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Markkleeberg – die Stadt zwischen Cospudener See & Markkleeberger See

Entdeckungen rund um Markkleeberg

Rathaus Markkleeberg

Rathaus Markkleeberg

Markkleeberg ist eine junge Stadt. Erst 1934 wurde sie gegründet durch den Zusammenschluss der Dörfer Gautzsch, Oetzsch und Markkleeberg. Später kamen Gaschwitz, Groß- und Kleinstädteln, Wachau, Auenhain und Zöbigker dazu. Die Ortsteile Cospuden und Prödel wurden für den Braunkohlebergbau abgerissen.

Wer in Markkleeberg eine historische Altstadt sucht, der sucht vergeblich – es gibt sie nicht. Das heutige Markkleeberg wurde um 1900 zum beliebten Wohnort wohlhabender Bürger, die sich am Rand der Aue der Pleiße ihre Villen erichteten.

Pier 1 am Cospudener See in Zöbigker

Pier 1 am Cospudener See in Zöbigker

Markkleeberg lag zwischen den Tagebauen Cospuden und Espenhain. Der Lärm der Tagebaugeräte, die Abgase der braunkohleverarbeitenden Industrie prägten über Jahrzehnte das Leben der Einwohner. Mit der Beendigung der Braunkohleförderung und der Flutung des Cospudener Sees und des Markkleeberger Sees verbesserte sich die Lebensqualität in Markkleeberg erheblich.

Mit dem Rad die Stadt Markkleberg erkunden

Wer mit dem Auto anreist, kann die Parkplätze am EXPO-Pavillon am Cospudener See (Ziegeleiweg), an der Seepromenade Markkleeberg, am Kanupark Markkleeberg, am S-Bahnhof Markkleeberg oder an der Kirche in Gautzsch nutzen. Wer mit der S-Bahn anreist, nutzt die S-Bahnhaltepunkte Markkleeberg-Nord, Markkleeberg oder Gaschwitz. Von der Innenstadt von Leipzig fährt die Straßenbahnlinie 11 bis nach Markkleeberg-Ost (Schillerplatz).

EXPO-Pavillon am Cospudener See in Gautzsch

EXPO-Pavillon am Cospudener See in Gautzsch

Die Radtour startet am EXPO-Pavillon am Cospudener See. Der Tagebau Cospuden wurde 1993 stillgelegt und im Jahr 2000 wurde der Cospudener See als erster See im Südraum Leipzig der Öffentlichkleit übergeben. Vom Nordstrand mit seinen Badestränden und Strandbars geht es am westlichen Ufer des Cospudener Sees zur Bistumshöhe [1]. Auf dem Hügel steht ein Aussichtsturm, der einen grandiosen Blick über den See, den Freizeitpark Idefix´ Abenteuerland bis zum Zwenkauer See bietet.

Weiter um die Südspitze des Cosudener Sees mit der Flutungsstelle [2] erreicht mann den Hafen Zöbigker, Pier 1 [3]. Nach einer Stärkung führt die Radtour um die Stadt Markkleeberg durch die Neue Harth.

Cospudener See - Neue Harth

Cospudener See – Neue Harth

Die Harth war ein Waldgebiet und beliebtes Ausflugsgebiet der Leipziger. Von etwa 1960 bis 1970 wurde die Harth durch den von Süden heranrückenden Tagebau Böhlen, ab 1969 Tagebau Zwenkau, überbaggert. Nach der Stilllegung des Tagebaus wurde die Fläche verfüllt und aufgeforstet. Mit der Neuen Harth entstand wieder ein Waldgebiet mit Rundwegen und Informationstafeln. Sie ist Lebensraum seltener Pflanzen.

Durch die Neue Harth ist bald der südlichste Stadtteil von Markkleeberg erreicht, Gaschwitz [4]. Der Herrensitz Gaschwitz wird Mitte des 14. Jahrhunderts erwähnt. Das Alte Schloss entstand um 1700, das Neue Herrenhaus um 1905. Einige Wirtschaftsgebäude wurden in den letzten Jahren saniert.

Harthkanal

Harthkanal

Von Gaschwitz führt die Radtour über die Neuseenlandbrücke zum Markkleeberger See. Der heutige Markkleeberger See gehörte zum Tagebau Espenhain. Am 10. Juli 1937 begann der Aufschluss des Braunkohletagebaus. Ab 1939 wurde die Braunkohle in das nahegelegene Braunkohleverarbeitungswerk Espenhain geliefert. 1996 verließ der letzte Kohlezug den Tagebau. Die Crostewitzer Höhe [5] ist ein rekultivierter Teil des Tagebaus mit Anpflanzungen und offenen Wiesenbereichen.

Um die Südspitze des Markkleeberger Sees, die Auenhainer Bucht, fahrend, überquert man den Harthkanal [6]. Der Harthkanal verbindet den Markkleeberger See mit dem Störmthaler See. Eine Schleuse überwindet den Höhenunterschied. Kanal und Schleuse sind seit 2021 aber gesperrt. Nach weinigen Metern ist der Kanupark Markkleeberg [7] erreicht.

Kanupark Markkleeberg

Kanupark Markkleeberg

Der Kanupark wurde für die Olypmpiabewerbung Leipzigs 2012 gebaut, Hier trainieren die deutschen Spitzensportler im Kanusport. Freizeitsportler können ein Schlauchboot mieten und sich mutig den 270 m langen Kanal hinunterstürzen. Am Kanupark Markkleeberg ist etwa die Hälfte der Radtour um die Stadt Markkleeberg geschafft. In der Gastronomie kann man sich stärken, bevor es weiter geht mit der Radtour.

Oberhalb des Kanupark stehen der Kletterpark Markkleeberg und der Seepark Auenhain [8], eine Ferienhausanlage. Vom Oberen Uferweg hat man immer wieder schöne Ausblicke über den Markkleeberger See. Am Weg stehen Kunstwerke des Projekts „Landschaftskunst am Markkleeberger See“.

Ev. Kirche Wachau (Zustand Juni 2021)

Ev. Kirche Wachau (Zustand Juni 2021)

Vom Oberen Uferweg geht es nach rechts zur Dorfkirche Wachau [9]. 1865 bis 1867 wurde die mächtige neogotische Kirche anstelle eines Vorgängerbaus von Constantin Lipsius errichtet. Bei Luftangriffen 1943 und 1945 beschädigt, schlug in den 1970er Jahren der Blitz in den Turm. Der Schutt wurde auf das Kirchendach geschüttet, was Dach und Gewölbe zum Einsturz brachte. 195 bis 1997 wurde die Ruine gesichert und dient heute im Sommer als Ort für Konzerte und Theateraufführungen.

Von Wachau führt die Radtour durch Markkleeberg durch die Weinteichsenke. Die Weinteichaue ist ein Refugium für zahlreiche bedrohte und seltene Tier- und Pflanzenarten. Im zentralen Bachauenbereich nisten u.a. Neuntöter, Schafstelze, Rebhuhn, Feldschwirl, Rohrammer, Schilf- und Sumpfrohrsänger, Garten- und Dorngrasmücke sowie die vom Aussterben bedrohte Mopsfledermaus und die Tagfalterart Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

Seepromenade Markkleeberg

Seepromenade Markkleeberg

Schließlich erreicht man die Seepromande Markkleeberg [10]. Hier legt das Fahrgastschiff ab und Gastronomie lädt zum Verweilen ein. Von der Seepromenade geht es in das alte Dorf Markkleeberg [11]. Markkleeberg (heute Markkleeberg-Ost) liegt in der Aue der Pleiße. Das Rittergut Markkleeberg geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück. 1664 wurde das Torhaus errichtet, Mitte des 18. Jahrhunderts das Schloss. In der Völkerschlacht bei Leipzig war Markkleeberg schwer umkämpft. Davon zeugen heute noch der Apelstein vor dem Torhaus, eine Kanonenkugel an der Nordseite der Auenkirche und ein Zinnfigurendiorama im Torhaus. Die Auenkirche Markkleeberg wurde 1372 erstmals urkundlich erwähnt. 1612 erneuert nach einem Brand wurde sie 1627 gewölbt.

Weißes Haus Markkleeberg, Parkseite

Weißes Haus Markkleeberg, Parkseite

Vom Schloss Markkleeberg geht es durch die Aue der Pleiße zum AGRA-Park Markkleberg [12], zunächst in den östlichen Teil, der zur Stadt Leipzig gehört. Die ca. 50 Hektar große Parkanlage geht auf den Herfurthschen Park zurück. Der Leipziger Konsul und Zeitungsverleger Paul Herfurth ließ Ende des 19. Jahrhunderts seinen Sommerlandsitz für seine Familie mit Herrenhaus, das heutige Weiße Haus, und einer natürlich wirkenden Parklandschaft nach englischem Vorbild anlegen.

Seit 1948 fanden hier Gartenbauaustellungen statt, seit 1953 die AGRA, die Landwirtschaftsaustellungen der sozialistischen Länder. Sehenswert ist die Parkgaststätte aus den 1950er Jahren, das Weiße Haus [13] sowie der Pavillon auf der Markkleeberger Seite. Über den AGRA-Park führt eine Brücke der B 2, die in den 1970er Jahren als Ersatz für die Straßen gebaut wurde, die den Tagebauen weichen mussten.

Westphalsches Haus Markkleeberg

Westphalsches Haus Markkleeberg

Nach dem AGRA-Park erreicht man Markleeberg-Mitte [14], das alte Dorf Oetzsch. In der Straße Alt-Oetzsch kann man das slawische Rundlingsdorf noch erkennen. Oetzsch wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Wohnort wohlhabender Bürger, die sich hier Villen bauen ließen. Das Westphalsche Haus, Dölitzer Straße 12, wurde 1925 bis 1927 für den Direktor der Thüringer Gasgesellschaft, Carl Westphal, durch den Architekten Paul Schultze-Naumburg errichtet. Es lohnt sich, durch das Markkleeberger Villenviertel zwischen Raschwitzer Straße, Rathausstraße und Hauptstraße zu streifen.

Das Rathaus Markkleeberg [14] wurde 1911 als Gasthaus mit Saal gebaut. 1921 erfolgte der Umbau zum Rathaus.

Forsthaus Raschwitz in Markkleeberg

Forsthaus Raschwitz in Markkleeberg

Vom Rathaus durch die Hauptstraße führt die Radtour um Markkleeberg zum Forsthaus Raschwitz [15]. 1378 wurde Raschwitz erstmals erwähnt, 1457 ist noch von einem Dorf samt Vorwerk die Rede. 1696 existierte nur noch das Vorwerk. Der Rat der Stadt Leipzig erwarb 1457 die Grundherrschaft, verkaufte sie wieder und erwarb sie 1779 erneut. Im Rittergut ließ der Rat eine Wein- und Kaffeestube als Ausflugslokal einrichten. Auch der Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe war am 11. Mai 1800 zu Gast. Die Gaststätte im Forsthaus Raschwitz wurde 1898 eröffnet. Heute ist das Lokal leider geschlossen.

Vom Fortshaus Raschwitz muss die Koburger Straße überquert werden in die Straße Am Wolfsinkel und weiter auf den Equipagenweg. Am Equioagenweg befindet sich eine Gedenkstätte für das Außenlager Markkleeberg des KZ Buchenwald [16]. Vor allem jüdische Frauen aus Ungarn waren hier inhaftiert und mussten in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisten.

Adlertor im Kees´schen Park

Adlertor im Kees´schen Park

Der Equipagenweg führt in den Kees´schen Park [17] im Ortsteil Gautzsch. Das Rittergut Gautzsch war bis ins 17. Jahrhundert im Besitz der Familien von Pflugk und von Dieskau. 1713 kaufte der Leipziger Ratsbaumeister, Kammer- und Kommerzienrat Wolfgang Valentin Jöcher das Anwesen, ließ die Kirche, eine Mühle, einen Gasthof und Wirtschaftsgebäude errichten, das Herrenhaus barockisieren sowie innerhalb eines Grabensystems um das Gut einen prächtigen Garten anlegen. 1861 kam das Rittergut Gautzsch in den Besitz der Familie Kees, Nachfahren der kursächsischen Oberpostmeister Johann Jakob Kees. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine über 100 Meter lange, bogenförmige Orangerie mit Palmenhaus errichtet und das Adlertor gebaut.

Cospudener See - am Nordstrand

Cospudener See – am Nordstrand

Nach der Enteignung 1945 wurde das Schloss Gautzsch bis 1992 als Krankenhaus genutzt, der Park verwilderte. Ab 1993 war das ehemalige Krankenhaus dem Vandalismus preisgegeben, brannte merhrmals und wurde 2006 abgerissen. Von 2002 bis 2005 wurde der Kees´sche Park durch einen privaten Investor restauriert. Sehen kann man heute noch das Adlertor, den Mittelbau der Orangerie, den Eiskeller mit seinem Schmuckportal und die Anlage um den ehemaligen Springbrunnen. 2008 entstand das Kinderhospiz Bärenherz, das erste in Mitteldeutschland. Im Torhaus des Rittergutes Gautzsch lädt das Café „Brot & Kees“ ein.

Vom Kees´schen Park sind es nur wenige Meter bis zum Nordufer des Cospudener Sees [18], wo man am Strand oder in den Bars die Radtour ausklingen lassen kann.

  • Länge der Radtour (ab/an EXPO-Pavillon): ca. 35 km
  • Zustand der Wege: überwiegend aspahltiert (75% Radwege, wenige Nebenstraßen)
  • Höhenunterschied: kaum
  • Schwierigkeitsgrad: einfach

Übersicht Radtour Markkleeberg – die Stadt zwischen Cospudener See & Markkleeberger See

Bildergalerie zur Radtour Markkleeberg – die Stadt zwischen Cospudener See & Markkleeberger See

Radtouren & Wanderungen durch das Leipziger Neuseenland – Südraum

Radtouren & Wanderungen durch das Leipziger Neuseenland

Autor: Mirko Seidel am 18. Feb. 2026 17:14, Rubrik: Artikel & Berichte, Leipziger Neuseenland, Radwege, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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