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Leipziger Persönlichkeiten – Ferdinand Goetz

Ferdinand Goetz

Ferdinand Goetz

Ferdinand Hermann Wilhelm Goetz wurde am 24. Mai 1826 in Leipzig als achtes Kind des Städtischen Waagedirektors und Sächsischen Oberzollinspektors Friedrich Wilhelm Goetz und dessen Ehefrau Elfriede geboren. Goetz legte sein Abitur an der Thomasschule in Leipzig ab und begann 1846 ein Medizinstudium an der Leipziger Universität. Im selben Jahr trat er in die Burschenschaft Kochei Leipzig und später in die Burschenschaft Wartburg Leipzig ein.

Ferdinand Goetz traf Pfingsten 1847 mit dem Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in Freyburg an der Unstrut zusammen, ein für seinen Lebensweg bedeutungsvolles Ereignis. Als Teilnehmer an den vorrevolutionären Ereignissen im Jahr 1848 wurde Goetz aus Leipzig ausgewiesen. Beim Dresdener Maiaufstand 1849 war Ferdinand Goetz mit der Pflege von Verwundeten beschäftigt, dadurch erhielt er nur Untersuchungshaft.

1850 promovierte Goetz, 1851 begann er seine berufliche Laufbahn als Leibarzt sowie als praktischer Arzt in Geithain. 1855 kehrte Ferdinand Goetz nach Leipzig zurück und übernahm eine Praxis in Lindenau. 60 Jahre wirkte Ferdinand Goetz als praktischer Arzt. Der „Töppchendoktor von Lindenau“, wie Goetz auch genannt wurde, ging in die Lindenauer Ortsgeschichte ein. Bei seinen ärztlichen Hausbesuchen blickte Ferdinand Goetz auch in die Kochtöpfe, um dort Anhaltspunkte für mögliche Krankheitsursachen, vor allem Cholera, zu finden.
In Lindenau war Goetz Leiter der Feuerwehr und regte 1860 die Gründung des Männerturnvereins Lindenau an. Bis zur Eingemeindung Lindenaus in die Stadt Leipzig war Goetz Gemeinderat in Lindenau. Goetz war seit 1867 Abgeordneter des Norddeutschen Reichstags und des Deutschen Reichstags.

Ferdinand-Götz-Haus Lindenau

Ferdinand-Götz-Haus Lindenau

1858 übernahm Ferdinand Goetz die Redaktion der Deutschen Turnzeitung. Zusammen mit seinem Freund, dem Leipziger Industriepionier Carl Heine, war Goetz Gründer bzw. Initiator zahlreicher Bürger- und sozialer Vereine in Leipzig. Goetz war wesentlich an der Organisation des XII. Deutschen Turnfests 1913 in Leipzig mit mehr als 60.000 Teilnehmern beteiligt und hielt als Siebenundachtzigjähriger die Festrede.

Ferdinand Goetz starb am 13. Oktober 1915 in seinem Wohnhaus in Leipzig-Lindenau.

Nach dem Turnvater Friedrich Ludwig Jahn ist Ferdinand Goetz die herausragende Persönlichkeit der deutschen Turnerbewegung des 19. Jahrhunderts. Seine wesentliche Rolle liegt in der Bildung der deutschen Turnerbewegung. Zusammen mit Theodor Georgii gründete Goetz 1868 die Deutsche Turnerschaft als Zusammenschluss der Turnvereine in Deutschland, damals die weltgrößte Turnorganisation. Goetz war zunächst ehrenamtlicher Geschäftsführer und ab 1895 bis zu seinem Tod Vorstandsvorsitzender.

Postkarte zum XII. Deutschen Turn- und Sportfest 1912

Postkarte zum XII. Deutschen Turn- und Sportfest 1912

Das Wohnhaus von Ferdinand Goetz in der Lützner Straße in Lindenau entwickelte sich zum Mittelpunkt des Geschäftslebens der Deutschen Turnerschaft und zum Ort der Begegnung. Ferdinand Goetz galt als einer der schärfsten Kritiker des Arbeitersports, dem er die notwendige sittliche und nationale Reife absprach. Goetz sprach sich in der „Völkischen Turnfehde“ vehement gegen das Verbot von Juden in Turnverbänden aus. Gotz´ Eintreten gegen antisemitische Tendenzen stempelte ihn bei den radikalen Rechten zum „Judenfreund“.

Goetz stand der Idee der Olympischen Spiele kritisch gegenüber. Er forderte einen Boykott der ersten Olympischen Spiele der Moderne mit der Begründung, dass „nur Untreue gegenüber dem Vaterland und eitle Ruhmsucht“ dazu verleiten könne, an den „mit deutscher Ehre unverträglichen“ Olympischen Spielen teilzunehmen.

Ferdinand Goetz war Taufpate des 1913 geborenen Willi Daume, späterer Präsident des NOK der Bundesrepublik Deutschland. Im Garten des Goetz-Hauses in Lindenau steht ein Denkmal für Ferdinand Goetz. Für die Errichtung der Jahn-Gedenkstätten in Freyburg an der Unstrut verlieh ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde.

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Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/37/Ferdinand_Goetz.jpg;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e7/Goetz_Karte_1.jpg

Quelle:
www.wikipedia.de
Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Pro Leipzig, 2005

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Autor: Mirko Seidel am 1. Mai 2022 16:00, Rubrik: Persönlichkeiten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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