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500 Jahre Reformation – Luther in Leipzig

Verachtung und eine späte Liebe

Thomaskirche zu Leipzig, Westportal

Thomaskirche zu Leipzig, Westportal

Leipzig ist ein wichtiger Ort der Reformation. Die Stadt hat maßgeblich zur Verbreitung der Schriften Martin Luthers beigetragen durch ihre Verlage. In der Thomaskirche zu Leipzig predigte Martin Luther zu Pfingsten 1539, 1545 weiht er die Universitätskirche als evangelische Kirche.

Die Beziehung zwischen dem Reformator Martin Luther und der Messe- und Verlagsstadt Leipzig war jedoch nicht immer ungetrübt. Die Stadtväter standen Luther skeptisch gegenüber – vielleicht aus Loyalität zu ihrem Landesherren Herzog Georg von Sachsen. Luther wiederum „schoss“ zurück und sparte nicht mit Polemik gegen die Leipziger.

In der Thomaskirche im Herzen der Stadt hängt an einer Säule eine Plakette mit dem Hinweis auf ein wichtiges Ereignis. Am 25. Mai 1539 predigte Martin Luther in der Thomaskirche und führte damit die Reformation in Leipzig ein.

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Leipzig war nun evangelisch – könnte man denken. Doch weit gefehlt. Die einflussreichen Bürger hielten an ihrem katholischen Glauben fest und Luther selbst ließ kaum ein gutes Haar an der Stadt. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich war er nicht freiwillig zu seiner Disputation im Jahr 1519 gekommen, sondern auf Befehl des Landesherren.

Dabei hat Martin Luther der Stadt Leipzig viel zu verdanken. Wäre er in Wittenberg geblieben, hätte er vermutlich nie solch eine Berühmtheit erlangt und vor allen hätten seine Schriften kaum Verbreitung gefunden. Er brauchte ein Podium, das fand er in der großen Stadt Leipzig und er brauchte die Verlage, die den gerade erst erfundenen Buchdruck nutzten, um seine Schriften zu verbreiten.

Ohne Leipzig kein Erfolg für Luther. Doch der schimpfte häufig über die Stadt. In einer Tischrede, die auf die frühen 1540er Jahre datiert ist, heißt es: „Leipzig ist wie Sodoma und Gomorrah mit hurerey und wucher überschuttet, darumb kans ihnen nicht wohl gehen. Es geschieht ihnen recht, sie woltens nicht anders haben. Ich bin da gewest, will nicht mer hinkomen.“

Die Paulinerkirche zu Leipzig 1749

Die Paulinerkirche zu Leipzig 1749

Luther echauffierte sich über den Geiz, die hohe Zinsen und das lasterhafte Leben in der Messestadt. Waren die Zustände in Leipzig wirklich so schlimm? Luthers Groll mag auch damit zusammenhängen, dass er im Sommer 1519 während seines Aufenthalts zur Leipziger Disputation schlecht behandelt wurde. Luther hatte es wahrlich schwer in Leipzig, seine Gegner versuchten, ihn als Ketzer darzustellen und sein katholischer Landesherr Herzog Georg der Bärtige stand dem Reformator mehr als skeptisch gegenüber. Der Herzog hatte Angst – Angst davor, dass es seinem Sachsenland ebenso ergeht, wie Böhmen unter den Hussiten. Er fürchtete Unruhen und Aufstände – und er sollte Recht behalten. 100 Jahre später ziehen marodierende Truppen durch Deutschland und vor allem durch Sachsen, plündern, brandschatzen, stehlen und morden in Namen des „richtigen“ Glaubens.

Anders erging es Luthers Gegenspieler Eck. Ihm wurde die Herberge gezahlt, von Herzog Georg erhielt Eck als Gastgeschenk einen Hirsch, Luther ging leer aus. „Die Leipziger haben uns weder begrüßt noch besucht und wie ihre verhaßten Feinde behandelt“, empörte sich Luther über das Benehmen der Leipziger und schimpft weiter: „Was immer sie erdenken konnten, taten sie, um uns zu beleidigen.“

Herzog Georg der Bärtige von Sachsen stirbt 1539 und Luther stattete Leipzig zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder einen Besuch ab. Ob es zwischen dem Tod des Herzogs und dem Besuch einen Zusammenhang gibt, ist nicht bekannt. Doch Luthers Meinung über die Stadt Leipzig hatte sich in all den Jahren nicht gebessert: Luthers Freund Anton Lauterbach schrieb 1538 in sein Tagebuch zu einer Tischrede Luthers: „Leipzig liegt im Meer des Geizes ersoffen tiefer denn die Berge in der Sündfluth; die lagen nur zehn Ellen tief im Wasser, sie liegt aber funfzehn Meilen Wegs tief unter den Wellen des Geizes.“

Luther auf einer Briefmarke der DDR zum 450. Reformationsjubiläum 1967

Luther auf einer Briefmarke der DDR zum 450. Reformationsjubiläum 1967

Auch bei den Leipzigern hatte sich nicht viel getan. Sie waren wieder geizige Gastgeber, als Luther 1539 zur Einführung der Reformation predigte. Der Herzog war tot – der katholische Geist in den Gassen Leipzigs noch nicht. Die reichen Bürger blieben lieber bei dem, was sie kannten – kein Stadtrat schickte sich an, dem Gast, wie sonst üblich, ein Geschenk zu überreichen.

Luther war verärgert. Zum zweiten Mal nach 1519 erlebte er die Ablehnung der sich selbst doch sonst weltoffen bezeichnenden Leipziger. Doch es waren nicht alle Leipziger reserviert. Das Volk war neugierig. Trotz Verbot durch den katholischen Herzog wurden Luthers Schriften schon seit vielen Jahren in Leipzig gelesen. Reisende brachten ihre Erzählungen von Luthers Predigten in anderen Städten mit in die Messestadt. So ist es nicht verwunderlich, dass der Andrang zu Luthers Predigt in der Thomaskirche immens war. Die Menschen sollen auf Pfeilern und Absätzen gestanden haben, einige legten sogar von außen Leitern an und drückten die Fenster ein.

So zeigt wenigstens das einfache Volk, dass der Reformator in Leipzig ein willkommener Gast war. Das Verhältnis der Leipziger zum Reformator Luther hat sich normalisiert. Heute gibt es keine Diskussion mehr über die Bedeutung Luthers für die Menschheit und für die Stadt Leipzig. Und so feiert auch die Stadt Leipzig 2017 500 Jahre Reformation – mit Stolz, zum Erfolg Luthers beigetragen zu haben.

Lesen Sie zum 500. Reformationsjubiläum auch die folgenden Beiträge:

500 Jahre Reformation – Stadtführungen

„Luther in Leipzig“

Quelle: wikipedia

Bildnachweis: Paulinerkirche: Von H.-P.Haack (Diskussion) 09:35, 27. Apr. 2012 (CEST) – Sammlung H.-P.Haack Leipzig, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19396917

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