

Bayrischer Bahnhof in Leipzig

Die ersten planmäßigen Stadterweiterungen südöstlich der Innenstadt von Leipzig entstanden im heutigen Seeburgviertel nach 1830. Mit der Eröffnung des Bayrischen Bahnhofs 1842 erfuhr die südöstliche Vorstadt eine nochmalige Erweiterung. Zwischen 1865 und 1891 erfolgte die erste Bebauung des Wissenschaftlichen Viertels.

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Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen die Planungen für die Bebauung der südöstlichen Vorstadt. Gründe dafür waren die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals 1913, die Internationale Baufachausstellung (IBA), für die ein neues Ausstellungsgelände angelegt wurde und die Eröffnung der Deutschen Bücherei. Mit der Straße des 18. Oktober sollte eine zentrale Achse von der Innenstadt zum Völkerschlachtdenkmal angelegt und prächtig bebaut werden. Die Pläne scheiterten am 1. Weltkrieg. Ab den 1930er Jahren plante man die zentrale Achse neu, die Pläne scheiterten am 2. Weltkrieg. Erst ab 1969 beginnt die Bebauung der Straße des 18. Oktober.

Portal der ehem. Messehalle 2

Portal der ehem. Messehalle 2 Leipzig

Das Gelände der Internationalen Baufachausstellung (IBA) wurde ab 1920 für die Technische Messe Leipzig genutzt. Mehrere großflächige Ausstellungshallen wurden errichtet. Nach starken Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde das Messegelände ab den 1950er Jahren wieder aufgebaut und neue Großhallen errichtet. 1991 endet die Geschichte der Leipziger Warenmesse. Mit der Eröffnung der Neuen Messe 1996 verlor das alte Messegelände seine Bedeutung und wird seitdem umgebaut und umgenutzt.

Deutsche Bücherei Leipzig (Deutsche Nationalbibliothek), Erweiterungsbau

Deutsche Bücherei Leipzig (Deutsche Nationalbibliothek), Erweiterungsbau

Das Wissenschaftliche Viertel wurde im 2. Weltkrieg zu ca. 80% zerstört. Nach 1945 erfolgte der Wiederaufbau des Universitätsklinikums. Seit 1990 haben sich im Zentrum-Südost in Leipzig weitere Klinik- und Institutsbauten der Universität Leipzig etabliert. Ebenfalls entstand die BioCity Leipzig als Nachnutzung eines Teils des Alten Messegeländes.

1912 gründete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Deutsche Bücherei, die 1915 ihr neues Bibliotheksgebäude am Deutschen Platz beziehen konnte. Bis heute wurde die Deutsche Bücherei, die zur Deutschen Nationalbibliothek gehört, um vier Erweiterungsbauten ergänzt.

Rundgang durch das Zentrum-Südost in Leipzig – vom Bayrischen Bahnhof zur Alten Messe

Bayrischer Bahnhof Leipzig

Bayrischer Bahnhof Leipzig

Der Rundgang beginnt am Bayrischen Platz vor dem Portikus des Bayrischen Bahnhofs [1]. Der Bayrische Bahnhof ist der einzige erhalten gebliebene Kopfbahnhof Leipzigs und der älteste erhaltene Kopfbahnhof der Welt. 1842 wurde er eröffnet, aber erst 1844 fertiggestellt. Betreiber war die Sächsisch-Bayersche Staats-Eisenbahn, die den Architekten Christian August Eduard Pötzsch mit der Planung beauftragte. Im. 2. Weltkrieg wurde der Bahnhof teilweise zerstört, so dass heute nur noch das Portal und ein Abfertigungsgebäude erhalten sind. Am Bayrischen Bahnhof beginnt – oder endet – der Citytunnel Leipzig, eine unterirdische Bahnverbindung vom Bayrischen Bahnhof zum Hauptbahnhof.

An der Ecke zur Nürnberger Straße steht der Neubau der Zahnklinik des Universitätsklinikums Leipzig und daneben das Hotel „Am Bayrischen Platz“, das ehem. Hotel Hochstein. Karl Marx übernachtete hier 1874.

Wohnhaus Straße des 18. Oktober Nr. 17 Leipzig

Wohnhaus Straße des 18. Oktober Nr. 17 Leipzig

Vom Bayrischen Platz geht der Rundgang zur Straße des 18. Oktober. Die Bebauung der Achse zum Völkerschlachtdenkmal begann 1969 und nach damaliger Ansicht handelt es sich um eine sozialistische Prachtstraße. Darüber kann man geteilter Meinung sein, aber es gibt in den Häusern großzügige Wohnungen und grüne Höfe – wohnen kann man hier sehr schön. An der Ecke Straße des 18. Oktober/Johannisallee [2] stehen die Gebäude, die vor dem 1. Weltkrieg noch fertiggestellt wurden – so sollte die Straße des 18. Oktober eigentlich aussehen. Die um 1915 errichteten Wohnhäusern weisen den für diese Zeit in Leipzig typischen Reformstil auf.

Rotes Haus Leipzig (Universitätsklinikum)

Rotes Haus Leipzig (Universitätsklinikum)

Durch die Johannisallee erreicht man die Philip-Rosenthal-Straße. An der Ecke steht das Rote Haus [3]. Der 1887 bis 1889 errichtete Bau des Krankenhauses St. Jacob gehört zu den wenigen erhalten gebliebenen historischen Gebäuden des Universitätsklinikums Leipzig.

Entlang der Johannisallee stehen weitere Bauten der Universität Leipzig [4]. Das Institut für Transfusionsmedizin wurde 1930 eröffnet und besticht mit seiner schlichten Fassade aus dunklen Klinkern. Im Anschluss steht das Rudolf-Schönheimer-Institut für Biochemie der Universität Leipzig, ein moderner Bau mit Lamellenfassade. An der Ecke zur Liebigstraße steht das Institut für Pathologie der Universität Leipzig, 1906 errichtet.

Auf der rechten Seite der Johannisallee befindet sich der Botanische Garten der Universität Leipzig. Im Botanischen Garten leben auf einer Fläche von 3,5 ha ca. 10.000 verschiedene Pflanzenarten. Er ist der älteste Botanische Garten Deutschlands und gehört zu den ältesten der Welt. Der erste Garten für Medizinalpflanzen befand sich ab 1543 auf dem Gelände des früheren Dominikanerklosters am heutigen Augustusplatz. Infolge der Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg wurde der Garten 1641 aufgegeben. 1653 richtete die Universität einen neuen Botanischen Garten unweit des ersten Gartens ein. Dieser war auch der Öffentlichkeit zugänglich und bestand über 150 Jahre. 1806 erfolgt die Verlegung in Triers Garten, nahe dem heutigen Bundesverwaltungsgericht. 1876/77 wurde der Botanische Garten zum dritten Mal verlegt auf das Postfeld, seinen heutigen Standort.

An der Kreuzung Liebigstraße führt der Rundgang nun durch den Friedenspark [5]. Der 17,5 ha große Friedenspark wurde auf dem Gelände des Neuen Johannisfriedhofs nach dessen Aufhebung 1971 angelegt und 1983 eröffnet. 1846 wurde der Neue Friedhof (später Neuer Johannisfriedhof) eröffnet. Die letzte Beisetzung fand 1950 statt, der Friedhof war noch bis 1970 öffentlich zugänglich. Ab 1973 wurden alle Begräbnisstätten rigoros entfernt, darunter auch die Grabstellen bedeutender Leipziger Bürger. Die Grabsteine wurden zu einem Hügel aufgetürmt und mit Erde abgedeckt, so dass ein Rodelberg entstand. Reste von Grabanlage sind an der östlichen Friedhofsmauer erhalten geblieben.

Im Friedenspark befinden sich auch der Apothekergarten und der Duft- und Tastgarten sowie mehrere Kunstwerke, so die „Lesende“ von Waleria Bukowiecka, die „Drei Grazien“ von Bertold Dietz, „Das Liebespaar“ von Roland Wetzel und die Bronzegruppe „Studentinnen“ von Irene Marquardt. Im Nordwestteil des Friedensparks befindet sich der Gedenkort für die verstorbenen Kinder der Stadt. Südlich davon erinnert der Gedenkort für die Opfer nationalsozialistischer Kindereuthanasie an die auf dem Neuen Johannisfriedhof begrabenen über 100 Kinderopfer.

Die russische Kirche in Leipzig

Die russische Gedächtniskirche in Leipzig

Hat man den Friedenspark durchquert, steht man vor der St.-Alexi-Gedächtniskirche [6]. Die Russische Gedächtniskirche wurde frei nach der 1530 bis 1532 erbauten Auferstehungskirche in Moskau-Kolomenskoje errichtet und erinnert an die ca. 22.000 in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 gefallenen russischen Soldaten. Die vergoldeten Zementgussreliefs leichten weithin sichtbar. Die Kirche kann tagsüber besichtigt werden.

Von der Russischen Gedächtniskirche führt der Rundgang durch das Zentrum-Südost in Leipzig zunächst durch die Semmelweisstraße und dann nach links zum Deutschen Platz. Hier steht der Gebäudekomplex der Deutschen Nationalbibliothek [7]. Die ehem. Deutsche Bücherei wurde am 3. Oktober 1912 durch den Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, die Stadt Leipzig und das Königreich Sachsen als Archiv des deutschen Schrifttums und des deutschen Buchhandels gegründet. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Deutsche Bücherei in Leipzig und die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main zusammengeschlossen unter dem Namen „Die Deutsche Bibliothek“. 2006 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Nationalbibliothek.

Deutsche Bücherei Leipzig (Deutsche Nationalbibliothek)

Deutsche Bücherei Leipzig (Deutsche Nationalbibliothek)

Das 1915 eröffnete Hauptgebäude der Deutschen Bücherei wurde inzwischen vier Mal erweitert. Über dem Portal befinden sich drei Köpfe – Bismarck, Gutenberg und Goethe. Markant ist der 55 m hohe Magazinturm der Deutschen Nationalbibliothek, der seit 1978 genutzt wird.
Der bisher letzte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek wurde 2009 bis 2011 in Form eines zusammengeschlagenen Buches errichtet. Hier befindet sich das Deutsche Buch- und Schriftmuseum.

BioCity Leipzig

BioCity Leipzig

Auf der anderen Seite des Deutschen Platzes befinden sich das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig und die BioCity [8]. Das Gebäude der BioCity Leipzig wurde 2003 eröffnet. Hier haben sich mehrere Forschungsinstitute angesiedelt, so das Fraunhoferinstitut, das Max-Planck-Institut und die Leibnizgesellschaft.

Durch das in den 1980er Jahren gebaute Nordgebäude erreicht man das Alte Messegelände Leipzig. 1913 fand in Leipzig die Internationale Baufachausstellung (IBA) statt. Dazu schuf die Stadt ein Ausstellungsgelände. Der IBA folgte 1914 die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik. Ab 1920 fand in drei Hallen die Technische Messe und Baumesse statt. In den 1920er Jahren wurde das Messegelände ausgebaut. 1928 gab es 17 Messehallen und zahlreiche kleinere Bauten.
1943 wurden 4 Hallen total und 14 Hallen teilweise zerstört. Die erste Nachkriegsmesse wurde im Mai 1946 in vier Hallen abgehalten. In den Folgejahren wurde neue Ausstellungshallen errichtet. 1991 endete die Geschichte der Leipziger Mustermesse. Bis 1996 fanden auf dem Alten Messegelände noch einige Fachmessen statt, bevor 1996 die neu erbaute Messe im Leipziger Norden ihren Betrieb aufnahm.

Altes Messegelände Leipzig, Sowjetischer Pavillon

Altes Messegelände Leipzig, Sowjetischer Pavillon

Die orange angestrichene ehem. Messehalle 7 wurde 1980 eröffnet und beherbergt heute die Soccerworld Leipzig mit mehreren Hallenfußballfeldern.

Der Sowjetische Pavillon [9] wurde 1923 bis 1924 gebaut und nach Kriegszerstörungen bis 1951 wieder aufgebaut. 2015 bis 2019 erfolgte der Umbau des Kopfbaus zum Stadtarchiv Leipzig. Die markante vergoldete Spitze mit rotem Stern ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Alten Messegeländes.

Der Rundgang führt durch die Perlickstraße, rechts stehen die Bauten der Forschungsinstitute in der BioCity Leipzig. Der Puschstraße folgend steht rechts die ehem. Messehalle 17 [10], die noch ungenutzt ist. Auf der linken Seite steht die Messehalle 11 [11]. Die ehem. 1924 bis 1926 errichtete Maschinenausstellungshalle besticht durch ihre Fassade mit Klinkerelementen im Stil des Art Déco und ihr dreifach gestaffeltes Walmdach mit Lichtbändern.

Kuppelhalle auf dem Alten Messegelände Leipzig

Kuppelhalle auf dem Alten Messegelände Leipzig

Die Messehalle 15 [12] hat eine Spannweite von 100 m. Das einzige Gebäude, das von der Baufachausstellung erhalten geblieben ist, ist die Kuppelhalle oder Betonhalle [13]. Der von Wilhelm Kreis 1913 errichtetem neoklassizistische Kuppelbau hat sein Vorbild im Pantheon in Rom. Die Rippenkuppel hat eine Spannweite von 30 m.

Der Straße Alte Messe folgend, steht links der Neubau der Deutschen Bundesbank [14], hier sitzt die Hauptverwaltung für Sachsen und Thüringen.

Doppel-M am Alten Messegelände Leipzig

Doppel-M am Alten Messegelände Leipzig

Im Blick ist schon das Symbol der Leipziger Messe, das Doppel-M. Rechts vor dem Doppel-M steht das ehem. Messerestaurant. Das Doppel-M steht für Mustermesse, die 1895 erstmals weltweit in Leipzig abgehalten wurde. Der Grafiker Erich Gruner entwarf das Symbol der Leipziger Messe im Jahr 1917. 1965 wurden drei dieser 27 m hohen Eingangsportale am Messegelände aufgestellt, erhalten blieb nur das Portal an der Prager Straße.

Am Doppel-M endet der Rundgang durch das Zentrum-Südost vom Bayrischen Bahnhof zum Alten Messegelände in Leipzig. Mit der Straßenbahnlinie 15 erreicht man wieder die Innenstadt.

Skizze zum Rundgang durch das Zentrum-Südost in Leipzig – vom Bayrischen Bahnhof zur Alten Messe

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Quelle:
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1998
amtliche Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen bei wikipedia.de
Wolfgang Hocquél: Leipzig Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart, Passage-Verlag Leipzig, 2010

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Autor: Mirko Seidel am 27. Feb 2016 12:11, Rubrik: Sachsen, Stadt Leipzig, Stadtansichten, Zentrum, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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