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Leipzig wächst … zu alter Größe?

Alte und neue Türme - Kath. Probsteikirche und Neues Rathaus in Leipzig

579.530 … das ist die Zahl des Jahres 2016. So viele Einwohner hatte die Messestadt Ende Dezember. Was ist das Besondere an dieser Zahl? Sie ist rasant gewachsen. Seit dem Jahr 2000 hat die Stadt einen Bevölkerungszuwachs von ca. 100.000 Menschen zu verzeichnen. Das ist rekordverdächtig, vor allem in Ostdeutschland, wo die Bevölkerungszahl in der Fläche nach wie vor sinkt.

Mit 6.873 Neugeborenen verzeichnet die Messestadt auch bei den Geburten die höchste Zahl seit dem Jahr 2000. Dem stehen 6.005 Sterbefälle gegenüber, womit die Stadt Leipzig zum dritten Mal in Folge das schafft, was es zuvor 50 Jahre lang nicht gegeben hat – einen Geburtenüberschuss. Den größten Zuwachs erzielt die Stadt jedoch immer noch aus dem Zuzug. 40.059 Menschen sind neu nach Leipzig gezogen, 26.859 Menschen haben der Stadt den Rücken gekehrt.

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Mit 16.669 Menschen war der Zuzug 2015 größer, liegt aber an den Flüchtlingen, die in Leipzig aufgenommen wurden. In den letzten fünf Jahren hat die Stadt Leipzig einen Wanderungsgewinn von 65.813 Menschen zu verzeichnen. Dabei ist erstaunlich, dass fast die Hälfte der Zugezogenen (43,9%) Ausländer waren.

Was macht die Stadt Leipzig so attraktiv?

Das liegt auf der Hand. Leipzig ist eine Stadt mit einer funktionierenden Infrastruktur – in den Bereichen Bildung, Kultur, Sport, Freizeit, Versorgung. Leipzig ist eine vielgestaltige Stadt, die auch für Individualisten Möglichkeiten bietet. Leipzig ist auch 26 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung eine Stadt im Wandel, eine Stadt der ständigen Veränderung, die immer neue Möglichkeiten bietet.

Leipzig ist auch – im Gegensatz zu ihrem Umland – eine Stadt mit Arbeitsplätzen. Zu wenige immer noch, aber die Chancen, in der Stadt eine Arbeit zu finden, sind deutlich höher, als im ländlich geprägten Umland.

Wo will Leipzig hin?

Die Politiker und Stadtplaner gehen davon aus, dass im Zeithorizont bis 2030 die einstige Größe der Stadt mit über 700.000 Einwohnern wieder erreicht wird.

1933 lebten auf kleinerer Fläche ca. 713.000 Menschen in der Stadt, 1940 waren es noch 710.000 Einwohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es nur noch rund 581.000 Menschen. Mit 617.000 Einwohnern erreichte die Stadt 1950 ihre größte Einwohnerzahl zwischen 1945 und 1990.
Von da an ging es kontinuierlich bergab auf 530.000 Einwohner 1989 mit nur einer leichten Erholung Anfang der 1960er Jahre.

Und auch nach 1990 sah es zunächst nicht besser aus. Bevölkerungsverluste um die 2% pro Jahr bis 1999. Da stieg die Einwohnerzahl um satte 12% – hervorgerufen durch Eingemeindungen. Doch seitdem geht es in der Gesamtstadt mit Bevölkerungszahl stetig bergauf. Lagen die Zuwächse bis 2010 bei unter einem Prozent pro Jahr, liegen sie in den letzten fünf Jahren bei über 2% pro Jahr, 2015 sogar bei knapp 3%.

Die Prognosen der verschiedenen Institute sagen der Stadt Leipzig auch für die kommenden Jahre eine gute Bevölkerungsentwicklung voraus. Je nach Rechenmodell soll die Einwohnerzahl im Jahr 2030 zwischen 675.000 und 760.000 liegen.

Die größte Gruppen der melderechtlich in Leipzig registrierten Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund sind Menschen aus Russland (7.720 Personen, 31.12.2015), gefolgt von Syrern und Polen.

Starker Bevölkerungszuwachs – Chance oder Risiko?

Ein kontinuierlicher Bevölkerungszuwachs kann beides bedeuten – Chance und Risiko. Er bietet die Chance, einer bunten, toleranten Stadt, in der sich die Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Einwohner immer weiter verbessern. Zuwachs bedeutet neue Ideen. Zuwachs bedeutet aber auch, immer knapper werdender Wohnraum und damit steigende Mieten. Das ist bereits heute in Leipzig deutlich zu spüren.

Die Infrastruktur wird nicht mehr ausreichen, soziale Versorgung kommt an ihre Grenzen. Die negativen Auswirkungen des Bevölkerungswachstums in Leipzig für die Einwohner so gering wie möglich zu halten, erfordert ein vorausschauendes Denken der Politiker und Stadtplaner. Der Wohnraum, der in den nächsten Jahren benötigt wird, muss heute gebaut werden. Und damit meine ich Wohnraum für alle – von der Luxuswohnung bis zur Sozialwohnung.
Für die Wohnungen, die in zehn bis 20 Jahren benötigt werden, gilt es schon heute, Flächen zu suchen. Flächen suchen heißt nicht, Bauen auf der grünen Wiese. Gewerbebrachen und Baulücken gibt es in Leipzig immer noch zahlreich. Im Bevölkerungswachstum liegt die Chance, diese – oft Schandflecke im Stadtbild – zu beseitigen.

Lesen Sie zu diesem Artikel auch den Beitrag Leipzig wächst … zum Touristenmagnet in Ostdeutschland?

Quelle: Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig

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Autor: Mirko Seidel am 16. Jan 2017 17:01, Rubrik: Artikel, Artikel & Berichte, Stadt Leipzig, Tourismus, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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