Geschichte & Geschichten

40 Jahre Neues Gewandhaus zu Leipzig

Das Neue Gewandhaus Leipzig am Augustusplatz

Das Neue Gewandhaus Leipzig am Augustusplatz

Am 08. Oktober 1981, 37 Jahre nach der Zerstörung des Alten Gewandhauses, bekam das weltbekannte Gewandhausorchester zu Leipzig endlich sein neues Domizil am Augustusplatz.

Zu verdanken ist das Gebäude dem damaligen Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, der sich vehement für den Neubau eines reinen Konzerthauses für sein Weltklasseorchester einsetzte.

Der Grundstein für den Neubau wurde am 8. November 1977 am Standort des im 2. Weltkrieg zerstörten Bildermuseums an der Südseite des Augustusplatzes (damals Karl-Marx-Platz) gelegt. Das Gewandhaus ist der erste und einzige Neubau einer reinen Konzerthalle in der DDR, in anderen Städten wurden multifunktionale Bauten errichtet, wie z.B. der Kulturpalast in Dresden, das Haus der Kultur in Gera oder die Stadthalle in Karl-Marx-Stadt. Chefarchitekt war der Leipziger Rudolf Skoda, der die Planung in einem Kollektiv mit Eberhard Göschel, Volker Sieg und Winfried Sziegoleit erarbeite, basierend auf der von Horst Siegel und Rudolf Skoda erarbeiteten städtebaulich-architektonischen Konzeption.

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Der Neubau fand auch Anklang im Westen. So lobte die Fachzeitschrift Bauwelt den Entwurf mit seinem Formenreichtum als außerordentlich für die DDR.
Masur hatte genaue Vorstellungen von der Akustik „seines“ neuen Konzertsaals – das Beste war gerade gut genug für „sein“ Orchester. Die Wünsche Masur wurden erfüllt, bis heute ist der Saal des Gewandhauses zu Leipzig einer der besten Konzertsäle der Welt.

Hinter der großen Glasfassade ist das über 714 m² große Deckengemälde des Leipziger Malers Sighard Gille aus den Jahren 1980/1981 zu sehen. Gille ließ sich von Gustav Mahlers 1. Sinfonie „Gesang vom Leben“ inspirieren und musste sein Bild im laufenden Baubetrieb malen. Es ist das größte Deckengemälde Europas. Unter dem Bild von Gille verbirgt sich eine weiteres Kunstwerk – ein unvollendeter Wandfries des Malers Wolfgang Peuker – versteckt hinter einer Verschalung, weil der Fries den damaligen Kunstfunktionären zu freizügig war.

Der Große Saal im Gewandhaus bietet Platz für 1.900 Besucher. Die Schuke-Orgel besitzt 6.845 Pfeifen. Über dem Orgeltisch steht der Leitspruch des Gewandhausorchesters – „Res severa verum gaudium“ – Wahre Freude ist eine ernste Sache.

Das Gewandhaus wurde unter der Leitung des damaligen Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur mit Siegfried Thieles „Gesänge an die Sonne“ und Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie eröffnet. Tags zuvor fand bereits ein Sonderkonzert unter der Leitung von Masur für alle am Bau des Gewandhauses Beteiligten statt.

Das Gewandhaus spielt auch eine wichtige Rolle im Herbst 1989. Kurt Masur öffnete das Haus für die Gewandhausgespräche, die ersten öffentlichen Diskussionsrunden über Reformen und die Zukunft der DDR.

Neben dem großen Saal gibt es den 1997 von Rudolf Skoda umgebauten Mendelssohn-Saal, der vor allem für Kammermusik genutzt wird.

Am schönsten sieht das Gewandhaus abends aus. Durch die beleuchtete Glasfassade ist das Gemälde von Sighard Gille zu sehen und der Augustusplatz wird zum Foyer für das Gewandhaus.

Quelle:
Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Pro Leipzig, 2005

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Autor: Mirko Seidel am 5. Mrz 2021 15:31, Rubrik: Geschichte & Geschichten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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