Sachsen

Das Zentrum-West in Leipzig – Zwischen barocker Gartenplanung und sozialistischem Plattenbau

Wohnhaus Ferdinand-Lasalle-Straße 8 Leipzig

Wohnhaus Ferdinand-Lasalle-Straße 8 Leipzig

Das heutige Zentrum-West in Leipzig umfasst die Westvorstadt und das Bachviertel. Bis in das 18. Jahrhundert war der Bereich westlich der Altstadt von Leipzig eine sumpfige Aue zwischen Pleiße und Weißer Elster. Entlang der Pleiße standen die Barfuß-, die Thomas- und die Nonnenmühle, an einem Seitenarm der Weißen Elster die Angermühle.
Die mittelalterliche Fernhandelsstraße Via Regia führte durch diese Sumpflandschaft, heute der Verlauf der Jahnallee und des Ranstädter Steinwegs. Bereits im Mittelalter fanden Flussregulierungsmaßnahmen statt, so entstanden der Elstermühlgraben und der Pleißemühlgraben, die das Zentrum-West heute an zwei Seiten umfließen.

Bereits im Mittelalter war die Via Regia im Bereich des Ranstädter Steinwegs von zwei Häuserreihen gesäumt – die Mühlgrabensiedlung und neben der Jacobskapelle das Jacobsviertel oder Jacobsparochie. Hinzu kam das 1295 erstmals erwähnte Naundörfchen. Aus diesen Siedlungen entstand im 12. Jahrhundert die Ranstädter Vorstadt oder Rannische Vorstadt, die an der heutigen Leibnizstraße durch das Äußere Rannische Tor abgeschlossen wurde. In der Rannischen Vorstadt wohnten, wegen der beiden Mühlgräben, vor allem Fleischer, Gerber, Färber und Fischer.

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Wohn- und Geschäftshaus Otto-Schill-Straße 1 Leipzig

Wohn- und Geschäftshaus Otto-Schill-Straße 1 Leipzig

Im 17. und 18. Jahrhundert ließen sich Leipziger Handelsherren vor den Mauern der Stadt Gärten nach französischem Vorbild anlegen. Auf dem Gebiet der späteren Westvorstadt entstanden so der Kleinbosesche Garten, Richters Garten und Apels Garten. Apels Garten war weit über die Grenzen der Stadt bekannt und bewundert.

Der Kaufmann Andreas Dietrich Apel (1662 bis 1718) erbte um 1700 den seit 1629 bestehenden Bieringischen Garten. Ab 1702 entstand unter Leitung des Gartenbaumeisters und Architekten David Schatz einer der schönsten Barockgärten Deutschlands. Die Parkanlage war in Form eines Fächers angelegt, das Zentrum bildete der heutige Dorotheenplatz. Der Hauptweg (heute Otto-Schill-Straße) führte über eine Brücke über den Pleißemühlgraben zur Promenade. Drei strahlenförmig verlaufende Wege verliefen vom Zentrum nach Westen – heute die Elster-, Kolonnaden- und Reichelstraße.

Die Bildhauer Paul Heermann und Balthasar Permoser schufen vier Statuen der antiken römischen Götter Jupiter, Juno, Venus und Mars. Kopien von zwei dieser Statuen stehen heute auf dem Dorotheenplatz. An den Kleinboseschen Garten erinnern heute noch die vom Leipziger Bildhauer Markus Gläser geschaffenen Nachbildungen zweier Fechterfiguren auf dem Nikischplatz, der auf ehemaligem Gartengelände liegt.

Wohnhäuser Ferdinand-Lassalle-Straße 3/4/4a Leipzig

Wohnhäuser Ferdinand-Lassalle-Straße 3/4/4a Leipzig

Andreas Dietrich Apel ließ die Gebäude seiner Manufakturen und Werkstätten und auch die Wohnungen der Arbeiter in die Gartenanlage integrieren. Nach dem Tod Apels fiel der Garten zu gleichen Teilen an dessen Kinder. Johann Wolfgang Goethe schrieb 1765 an seine Schwester: „Die Leipziger Gärten sind so prächtig, als ich in meinem Leben etwas gesehen habe. Ich schicke Dir vielleicht einmal das Prospekt von der Entrée des Apelgarten, der ist königlich.“ 1770 wurde Apels Garten versteigert, 1784 wurde berichtet, dass der Garten nicht mehr gepflegt wird. Der Kaufmann Erdmann Traugott Reichel erwarb 1787 Teile von Apels Garten, der von nun an Reichels Garten hieß und begann mit der Errichtung von Wohngebäuden.

Ab etwa 1830 wuchs die Bevölkerung der Stadt Leipzig sprunghaft an, so dass eine Bebauung der Vorstädte nötig wurde. Einer der Erben von Reichels Garten war der Industriepionier und Visionär Dr. Carl Erdmann Heine. 1842 übertrug ihm seine Mutter eine Generalvollmacht für Reichels Garten. Heine kaufte weitere Flächen hinzu, ließ sie parzellieren und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bebauen. So entstand das Kolonnadenviertel.

Villa Käthe-Kollwitz-Straße 60 Leipzig

Villa Käthe-Kollwitz-Straße 60 Leipzig

Die Bebauung des Bachviertels setzte ab ca. 1875 ein, nachdem Dr. Carl Heine die heutige Käthe-Kollwitz-Straße samt Plagwitzer Brücke als Verbindung zwischen Plagwitz und Leipzig anlegen ließ.

Die Westvorstadt wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört. Die verbliebene Bebauung sollte laut Wiederaufbauplanung der Stadt Leipzig aus dem 1950er Jahren abgerissen und eine vierspurige Straße als westliche Umfahrung der Innenstadt angelegt werden. Diese Pläne wurden nicht umgesetzt und die Westvorstadt geriet in Vergessenheit. In den 1980er Jahren plante die Stadt, die Westvorstadt zum neuen Ausgeh- und Flanierviertel Leipzigs umzubauen. Kriegsbrachen wurden mit Plattenbauten bebaut. Die historische Form des Dorotheenplatzes wurde auf diese Art wieder hergestellt. Diese Planungen wurden nicht vollständig umgesetzt. Seit 1990 wurde die Sanierung und Bebauung der Westvorstadt fortgeführt und so bietet sich dem Besucher heute eine Mischung von Gebäuden des Klassizismus über sozialistischen Plattenbau bis zur Moderne.

Das Bachviertel wurde nur wenig zerstört, so dass sich hier ein typisches gründerzeitliches Viertel Leipzigs erhalten hat mit Villen Leipziger Verleger und Fabrikanten, Wohnhäusern für das wohlhabende Bürgertum und Wohnhäusern für die nicht ganz so wohlhabende Bevölkerung.

Rundgang durch das Zentrum-West in Leipzig

Industrie- und Handelskammer zu Leipzig

Industrie- und Handelskammer zu Leipzig

Der Rundgang durch das Zentrum-West beginnt am nordwestlichen Rand der Inneren Westvorstadt am Gebäude der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig [1]. Das 1903 errichtete Bürogebäude weist eine für Leipzig typische Fassade im Reformstil auf. Daneben steht die Hauptfeuerwache. Das Gebäude wurde 1881 mit einer Fassade aus gelben Klinkern gebaut und erhielt 1928 eine neue Fassade im Stil der Neuen Sachlichkeit. Hinter den beiden Gebäuden befand sich bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg das Naundörfchen. Gelegen am Elstermühlgraben war das Naundörfchen ein Viertel für Handwerker und Arbeiter – ärmlich, jedoch idyllisch.

Durch die Lessingstraße und die Thomasiusstraße führt der Rundgang zum Brückensprengungsdenkmal [2]. Das Denkmal erinnert an den Rückzug der französischen Armee nach der Völkerschlacht bei Leipzig am 19. Oktober 1813. Durch die zu frühe Sprengung der Brücke über den Elstermühlgraben war ca. 30.000 französischen Soldaten der Rückzugsweg abgeschnitten worden. Tausende von ihnen ertranken bei dem Versuch, das Gewässer schwimmend zu überwinden. Unter den Toten war auch der polnische General Józef Poniatowski, der noch zwei Tage zuvor zum Marschall ernannt worden war. 900 Munitionswagen und 300 Kanonen fielen in die Hände der Verbündeten Truppen. Tausende Soldaten, die für Napoleon gekämpft hatten, gerieten in Gefangenschaft. Hier, an der Kreuzung des Rannstädter Steinwegs und der Leibnizstraße stand das Äußere Rannische Tor an der Via Regia.

Entlang des Elstermühlgrabens führt der Rundgang durch das Zentrum-West zum Poniatowskidenkmal [3]. Fürst Poniatowski ertrank an dieser Stelle beim Versuch, den Fluss zu überwinden. Die Gewässer in der Leipziger Innenstadt verkamen im 20. Jahrhundert zu Abwasserkanälen und wurden nach dem 2. Weltkrieg verrohrt. Seit 1999 werden die innerstädtischen Gewässer wieder geöffnet. Der Elstermühlgraben fließt an dieser Stelle noch unter der Erde – seine Öffnung soll bald erfolgen.

Dem Elstermühlgraben folgend erreicht man an der Westbrücke die Friedrich-Ebert-Straße [4]. Die Friedrich-Ebert-Straße trennt die Innere Westvorstadt vom Bachviertel und verbindet Westvorstadt und Waldstraßenviertel. Die um 1880 erbaute Villa Davignon (Friedrich-Ebert-Straße 77) wird nach ihrem Architekten Arwed Roßbach auch die Roßbachsche Villa genannt. In der für den Kaufmann Louis Davignon gebauten Villa hat seit 2004 der Stadtverband der Hörgeschädigten Leipzig e.V. seinen Sitz. Folgt man dem Elstermühlgraben, erreicht man den Stadthafen Leipzig. Von hier starten geführte Bootstouren über die Flüsse und Kanäle Leipzigs oder man kann sich hier ein Kanu mieten und die Wasserstadt Leipzig selbst erkunden.
Auf dem Grundstück Friedrich-Ebert-Straße 67 gründete Julius Blüthner 1853 seine Pianofabrik. Das 1879 gebaute Haus diente viele Jahre als Firmensitz.

Wohn- und Geschäftshaus Käthe-Kollwitz-Straße 37 Leipzig

Wohn- und Geschäftshaus Käthe-Kollwitz-Straße 37 Leipzig

Es folgt der Westplatz, dessen Bebauung im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Beim Wiederaufbau wurde keine Rücksicht auf die historischen Straßen- und Gebäudefluchten gelegt, so dass der Westplatz heute als Platz nicht mehr erkennbar ist. Vom Westplatz führt der Rundgang in die Käthe-Kollwitz-Straße und damit ins Bachviertel. Das Bachviertel ist benannt nach der Sebastian-Bach-Straße, die das Quartier in Ost-West-Richtung durchquert.

Villa Mothes Leipzig (Julburg)Die Käthe-Kollwitz-Straße [5] ist links (Ostseite) mit Wohnhäusern mit prächtigen Fassaden bebaut, rechts (Westseite) stehen prächtige Villen Leipziger Industrieller. Von den Wohngebäuden sei hier besonders auf das Haus Nr. 75 hingewiesen. Das 1868 gebaute Wohnhaus ist ein frühes Beispiel für die Stadterweiterung Leipzigs zu Beginn der industriellen Revolution. Von den Villen soll hier die Nr. 64, die Villa Baedeker genannt werden. In der um 1880 gebauten Villa lebte die Verlegerfamilie Karl Baedeker, u. a. Ernst Baedeker jun. und Dietrich Baedeker, die mit Baedekers Reiseführer den ersten Reiseführer der Welt veröffentlichten. Heute befindet sich in der Villa eine Klinik.
Die Villa Käthe-Kollwitz-Straße 70 wird auch die Julburg genannt. Der Architekt Oskar Mothes baute die Villa 1872 bis 1873. Mothes war mit dem Umbau und Neubau von Kirchen befasst. Er rettete Bauteile angebrochener Kirchen und ließ sie in seiner Villa wieder einbauen. Der pittoreske Bau erinnert ein bisschen an das Schloss Neuschwanstein in Bayern. Den Namen Julburg erhielt die Villa Mothes nach der Frau von Oskar Mothes. Die Villa Nr. 82, die Villa Meyer, wurde um 1870 für den Verleger Hermann Julius Meyer gebaut. Mit ihrer Klinkerfassade sticht aus der Villenbebauung der Käthe-Kollwitz-Straße heraus. Heute hat das Karl-Sudhoff-Institut der Universität Leipzig hier ihren Sitz.

Vor der Klingerbrücke, die das Elsterflutbett überspannt, führt der Rundgang durch das Zentrum-West in die Ferdinand-Lasalle-Straße [6]. Das Elsterflutbett auf der rechten Seite entstand in seiner heutigen Form 1928 und dient dem Hochwasserschutz der Stadt Leipzig. Das Elsterflutbett nimmt die Pleiße und einen Teil der Weißen Elster auf.

Auf der linken Seite stehen drei Villen. Die Villa Meyer an der Ecke zur Käthe-Kollwitz-Straße wurde 1885 bis 1886 für den Verlagsbuchhändler Hermann Julius Meyer im Stil der italienischen Renaissance gebaut. Die danebenstehende Villa Meyer II wurde 1886 ebenfalls für Hermann Julius Meyer durch den Architekten Max Pommer errichtet. Nach der Sebastian-Bach-Straße folgt die Villa Gebhardt. Die Villa wurde 1881 bis 1882 für den Verlagsbuchhändler Leopold Gebhardt von Arwed Roßbach geschaffen.

Villa Krügel Leipzig

Villa Krügel Leipzig

Der Ferdinand-Lasalle-Straße nach links folgend, stehen weitere Villen – die Villa Krügel, 1885 für den Kaufmann Friedrich Krügel gebaut und die Villa Narjok, um 1885 gebaut für den Kaufmann Gustav E. Narjok.

Auf der rechten Straßenseite befindet sich der Clara-Zetkin-Park [7]. 1955 wurde die innerstädtische Parklandschaft aus Johannapark, Scheibenholzpark, König-Albert-Park und Palmengarten zusammengefasst unter dem Namen „Zentraler Kulturpark Clara Zetkin“. Im Sinne der Kulturparkbewegung in der DDR entstanden Kultur- und Sportanlagen. Damit ist der Clara-Zetkin-Park in Leipzig vermutlich die erste große Anlage in Deutschland, die nach diesen Gesichtspunkten gestaltet wurde. Heute umfasst der Clara-Zetkin-Park nur noch den Teil des früheren König-Albert-Parks, die anderen Parkteile erhielten 2011 ihre alten Namen zurück. Von 1950 bis 1958 führten um und durch das Gelände des Parks die 4,3 km lange Strecke der Leipziger Stadtparkrennen für Motorräder, Sport- und Rennwagen mit bis zu 200.000 Zuschauern. Die meisten der insgesamt 11 Veranstaltungen waren gleichzeitig auch die DDR-Meisterschaften im Motorrennsport.

Wohnhaus Ferdinand-Lasalle-Straße 9 Leipzig

Wohnhaus Ferdinand-Lasalle-Straße 9 Leipzig

Auf der linken Seite der der Ferdinand-Lasalle-Straße stehen nun wieder mehrgeschossige Wohngebäude mit prächtigen Fassaden aus der Zeit zwischen 1880 und 1900. In diesen Häusern lebten u.a. die Rechtsanwälte und Staatsanwälte, die am Reichsgericht Leipzig beschäftigt waren.

Der Rundgang führt nach links in die Marschnerstraße und dann nach rechts in die Sebastian-Bach-Straße. Der Sebastian-Bach-Straße verdankt das Bachviertel seinen Namen. Die Fassaden der Wohnhäuser sind hier schlichter, doch zeigt das gesamte Bachviertel die Bandbreite des Bauens in Leipzig in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

An der Hillerstraße steht das Forum Thomanum [8]. 1877 wurde die Neue Thomasschule an der Schreberstraße eingeweiht. Das Gebäude wurde im 2. Weltkrieg zerstört. 1881 entstand das Alumnat des Thomanerchors. Die heutige Thomasschule wurde 1877 als 4. Bürgerschule gebaut. An der Ecke Sebastian-Bach-Straße/Hillerstraße steht das Forum Thomanum, hier befinden sich Proberäume und die Wohnung des Thomaskantors.

In der Schreberstraße fällt das Gebäude Nr. 6 mit seiner gelben Klinkerfassade auf [9]. An der Fassade ist noch die alte Inschrift zu lesen: Heine & Co Akt.-Ges. Das um 1900 gebaute Fabrikgebäude beherbergte einst eine Aromafabrik.

Leipzig, Zentrum-West, Ev. Lutherkirche

Ev. Lutherkirche in Leipzig

Durch die Schreberstraße erreicht man den Johannapark und die Lutherkirche [10]. 1883 bis 1886 wurde das Gotteshaus durch den Architekten Julius Zeißig aus gelben Klinkern errichtet. Die Ev. Lutherkirche in Leipzig ist ein Zentralbau auf griechischem Kreuz. Am Chor der Lutherkirche befindet sich das Grabmal der Familie Seyfferth. Wilhelm Seyfferth stiftete den Johannapark, durch den Rundgang nun führt.

Den Johannapark [11] ließ 1858 bis 1863 der Leipziger Unternehmer und Bankier Wilhelm Theodor Seyfferth auf seine Kosten anlegen und übertrug ihn der Stadt Leipzig. Seyfferth wollte mit dem Park an seine im Alter von 21 Jahren verstorbene Tochter Johanna Natalie Schulz erinnern. Der Legende nach starb sie an gebrochenem Herzen, weil sie, dem Wunsch des Vaters folgend, Dr. Gustav Schulz heiraten musste, obwohl sie in einen anderen Mann verliebt war. Im Johannapark befindet sich auch ein Denkmal für den Stifter Wilhelm Seyfferth.
Durch den Johannapark erreicht man wieder die Friedrich-Ebert-Straße. Auf der linken Seite steht am Rande des Johannaparks das Gesundheitsamt der Stadt Leipzig [12]. Das 1925 errichtete Verwaltungsgebäude der Berufsgenossenschaft der Textilindustrie zeigt eine Putzfassade mit reicher Porphyrtuffgliederung im Stil des Neoklassizismus.

Die Friedrich-Ebert-Straße überquerend ist man wieder in der Inneren Westvorstadt und kommt auf eine Grünfläche [13]. Auf der rechten Seite befindet sich ein reliefartiges Denkmal, das an die barocke Gartentradition der Westvorstadt erinnert. Die Grünfläche entstand erst nach dem 2. Weltkrieg. Hier stand die Kath. Probsteikirche St. Trinitatis. Die Alte Trinitatiskirche war der erste katholische Kirchenneubau in Leipzig nach der Reformation. 1847 wurde die Kirche geweiht und 1943 durch einen Bombenangriff zerstört. Die bereits erteilte Genehmigung zum Wiederaufbau wurde kurzerhand zurückgezogen, das Baumaterial beschlagnahmt und die Kirchenruine abgerissen. Unweit des alten Standorts wurde 2015 wurde die neue Probsteikirche St. Trinitatis geweiht.

Pleißemühlgraben an Lurgensteins Steg in LeipzigAn Lurgensteins Steg erreicht man den Pleißemühlgraben [14]. Die Geschichte des Pleißemühlgrabens reicht bis ins 10. Jahrhundert. Er wurde künstlich zum Betrieb von Wassermühlen angelegt. Zwischen dem Bundesverwaltungsgericht und der Thomaskirche standen drei Mühlen – die Nonnenmühle, die Thomasmühle und die Barfußmühle.
Bereits 1899 wurde der Pleißemühlgraben zwischen der Käthe-Kollwitz-Straße und der Zentralstraße überwölbt. Ab 1953 wurde auch der übrige Wasserlauf in der Innenstadt unter die Erde verbannt. 1999 wurde das erste Teilstück des freigelegten Pleißemühlgrabens vor dem Bundesverwaltungsgericht der Öffentlichkeit übergeben.

Wohnbebauung am Dorotheenplatz Leipzig

Dorotheenplatz in der Westvorstadt

Durch die Otto-Schill-Straße, dem einstigen Hauptweg in Apels Garten erreicht man den Dorotheenplatz [15] – das Zentrum von Apels Garten. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Apels Garten überbaut, die Gartenwege blieben erhalten und bilden heute das Straßenraster der Inneren Westvorstadt. Die Bebauung wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Ende der 1980er Jahre plante man, die Westvorstadt zum Ausgehviertel Leipzigs zu entwickeln. Die Kriegsbrachen wurden mit Plattenbauten bebaut. Auf dem Dorotheenplatz stehen zwei Kopien von Statuen aus Apels Garten.

Vom Dorotheenplatz führt der Rundgang weiter durch die Elsterstraße und über eine Grünfläche zum Nikischplatz [16]. Hier stand das Künstlerhaus, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde, nur das Eingangsportal und ein Gedenkstein für im 1. Weltkrieg gefallenen Leipziger Künstler blieb erhalten. Auf dem Nikischplatz stehen Kopien von zwei Fechtern aus dem Boseschen Garten, der sich hier erstreckte.

Durch die Bosestraße erreicht man die Gottschedstraße. Hier steht das Denkmal für die Große Gemeindesynagoge von Leipzig [17]. Die Große Gemeindesynagoge war der älteste und bedeutendste Synagogenbau in Leipzig. Sie wurde 1854 bis 1855 nach Plänen des Semperschülers Otto Simonson auf einem drachenförmigen Viereck erbaut. Während der Progromnacht am 9. November 1938 wurde sie in Brand gesteckt und zerstört. Die Gemeinde musste die Ruine auf eigene Kosten abreißen. Heute erinnert ein beeindruckendes Denkmal mit leeren Stühlen an die jüdische Gemeinde in Leipzig.

Messehaus Weißes Haus Leipzig (Hotel Innside)

Messehaus Weißes Haus und Palais Schlobach Leipzig (Hotel Innside)

Durch die Gottschedstraße erreicht man den Dittrichring. An der Ecke steht das Weiße Haus, heute ein Hotel, und das Palais Schlobach [18]. Das Weiße Haus wurde 1920 als Messehaus gebaut. 2016 erfolgte der Umbau und des Weißen Hauses, dass auch eine neue Dachlandschaft bekam. Das anschließende Palais Schlobach wurde 1871 durch Arwed Roßbach errichtet. 2006 wurde das Gebäude abgerissen und 2014 bis 2016 die Fassade originalgetreu wieder aufgebaut. Vor dem Palais Schlobach endet der geöffnete Teil des Pleißemühlgrabens.

Dem Dittrichring folgend kommt man zum Schauspielhaus Leipzig [19]. 1902 wurde am heutigen Dittrichring das private Centraltheater eröffnet. Im Dezember 1943 wurde das Centraltheater, wie alle städtischen Bühnen Leipzigs, zerstört. In dem notdürftig wieder hergestellten Theater fanden bis 1950 Aufführungen statt, dann wurde das Haus abgerissen. 1954 bis 1957 erfolgte der Neubau des Schauspielhauses.

Letzte Station auf dem Rundgang durch das Zentrum-West ist Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy Leipzig, Außenstelle Dittrichring [20]. Das 1908 von der Leipziger Lebensversicherung durch den Architekten Anton Käppler erbaute Gebäude folgt der prächtigen Bebauung des Leipziger Innenstadtrings um 1900. Der wuchtige Bau mit seiner Sandsteinfassade ist mit einer Kolossalordnung gegliedert. Zwei Atlasfiguren rahmen den Eingang. Hier endet der Rundgang durch das Zentrum-West in Leipzig.

Skizze zum Rundgang durch das Zentrum-West von Leipzig

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Quelle:
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1998
amtliche Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen bei wikipedia.de
Wolfgang Hocquél: Leipzig Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart, Passage-Verlag Leipzig, 2010

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Autor: Mirko Seidel am 13. Apr 2021 09:35, Rubrik: Sachsen, Stadt Leipzig, Stadtansichten, Zentrum, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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