Landkreis Wittenberg

Stadtspaziergang durch die Lutherstadt Wittenberg

Markt der Lutherstadt Wittenberg

Markt der Lutherstadt Wittenberg

Die Lutherstadt Wittenberg ist die Kreisstadt des Landkreises Wittenberg im Osten des Landes Sachsen-Anhalt. Wittenberg liegt mit seinen ca. 45.000 Einwohnern (2024) an der Elbe.

Die ersten verlässlichen Erwähnungen im heutigen Stadtgebiet von Wittenberg stammen aus den Jahren 973 und 1004 mit der Erwähnung von Pratau und Seegrehna. Die erste Erwähnung des Namens Wittenberg und einer Kirche erfolgte im Jahr 1174.

Bernhard von Sachsen erhält 1180 die Herzogswürde. Sein Sohn Albrecht I. erbt das Gebiet um Wittenberg und die Herzogswürde. 1227 errichtete seine Gemahlin Helena von Sachsen ein Franziskanerkloster. Ihr Sohn, Albrecht II. von Askanien, erhielt von seinem Schwiegervater Rudolf von Habsburg die Kurwürde. Albrecht II. hielt sich ständig in Wittenberg auf und so wurde Wittenberg Residenz von Sachsen-Wittenberg. Albrecht II. verlieh am 27. Juni 1293 Wittenberg das Stadtrecht.

Holzmarkt mit Brunnen des Röhrwassers

Holzmarkt mit Brunnen des Röhrwassers

Mit dem Tod Albrechts III. von Askanien 1422 verloren die Askanier die sächsische Kurwürde an die Wettiner. Nach der Leipziger Teilung 1485 fiel Wittenberg an die ernestinische Linie. Zu den Residenzstädten wurden Torgau, Weimar und Wittenberg.

Mit dem Regierungsantritt von Kurfürst Friedrich III. von Sachsen, genannt der Weise, begann 1486 die Blütezeit Wittenbergs. Er ließ die Residenzstadt ausbauen, gründete die Universität. So konnte Wittenberg zu einem geistigen Zentrum des Humanismus und als Wirkungsstätte von Martin Luther zum Mittelpunkt der Reformation aufsteigen. Friedrich verlegte die kurfürstliche Residenz nach Wittenberg.

Residenzschloss Wittenberg

Residenzschloss Wittenberg

Ab 1489 ließ Friedrich der Weise die alte Burg der Askanier abtragen und das Residenzschloss bauen. Der Ostflügel und die Schlosskirche entstanden als letzter Teil des Schlosskomplexes bis 1509.

Die Schlosskirche in Wittenberg diente als Aufbewahrungsort von Friedrichs Reliquiensammlung und als Grablege der ernestinischen Kurfürsten. In den Wittenberger Heiltumsbüchern von 1509, die durch den Buchdruck im ganzen Heiligen Römischen Reich verbreitet wurden, hielt Lucas Cranach in 119 Holzstichen insgesamt 5.005 Reliquien der Schlosskirche fest. Selbst nach dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 vergrößerte Friedrich seine Sammlung noch, um zu verhindern, dass seine sächsischen Untertanen ihr Geld in Wallfahrtsorten außerhalb des Landes ausgaben.

Arsenal Wittenberg

Arsenal Wittenberg

Seit 1509 wurden die Festungsanlagen Wittenbergs erneuert und ausgebaut. Kurfürst Friedrich III. von Sachsen gründete in Wittenberg 1502 eine Universität. Zwei von Professoren der Universität gegründete Hausdruckereien und läuteten den Beginn des Wittenberger Buchdrucks ein. 1508 wurde Martin Luther durch einen Gründungsprofessor der Universität Wittenberg, Johann von Staupitz, in die sächsische Residenzstadt Wittenberg berufen. Zu dieser Zeit lebten in Wittenberg ca. 2.000 Menschen.

Cranach-Hof Schlossstraße 1 Wittenberg

Cranach-Hof Schlossstraße 1 Wittenberg

1505 trat der Maler Lucas Cranach d.Ä. in den Dienst des Kurfürsten. 1512 kaufte Cranach die Häuser Markt 3 und 4. Ab 1517 trug vor allem die Verbreitung von Martin Luthers 95 Thesen dazu bei, dass Wittenberg eine hohe Anziehungskraft auf Gelehrte und Studenten ausüben konnte. Philipp Melanchthon bezog vermutlich 1520 das Haus in der Collegienstraße 62.

Als Beginn der Reformationsbewegung gilt der Thesenanschlag Martin Luthers an das Eingangsportal der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517.

Nach dem Tod Friedrichs des Weisen verlor Wittenberg seine Residenz an Torgau. 1526 wurden die Festungsanlagen weiter ausgebaut, ein neues Rathaus und im späten 16. Jahrhundert eine Trinkwasserversorgungsanlage, das Röhrwasser, errichtet.

Cranach-Hof Schlossstraße 1 Wittenberg

Cranach-Hof Schlossstraße 1 Wittenberg

Im Schmalkaldischen Krieg kam es zur Wittenberger Kapitulation, wodurch Wittenberg als Zentrum des Kurkreises an die albertinische Linie der Wettiner überging.

Auf Beschluss des Wiener Kongresses fielen drei Fünftel des Landes Sachsen, darunter auch Wittenberg, an Preußen. 1817 ließ König Friedrich Wilhelm III. von Preußen die Wittenberger Universität auflösen und mit der Universität in Halle (Saale) vereinigen. Wittenberg bekam ein evangelisches Predigerseminar. 1820 wurde Wittenberg mit dem Einzug des Infanterieregiments 26 zur Garnisonsstadt. Das Schloss wurde zur Kaserne umgebaut und das alte Universitätsgebäude musste ebenfalls einem Kasernenbau weichen.

Collegium Augusteum Wittenberg (Lutherhaus)

Collegium Augusteum Wittenberg (Lutherhaus)

Kaiser Wilhelm I. ließ ab 1873 die Festungsmauern abreißen. 1821 wurde in Wittenberg das Denkmal für Martin Luther auf dem Marktplatz eingeweiht, 1830 die noch heute stehende Luthereiche neu gepflanzt, 1858 eine bronzene Thesentür an der Schlosskirche gestiftet, 1865 das Denkmal für Philipp Melanchthon auf dem Marktplatz enthüllt, von 1877 bis 1883 ein reformationsgeschichtliches Museum im Lutherhaus eingerichtet, am 31. Oktober 1892 im Beisein Kaiser Wilhelms II. die restaurierte Schlosskirche eingeweiht und 1894 das Bugenhagendenkmal auf dem Kirchplatz enthüllt.

1944 wurden mehrere Häuser im östlichen Stadtgebiet durch einen Luftangriff beschädigt. Vor dem Einmarsch der Roten Armee am 26. April 1945 wurden noch die Elbbrücke und die Flutbrücke im heutigen Ortsteil Pratau gesprengt.

Spaziergang durch die Innenstadt von Wittenberg

Die Zahlen in den eckigen Klammern entsprechen den Zahlen in der Übersichtskarte

Collegium Augusteum Wittenberg (Lutherhaus)

Collegium Augusteum Wittenberg (Lutherhaus)

Wer die Lutherstadt Wittenberg besucht, findet einen intakten Stadtkern mit einem Ensemble aus mittelalterlichen Kirchen und Bürgerhäusern aus dem 16. bis 20. Jahrhundert vor. Der liebevoll restaurierte Stadtkern von Wittenberg, der von den Türmen der Stadtkirche und der Schlosskirche überragt wird, gehört zu den schönsten Altstädten inMitteldeutschland.

Der Rundgang durch die Altstadt von Wittenberg beginnt am östlichen Rand der Innenstadt am Bunkerberg, auf der ehemaligen Befestigungsanlage. Von dort bietet sich bereits der Blick auf das Collegium Augusteum [1]. Das ehemalige Schwarze Kloster aus dem frühen 16. Jahrhundert war Wohn- und Wirkungsort von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora. Im Hof des Augusteums. Steht ein Denkmal für Luthers Frau Katharina.

Collegium Fridericianum Wittenberg

Collegium Fridericianum Wittenberg

Nur wenige Schritte vom Collegium Augusteum entfernt in der Collegienstraße 62 steht das Melanchthonhaus [2]. Das im 16. Jahrhundert durch Kurfürst Friedrich von Sachsen und die Universität Wittenberg gebaute Haus für den Universitätsprofessor Philipp Melanchthon errichtet Haus wurde in späteren Jahrhunderten umgebaut und erhielt einen modernen Museumsanbau.

Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen gründete 1502 in Wittenberg die erste Universität nach der Leipziger Teilung von 1485 im ernestinischen Kurfürstentum Sachsen. Sie erhielt den Namen Leucorea – weißer Berg. Der Lehrbetrieb an der Universität Wittenberg wurde im März 1813 eingestellt. Nachdem 1815 Wittenberg an Preußen fiel, wurde die Universität von Wittenberg nach Halle verlegt als Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg. 1990 wurde in Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1994 die Stiftung Leucorea als Stiftung öffentlichen Rechtes als Bestandteil der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ins Leben gerufen.

Das heutige Collegium Fridericianum [3] wurde um 1820, nach der Schließung der Universität gebaut.

Cranach-Hof Schlossstraße 1 Wittenberg

Cranach-Hof Schlossstraße 1 Wittenberg

Der Stadtspaziergang führt nun zum Markt von Wittenberg. Nach 1512 kaufte Lucas Cranach d.Ä. das Haus Markt 4 [4]. Hier wurde sein Sohn, Lucas Cranach d.J. 1515 geboren. Um das Jahr 1520 erwarb Lucas Cranach d.Ä. das wenige Meter entfernte Haus Schlossstraße 1 [5] – den Cranachhof- ließ die Hofgebäude umbauen und richtet hier seine Werkstatt ein. Im Hof des Cranach-Hauses sitzt der Künstler und Bauherr mit Stift und Zeichenpapier.

Der Schlossstraße folgend, erreicht man das ehem. Residenzschloss Wittenberg [6] mit der Schlosskirche. Das Residenzschloss Wittenberg wurde zwischen 1489 und 1525 anstelle einer Burg errichtet. Nach einem Brand erfolgte um 1770 nur ein vereinfachter Wiederaufbau. Seines Charmes wurde das Schloss durch den Umbau zur Zitadelle nach 1819 beraubt.

Schlosskirche in Wittenberg

Schlosskirche in Wittenberg

Die Schlosskirche Wittenberg entstand 1496/1497 nach Abbruch der Burgkapelle als Nordflügel des Schlosses. Die im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Kirchentür, an die Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen anschlug, wurde 1858 durch eine gusseiserne Tür ersetzt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Schlosskirche 1885 bis 1892. In der Kirche befinden sich die Gräber von Martin Luther und Philipp Melanchthon.

Von der Schlosskirche führt der Stadtspaziergang zu einem kleinen Rundgang durch den Park, der anstelle der Stadtbefestigung angelegt wurde. Zurück an der Schlosskirche führt die Coswiger Straße zum Arsenalplatz [8]. Hier steht das ehem. Zeughaus aus preußischer Zeit. Auf dem Gelände des ehem. Franziskanerklosters entstand 2014 das Stadthaus Wittenberg. Ein weiterer Neubau am Arsenalplatz ist das Einkaufszentrum Arsenal.

Marktbrunnen in Wittenberg

Marktbrunnen in Wittenberg

Vom Arsenalplatz führt der Stadtspaziergang durch Wittenberg zum Markt. Das ab 1523 erbaute Rathaus [9] ist ein stattlicher Renaissancebau. Vor dem Rathaus stehen die Denkmäler für Martin Luther und Philipp Melanchthon. Sehenswert ist auch der Marktbrunnen von 1617, der 2017 durch eine Kopie ersetzt wurde.

Durch eine schmale Gasse gelangt man vom Markt zum Stadtkirche St. Marien, die mit ihrer Doppelturmfassade den Markt überragt [10]. Der Chor der Marienkirche wurde 1281/1285 errichtet, um 1360 der Westbau vollendet. 1411 begann der Umbau der Kirche zur Hallenkirche, die 1439 geweiht wurde. In der Stadtpfarrkirche St. Marien befindet sich der Reformationsaltar von Lukas Cranach d.Ä. Neben der Stadtkirche steht die 1456 erbaute Fronleichnamskapelle.

Holocaustdenkmal an der Stadtkirche in Wittenberg

Holocaustdenkmal an der Stadtkirche in Wittenberg

An der Südostecke der Stadtkirche befindet sich das Relief der Judensau, darunter das Denkmal für die Reichspogromnacht.

Geht man einmal um die Kirche herum, kommt man zum Bugenhagenhaus und zum Denkmal für den Wittenberger Pfarrer und Freund Luthers, Johannes Bugenhagen [11]. Sehenswert ist auch die alte Lateinschule mit ihrem Portal, heute Internationales lutherisches Studien- und Begegnungszentrum.

Von der Stadtkirche gelangt man zum Holzmarkt [12] mit dem Holzmarktbrunnen. Der Brunnen gehört zum Wittenberger Röhrwasser. Wohlhabender Wittenberger Bürger ließen im 16. Jahrhundert eine eigene Wasserversorgungsanlage – das Wittenberger Röhrwasser – anlegen. 15 Brunnen und zwei Bäche sind heute im Wittenberger Stadtzentrum wieder sichtbar. Die Namen der Gründer des Röhrwassers stehen heute auf einer Gedenktafel am Röhrwasserbrunnen im Cranachhof in der Schlossstraße 1.

Wittenberger Röhrwasser am Kronhaus in Wittenberg

Wittenberger Röhrwasser am Kronhaus in Wittenberg

Der Stadtspaziergang durch Wittenberg folgt der Collegienstraße zum Augusteum und endet am Panorama LUTHER 1517. Der Leipziger Künstler Yadegar Asisi stellt in einem 360°-Panorama das mittelalterliche Wittenberg dar, von historischen Begebenheiten, wie dem Thesenanschlag Martin Luthers, bis hin zu alltäglichen Darstellungen.

Skizze „Stadtspaziergang durch die Lutherstadt Wittenberg“

Bilder aus der Lutherstadt Wittenberg


Quellen:
www.wikipedia.de
wittenberg-tourismus.de/
wittenberg.de/

Quelle:
Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt II, Regierungsbezirke Dessau und Halle, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1999

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Autor: Mirko Seidel am 3. Feb. 2026 15:41, Rubrik: Landkreis Wittenberg, Sachsen-Anhalt, Stadtansichten, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,


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