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Von der Weißen Elster an die Saale

Entdeckungen auf dem Elster-Saale-Radweg zwischen Leipzig und Weißenfels

Das Rathaus in Lützen

Das Rathaus in Lützen

Der Elster-Saale-Radweg verbindet nicht nur zwei Flüsse. Er führt durch eine interessante Natur- und Kulturlandschaft. Braunkohleabbau, Dreißigjähriger Krieg, Napoleonische Befreiungskriege, die Zeit des Absolutismus sind Themen am Radweg. Persönlichkeiten haben in früheren Jahrhunderten ihre Spuren am heutigen Elster-Saale-Radweg hinterlassen: Friedrich Nietzsche, Johann Gottfried Seume, König Gustav II. Adolf. Der Elster-Saale-Radweg – das ist Natur, Kultur und Geschichte auf ca. 35 Kilometern.

Der Elster-Saale-Radweg folgt im Wesentlichen dem Verlauf der ehemaligen Kohlebahn aus Pörsten nach Leipzig-Plagwitz. Im Jahr 1897 wurde der Abschnitt Plagwitz-Lützen eröffnet. Die Bahn diente dazu, Braunkohle aus den Tagebauen zwischen Lützen und Weißenfels nach Leipzig zu transportieren. Der Reisezugverkehr wurde 1998 eingestellt, die Strecke 1999 stillgelegt.

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Wo einst Dampflokomotiven schnauften führt heute ein Radweg durch die Landschaft

Wo einst Dampflokomotiven schnauften führt heute ein Radweg durch die Landschaft

2005 begann die Demontage der Bahnanlagen und im Anschluss wurde zunächst auf sächsischer Seite der Elster-Saale-Radweg ausgebaut. Heute ist der Radweg von Leipzig-Lausen über Lützen bis nach Dehlitz durchgängig befahrbar. In Dehlitz trifft der Elster-Saale-Radweg auf die Saale-Unstrut-Elster-Radacht, die den Radfahrer entweder nach Weißenfels oder nach Großkorbetha zum Saaleradweg bringt.

Der Elster-Saale-Radweg führt zum überwiegenden Teil abseits von Straßen oder als straßenbegeleitender Radweg. Daher ist er für Familien und Senioren sehr gut geeignet. Das Streckenprofil ist überwiegend flach.

Elster-Saale-Radweg – Abschnitt von Leipzig-Lausen nach Lützen

Am Kulkwitzer See in Leipzig-Lausen

Am Kulkwitzer See in Leipzig-Lausen

Auch wenn der Radweg Elster-Saale-Radweg heißt und laut Radwanderkarten in der Innenstadt von Leipzig beginnt, sollte man die Radtour erst in Leipzig-Lausen starten. Die Fahrt durch Leipzig führt teilweise über stark befahrene Straßen und ist daher gefährlich. Besser ist es, mit der S-Bahn zur Miltitzer Allee zu fahren und zunächst dem Inneren Grünen Ring Leipzig entlang des Kulkwitzer Sees zu folgen. An der Südspitze des Kulkwitzer Sees ist der Abzweig nach Lützen ausgeschildert.

Die Hunnenschanze in Schkölen

Die Hunnenschanze in Schkölen

Der Radweg verlässt hier auch die Stadt Leipzig und führt vorbei an Göhrenz und Albersdorf nach Seebenisch. Da der Ort nichts Sehenswertes zu bieten hat kann man weiterfahren nach Schkölen.

Am nördlichen Ortsrand von Schkölen befindet sich die Hunnenschanze, ein sorbischer Burgward.

Durch Felder führt der Elster-Saale-Radweg nach Meuchen in Sachsen-Anhalt. In der Ortsmitte von Meuchen steht die romanische Wehrkirche.

Die romanische Wehrkirche in Meuchen

Die romanische Wehrkirche in Meuchen

Nach seinem Tod in der Schlacht bei Lützen am 6. November 1632 wurde der schwedische König Gustav II. Adolf in der Meuchener Kirche aufgebahrt.

Schließlich wird Lützen erreicht – die kleine Stadt mit großer Geschichte. Die einst zum Hochstift Merseburg gehörende Stadt trat im Dreißigjährigen Krieg 1632 erstmals in das Licht der Weltgeschichte. Die Heere der Schweden unter ihrem König Gustav II. Adolf und das kaiserliche Herr unter Führung Wallensteins trafen nördlich der Stadt aufeinander. Der Schwedenkönig fiel in der Schlacht.

Statue Gustav II. Adolf am Rathaus in Lützen

Statue Gustav II. Adolf am Rathaus in Lützen

Eine weitere Schlacht unweit von Lützen sollte es sein, die die Stadt erneut bekannt machte. Am 2. Mai 1813 trafen bei Großgörschen die Truppen Napoleons auf die Verbündeten Preußen und Russland. Die Schlacht bei Großgörschen war die erste der Befreiungskriege.

Für die Stadt Lützen sollte man sich etwas Zeit nehmen. Das Schlossmuseum zeigt eine Ausstellung zu den Ereignissen des Jahres 1632. Die Stadtkirche St. Viti und das Neorenaissance-Rathaus mit einer Statue des schwedischen Königs sind ebenso sehenswert, wie die Gustav-Adolf-Gedenkstätte am nördlichen Stadtrand. Unweit der Gedenkstätte befindet sich der Martzschpark mit einem Heimattierpark und Klettergarten.

Elster-Saale-Radweg – Abschnitt von Lützen nach Weißenfels

Pfarrhaus und Kirche in Röcken

Pfarrhaus und Kirche in Röcken

Von Lützen führt der Elster-Saale-Radweg nun entlang der Straße zunächst nach Röcken. Unterwegs ist der Rest einer Kohlenverladestation und ein Wasserturm des ehemaligen Tagebaus Gostau zu sehen.

Röcken ist der Geburts- und Begräbnisort des Philosophen Friedrich Nietzsche. Er wurde 1844 als Sohn des Pfarrers in Röcken geboren. Das Pfarrhaus – Nietzsches Geburtshaus – und seine Taufkirche können besichtigt werden. Nietzsche starb 1900 in Weimar und wurde an der Südwand der Röckener Kirche neben seinen Eltern und seiner Schwester begraben. Die Skulpturengruppe „Röckener Bacchanal“ an der Nordseite der Kirche erinnert an den großen deutschen Philosophen.

Die Kirche in Großgöhren

Die Kirche in Großgöhren

Nächster Ort am Elster-Saale-Radweg ist Großgöhren. Sehenswert sind die barocken und klassizistischen Grabsteine, die an der Außenwand der Kirche aufgestellt wurden. Unweit von Großgöhren liegt der Ort Poserna. Hier wurde 1763 der Schriftsteller und Dichter Johann Gottfried Seume geboren.

Bei Großgöhren weicht der Elster-Saale-Radweg endgültig von der alten Bahntrasse ab und führt in westlicher Richtung nach Dehlitz an der Saale. Der kleine Ort wartet mit einer Vielzahl interessanter Kulturobjekte auf.

Das Neue Herrenhaus in Dehlitz/Saale

Das Neue Herrenhaus in Dehlitz/Saale

Von der Kirche von Dehlitz sind nur noch das Schiff und der Chor erhalten. Der große Gutshof in der Ortsmitte mit dem alten Herrenhaus kann nicht besichtigt werden. Hinter dem Neuen Herrenhaus an der Dorfstraße befindet sich der Gutspark mit einer ca. 300 Jahre alten Hängebuche. Oberhalb von Dehlitz steht die Kirche Treben – die Kirche ohne Dorf. Die romanische Kirche wurde in eine slawische Doppelwallanlage gebaut. An der Südseite der Kirche befindet sich ein slawischer Friedhof mit Grabsteinen aus Braunkohlequarziten.

Das Saaletal bei Burgwerben

Das Saaletal bei Burgwerben

In Dehlitz hat der Radfahrer die Qual der Wahl. Er kann der Saale-Elster-Unstrut-Radacht folgen – in südlicher Richtung nach Weißenfels oder in nördlicher Richtung nach Großkorbetha zum Saaleradweg.

Ich bin in südlicher Richtung auf der Saale-Unstrut-Elster-Radacht nach Weißenfels gefahren. Der Radweg führt unmittelbar an der Saale entlang. Über den Fluss hat man immer wieder interessante Ausblicke auf die gegenüber liegenden Orte Kriechau und Burgwerben.

Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels

Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels

Schließlich in Weißenfels angekommen, führt der Radweg auf der Leipziger Straße in die Innenstadt. Weißenfels war zwischen 1656 und 1746 Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Weißenfels. Sie errichteten über der Stadt das Schloss Neu-Augustusburg und verwandelten Weißenfels in eine barocke Residenzstadt. Der einstige Glanz von Weißenfels lässt sich an den barocken Palais und Bürgerhäusern bis heute ablesen.

In der Weißenfelser Salinendirektion wirkte der Akzessist Friedrich von Hardenberg, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Novalis.

Blick von Elster-Saale-Radweg auf die Stadt Lützen

Blick von Elster-Saale-Radweg auf die Stadt Lützen

  • Empfohlene Tour:
    Radtour
  • Route:
    Die Tour beginnt am S-Bahn-Haltepunkt Miltitzer Allee in Leipzig-Grünau. Sie führt zunächst entlang des Inneren Grünen Rings Leipzig entlang des Kulkwitzer Sees. An der Südspitze des Kulkwitzer Sees trifft der Innere Grüne Ring auf den Elster-Saale-Radweg. Folgen Sie dem Radweg über Seebenisch, Schkölen und Meuchen bis nach Lützen. In Lützen folgen Sie der Ausschilderung zum Schloss und zur Gustav-Adolf-Gedenkstätte.

    Die Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen

    Die Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen

    Von Lützen folgt der Elster-Saale-Radweg der Bundesstraße B 87 als straßenbegleitender Radweg. Vorbei an Röcken führt der Elster-Saale-Radweg nach Großgöhren.

    Von Großgöhren führt der Elster-Saale-Radweg parallel zur Saale-Unstrut-Elster-Radacht nach Dehlitz an der Saale. Entlang der Saale führt der Radweg in das Stadtzentrum von Weißenfels.

  • Ehemaliger Bahnhof in Meuchen

    Ehemaliger Bahnhof in Meuchen

  • Dauer:
    ca. 2 Stunden Fahrzeit,
    gesamt ca. 5 Stunden
  • Entfernung:
    Abschnitt Leipzig-Lausen – Lützen
    Lausen – Schkölen: ca. 9 km
    Schkölen – Meuchen: ca. 4 km
    Meuchen – Lützen
    (Gustav-Adolf-Gedenkstätte): ca. 6 km
    gesamt: ca. 19 km
    Die Kirche in Dehlitz/Saale

    Die Kirche in Dehlitz/Saale


    Abschnitt Lützen – Weißenfels
    Lützen – Röcken: ca. 4,5 km
    Röcken – Großgöhren: ca. 4 km
    Großgöhren – Dehlitz/Saale: ca. 5 km
    Dehlitz/Saale – Weißenfels: ca. 5 km
    gesamt: ca. 14 km
    Gesamtlänge Elster-Saale-Radweg: ca. 37,5 km

Bildergalerie Elster-Saale-Radweg

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Autor: Mirko Seidel am 1. Jun 2014 10:25, Rubrik: Artikel, Artikel & Berichte, Reiseberichte, Saale, Weiße Elster, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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