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Zum Tag des Offenen Denkmals 2016 …

… unterwegs zu Kirchen im östlichen Saalekreis

Die Kirche in Kötzschau

Die Kirche in Kötzschau

Zum Tag des Offenen Denkmals 2016 hab ich mich zu einer Radtour zu Kirchen im östlichen Saalekreis auf den Weg gemacht. Was ich erlebt habe, waren eindrucksvolle Bauwerke, wenig Interesse und zu guter Letzt doch noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen.

Bei herrlichstem Spätsommerwetter begann meine Rundtour zu Kirchen im westlichen Saalekreis in Kötzschau. Die romanische Kirche in Kötzschau aus dem späten 12. Jahrhundert wurde in der Spätgotik umgebaut. Der eingezogene, dreiseitig geschlossene Chor mit Maßwerkfenstern und das profilierte Stufenportal sind besonders sehenswert. Ich war allein in der Kötzschauer Kirche, keine Besucher, niemand, der mir zur Kirche etwas erzählen konnte. So radelte ich weiter nach Schladebach. In der romanischen Kirche probten einige Musiker und das Portal war mit einer Girlande geschmückt – vielleicht eine bevorstehende Feier? Ansonsten keine Besucher und keine Führung.

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Ein Denkmal ganz anderer Art erwartete mich in Wüsteneutzsch – das Schleusenbauwerk für den Elster-Saale-Kanal. Der wuchtige Betonbau ist das Symbol für einen großen Traum – die Anbindung der Stadt Leipzig an die Saale durch den Elster-Saale-Kanal. Der Traum endete 1943 im 2. Weltkrieg und so manch Leipziger träumt bis heute von der Wasserstraße zwischen Saale und Leipzig.

Die Kirche in Kreypau

Die Kirche in Kreypau

So erreichte ich Kreypau. Die in schriftlich 1550/51 erbaute Kirche dürfte einen romanischen Vorgängerbau gehabt haben. In der Kirche fand eine Andacht statt und sofort kam ein Mitglied des örtlichen Fördervereins zu mir und erzählte mir die Geschichte der Kreypauer Kirche und ihre Besonderheiten. Kuchen stand bereits vor der Kirche und wenn ich mir etwas mehr Zeit genommen hätte, hätte ich bestimmt auch ein Stück bekommen mit einer Tasse Kaffee. Aber ich wollte mir noch weitere Kirche anschauen und so radelte ich von Kreypau nach Trebnitz bei Merseburg.

Altar in der Kirche in Zweimen

Altar in der Kirche in Zweimen

Die kleine spätgotische Kirche in Trebnitz war geschlossen, so dass mein Aufenthalt nur kurz dauerte und mich weiter nach Zöschen führte. Die romanische Kirche in Zöschen, die zwischen 1754 und 1757 ein neues Schiff erhielt, war geschlossen. Also weiter nach Zweimen. Die St. Barbara-Kirche in Zweimen war das Hauptziel an diesem Tag, denn dort erwartete mich ein Mitglied des Fördervereins, um mir die Kirche zu zeigen. Die Zweimener Kirche mit ihrem eigenwilligen Zwiebelturm, die auch der Dom der Elster-Luppe-Aue genannt wird, hat dringenden Sanierungsbedarf. Die Schäden durch eindringendes Regenwasser sind besonders an der Holztonne deutlich zu sehen. Ein Lichtblick ist die im Jahr 2010 restaurierte Rühlmann-Orgel. Nach dem ich den sehr ausführlichen und fundierten Ausführungen gelauscht hatte, übrigens als einziger Besucher in dieser Zeit, fuhr ich weiter in Richtung Leipzig nach Kötzschlitz und besuchte die St.-Anna-Kapelle, d.h. ich versuchte es, denn die Kapelle war geschlossen.

In der Kirche in Kleinliebenau

In der Kirche in Kleinliebenau

So machte ich mich auf den Heimweg und beschloss, in der Kirche Kleinliebenau, die bereits wieder in Sachsen steht, vorbeizuschauen, denn diese Kirche hatte ich von innen auch noch nie gesehen. Und ich hatte Glück. Die sanierte Rittergutskirche war geöffnet und es gab, trotz des schon späten Nachmittags, Kaffee und Kuchen.

Das Fazit meines Radausfluges zum Tag des Offenen Denkmals in den westlichen Saalekreis fällt gemischt aus. Ich habe eindrucksvolle Kirchen gesehen und vor allem, ich habe sie auch von innen bewundern können. Nachdenklich stimmt mich, dass ich, mit Ausnahme von Kleinliebenau, einziger Besucher war. Ist das Interesse an den historischen Bauwerken so gering? Ist es für andere Menschen nicht reizvoll, einen Blick hinter die ansonsten meist geschlossenen Kirchen zu werfen? Oder hat das warme Spätsommerwetter lieber zum Baden gelockt? Ich weiß es nicht, aber es stimmt mich nachdenklich. Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Kirchbauvereinen, um die Kirchen vor dem Verfall zu bewahren und sie mit Leben zu erfüllen. Gerade für diese Menschen wäre es eine Anerkennung ihrer Arbeit, wenn mehr Besucher zum Tag des Offenen Denkmals die Kirchen besuchen würden und auch ein paar Euro Spendengeld in die Box werfen.

Die unvollendete Schleuse des Saale-Elster-Kanals bei Wüsteneutzsch

Die unvollendete Schleuse des Saale-Elster-Kanals bei Wüsteneutzsch

Nachdenklich stimmt mich auch, dass ich drei Mal vor verschlossenen Kirchentüren stand. Kein Interesse der Kirchgemeinden, kein Verein vor Ort? Für Besucher, vor allem wenn sie mit dem Fahrrad anreisen, ist es nicht schön, vor verschlossenen Türen zu stehen.

Der Tag des Offenen Denkmals hat zwei Bedeutungen. Zum einen gewährt er Einblicke in sonst Verborgenes und Verschlossenes. Zum anderen verweist er auf die Fülle und die Unterschiedlichkeit der Denkmale in Deutschland und auf die Probleme, die mit der Erhaltung, Sanierung und Nutzung von Denkmalen auftreten können.

Ich hoffe sehr, dass der Tag des Offenen Denkmals noch mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt und vor allem auch die Denkmale im ländlichen Raum in Zukunft dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen.

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Autor: Mirko Seidel am 12. Sep 2016 17:09, Rubrik: Artikel, Artikel & Berichte, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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